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"Harlekin's Klooseum" – Museum of Modern Arsch

Am 3. April 2011 um 11:11 Uhr, öffnet "Harlekin's Klooseum - Museum of Modern Arsch" seine Tore im Wiesbadener Stadtteil Erbenheim. Damit realisiert der Wiesbadener Sammler Michael Berger (69) ein Konzept, das sich ausschließlich um das Unaussprechliche dreht und das in dieser Form bislang einzigartig auf der Welt ist.

Im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht die Kulturgeschichte des "stillen Örtchens" und eine Reise durch den menschlichen Körper - beginnend am Hinter(n)ausgang. Im Darm - in der Realität so lang wie ein Feuerwehrauto - geht es los, das heißt allein acht Meter im menschlichen Körper sind für die Nahrungsverdauung reserviert. Das Logo der Ausstellung ist ebenfalls dicht am Thema: die Weltkugel in Gesäßform.

Duchamp und Maciunas, die Kunst steht Pate

Elk Michael Berger strebt mit diesem non-profit-Projekt eine Enttabuisierung der mensch-lichen Bedürfnisse an und wandelt damit auf den Spuren seiner Vorbilder Marcel Duchamp und George Maciunas. Ersterer reichte auf einer Kunstausstellung ein Pissoir als eigene Arbeit ein und schockierte die damalige Kunstwelt, gewissermaßen "standesgemäß" starb er auf einer Toilette bei einem Lachanfall, während sich der "Erbenheimer" Fluxusbegründer Maciunas in seiner letzten Arbeit mit einer Toilette beschäftigte. Kein Wunder also, dass durch die Räume ein Geist von Fluxus weht.

Gleichwohl lohnt ein Blick in die Geschichte. Denn vor der Erfindung des WCs im 19. Jahrhunderts war es ganz natürlich sich in Anwesenheit seiner Mitmenschen von der verdauten Nahrung zu befreien. Der Nachttopf beispielsweise war in Wirklichkeit ein "Tagtopf“, in seiner jahrtausendlangen Nutzung hat er das Tageslicht nicht gescheut.

Sonnenkönig Ludwig der XIV. ließ sein Prunkschloss in Versailles ohne einen einzigen Lokus errichten. Der gesamte Hofstaat benutzte Nachttöpfe oder ging - wenn es nicht regnete - hinter die Bäume im riesigen Park. Von Ludwig ist auch überliefert, dass er, auf seinem Leibstuhl sitzend, innige Zwiesprache mit Lieselotte von der Pfalz hielt.

Erst 1860 wurde für die englische Königin Victoria auf Schloss Ehrenburg das erste WC Deutschlands installiert, zuvor mussten Donnerbalken, Nachttöpfe oder die edlen Bourdalous ihren Zweck erfüllen. Dennoch gab es immer wieder Versuche der Schamhaftigkeit der zivilisierten Welt zu trotzen. Im Berlin der 20er Jahre gehörten Furzkonzerte auf offener Bühne durchaus zum "guten Ton".

Kulturgeschichte des stillen Örtchens

In einem ruhigen Örtchen, einem alten Pfarrhaus wird diese ungewöhnliche Schau präsentiert, die ganz ohne öffentliche Gelder und Förderung auskommt. Den Besucher erwarten nicht nur Klobürsten, Nachttöpfe, Klorollen, Furzkissen, sondern auch ungewöhnliche Exponate wie die Nachbildung des letzten selbständigen Ostberliner Klomanns vor der Wende. Der "Ossi" verrichtete von 1964 bis 1989 seinen Dienst im Fernsehturm am Alexanderplatz. Übrigens, so die Basiserkenntnis der Hygieniker: Man kann sich ruhig auf jedes deutsche Klo setzen, aber man sollte sehr vorsichtig sein, einem deutschen Doktor die Hand zu geben.

Gleich am Eingang lauert Goethes Götz von Berlichingen dem Besucher auf. In 64 Sprachen das berühmte Zitat "Leck mich am A...." Im Treppenhaus baumeln 27 verschiedene Klozieher von der Decke. Motto "Ziehen oder ziehen lassen!" In allen Variationen sind Klobürsten zu sehen. Tageslosung: "Wir bürsten wie die Fürsten!" und es reift die Erkenntnis - die Klorolle ist die wichtigste Rolle im Leben.

Im Treppenaufgang hat der Breslauer Maler Paul Luchowsky Museumsgründer Michael Berger als Gold-Esel verewigt, reifte doch schon im alten Kaiser Vespasian die Erkenntnis: "Pecunia non olet" (Geld stinkt nicht). Während Vespasian Scheiße zu Gold machte, war es unter der Regentschaft von Kaiser Caracalla verboten zu furzen, vor allem vor Bildern des Kaisers und an heiligen Orten. Wer es dennoch tat, wurde hingerichtet.


In der Öko-Ecke gibt es all das zu erblicken, was die Verdauung und die Darmwinde fordert und gesammeltes Sponti-Wissen: "Esst mehr Scheiße - Millionen Fliegen können nicht irren". Nein, Sie sind jetzt noch nicht am Arsch der Welt, aber Kuhfladenuhren vermitteln dem Besucher die aktuelle Zeit in London, Tokio und Paris und die Erkenntnis - andere Länder, andere Haufen.

Kein geringerer als die Weltbank hat sich die Mühe gemacht, die Fäkaliengewichte der Geschlechter und Völker zu erfassen. Die tägliche Abgabemenge eines englischen Matrosen und einer englischen Frau liegen bei 104 Gramm. Während ein ugandischer Landbewohner innerhalb von 24 Stunden 470 Gramm abseilt, kommt ein Shipibo-Indianer in Peru immerhin noch auf eine Menge von 325 Gramm. Selbst ein Stadt- Land-Gefälle ermittelten die Statistiker. Land-Chinesen schaffen 489 Gramm-Haufen, Stadt- Chinesen kommen mit 277 Gramm über den Tag.

Verdauung ist das halbe Leben

Wie breit das Thema angelegt ist, zeigt ein Blick in die Weltgeschichte. Die Zitatensammlung rund um das kleine Geschäft ist erdrückend. Kurz gesagt - Verdauung ist das halbe Leben.

Vom Reformator Luther ("Aus einem verzwickten Arsch kommt kein fröhlicher Furz") bis zu Charles Bukowski ("Sex ist interessant, aber nicht das einzig Entscheidende. Ich will sagen, es ist nicht mal so wichtig (technisch gesehen) wie das Scheißen. Ein Mann kann 70 Jahre alt werden, ohne je eine Nummer zu schieben, aber ohne Stuhlgang kann er in einer Woche tot sein.") haben sich die großen Geister dieser Welt so ihre Gedanken gemacht. Aristophanes ließ im antiken Athen in seiner Komödie "Lysistra" die HeIdin und ihre aufmüpfigen Kolleginnen den Männern den Inhalt ihrer Nachtgeschirre ins Gesicht schleudern.

Zur absoluten Kultfigur wurde "Das kleine Arschloch" aus der Feder des Zeichners und Autors Walter Moers, schließlich wurde der Werdegang dieser rotzfrechen Gestalt sogar verfilmt. Und auch Harlekins "Klo-Gäste-Buch" wurde mit über 334.000 verkauften Exemplaren ein echter Longseller. Die Firma Harlekin hat in den 70er Jahren das "sibirische Wanderklo" mit seinem Zweistocksystem (ein Stock zum Abstützen bei der Notdurft, ein zweiter Stock zum Fuchteln gegen feindliche Wölfe) populär gemacht, wenngleich die große Breitenwirkung versagt blieb.'

In der Station "Pipi-Fax" dreht sich alles um Kunst und Kitsch. Vom "Arsch mit Ohren" bis zum Stinkefinger. Posthum kann man sich auch an den Diktatoren vergehen. Die Konterfeis von Hitler, Mao und Stalin starren aus Pissoirs. Alternativ kann frau mit einer Hitler- Klobürste im braunen Schlamm wühlen.

Übernachten zwischen Klo und Deckel

Wie sein Pendant, das bereits existierende HarlekinÄum, wird das Klooseum kein reiner Aufbewahrungsort von toten Gegenständen sein, sondern das Erleben und Staunen steht im Mittelpunkt. Geräusche verstärken das Gesehene, auch das Haptische kommt nicht zu kurz. Speziell diese Form der Präsentation verlangt einen Verzicht auf Massenaufläufe, denn die Ausstellung kann nur in kleinen Gruppen durchlaufen werden (maximal 8 Personen). Gewissermaßen geführte Touren durch dick und dünn.

Zu sehen gibt es viel, etwa "Kack-teen", einen Fernseher mit eingebauter Klospülung oder echte Scheißhauskunst und das ganze garniert als "Palast der Winde". Die "Big Five des Körpers" (Herz, Lunge, Leber, Niere, Magen) verstecken sich hinter fünf Klotüren, die es zu erforschen und zu ertasten gilt. Beim Öffnen jeder Tür erklingen Geräusche, die dem jeweiligen Organ entsprechen und wie in einem Puzzle greift man sich mal eben ein Stück Herz aus dem menschlichen Körper. Ganz Mutige können sogar im Klooseum übernachten, es ist gleichzeitig als Wohnung nutzbar. Insgesamt umfasst die Sammlung rund 1.200 Exponate.

KLOOSEUM
65205 Wiesbaden-Erbenheim
Telefon (06 11) 7 40 01
Telefax (06 11) 7 40 01
www.klooseum.de

Öffnungszeiten: Jeden Sonntag von 11:11 Uhr bis 17:17 Uhr, 4. April bis 29. August 2011,

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Veröffentlicht am: 06.04.2011

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