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28.04.2017

 

 

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Seit 7. Juli im Handel: "RESTREPO"

Anlässlich des DVD/Blu-Ray-Disc-Handelsstarts der  Kriegsdokumentation „Restrepo“ hat Verleiher Kinowelt ein umfangreiches Interview mit Major Martin Rivard (40) der kanadischen Armee geführt, der für neun Monate in Afghanistan im Einsatz war. Ehrlich und offen gibt er Einblicke in seine Gedanken und Gefühle während dieser Zeit und verrät auch, wie seine Familie damit umgegangen ist.
 
Hallo Martin. Wie war das damals – war es deine freie Entscheidung, nach Afghanistan zu gehen, oder war das ein Dienstbefehl?

Kinowelt:
Es war ein Zwischending zwischen Freiwilligkeit und Befehl. Ich hatte die Möglichkeit, abzulehnen, aber das hätte mir bei künftigen Beförderungen Steine in den Weg gelegt. Letztlich war es meine Entscheidung, nach Afghanistan zu gehen. Es war nicht so, dass man mich dazu gezwungen hätte.

Wie viel Zeit hattest du zwischen dem Moment, als dein Einsatz klar war und dem Tag, als es dann tatsächlich los ging? Was hast du in dieser Zeit gemacht?
Kinowelt:
Es lagen sechs Monate zwischen meiner Entscheidung und der Abreise nach Afghanistan. Während dieser Zeit hatten wir eine Menge Übungen und Vorbereitungsmaßnahmen für den Einsatz, unter anderem Waffentraining und Feldübungen. Wir wurden eingestellt auf spezielle Situationen wie Kämpfe oder das Arbeiten in ungewohnten Umgebungen. Außerdem hatten wir auch eine standardisierte Vorbereitung für den Einsatzort, unter anderem Geographiekurse und Einführungen in die Kultur und wie man sich dort verhalten muss. Beispielsweise gilt es in Afghanistan als unhöflich, beim Willkommensgruß die linke Hand zu reichen und ein Handschlag wird dort als verbindlicher Vertrag betrachtet. Das sind so Sachen, die man vorher wissen muss, wenn man dort hin geht.

Und,  hattest du vor Ort dann häufig mit den Einheimischen zu tun? Was waren denn deine genauen Aufgaben in Afghanistan?
Kinowelt:
Ich hatte Aufgaben aus dem Bereich Information und Kommunikation und war die meiste Zeit in der Basis. Ich hatte deshalb nicht so viel Kontakt mit den Einheimischen. Am nächsten kam ich den Menschen dort, als ich eine Zeit lang in der Botschaft in Kabul im Einsatz war. Manche meiner Kollegen, die häufiger mit den Afghanen in Kontakt kamen, haben aber regelmäßig von Fällen erzählt, wie sie auch in „Restrepo“ gezeigt werden. Beispielsweise gab es eine Situation, in der wir Wiedergutmachung für Beschädigungen an Häusern und Feldern geleistet haben. Wir haben den Leuten kein Geld gegeben, sondern Ziegen. Der Grund: Sicherheitsbedenken. Familienbeziehungen sind sehr wichtig in Afghanistan. Wenn du den Leuten Geld gibst, kann es manchmal sein, dass sie es zu Verwandten schicken, die für die Taliban kämpfen und Waffen davon kaufen. Um das zu verhindern, konzentrierten wir uns darauf, ihnen Sachen zu geben, die ihnen direkt für ihr Leben zu Gute kommen. Das war das normale Vorgehen, ihnen Tiere zu geben oder Essensvorräte, um für Schäden aufzukommen.

Du sprichst die Taliban an – wie war es denn für dich vor Ort? Hast du Angst gehabt, dass du verletzt oder getötet wirst?
Kinowelt:
Nein, hatte ich nicht. Es gab aber auch keine Situation, in der mir jemand mit der Waffe in der Hand gegenüber gestanden hätte um mich zu töten. Allerdings wurde unsere Basis immer wieder mit Raketen beschossen, so etwa zwei bis dreimal pro Woche. Trotzdem gab es eigentlich nur einen einzigen Moment, in dem mir mulmig wurde: Ich war draußen im Hof, als das Gebäude mit Raketen attackiert wurde. Aber das war das einzige Mal in neun Monaten, dass ich etwas Angst hatte. Wenn du dort bist, musst du dir immer wieder sagen, dass du ohnehin nicht viel ausrichten könntest – wenn es dich trifft, dann kannst du es nicht verhindern. Deshalb konzentriert man sich ganz einfach auf seine Aufgaben. Wenn du was erledigen musst, dann musst du das erledigen. Du kannst es dir nicht erlauben, in Schockstarre zu verfallen. Wir haben das lange geübt und das führt zu einer entsprechenden inneren Haltung: Du bist dir sicher, dass du dich immer durch deine Ängste durcharbeiten und sie beiseiteschieben kannst. Aber das ist natürlich etwas, was nicht von alleine kommt. Es ist das Ergebnis harter Arbeit während einer langen Zeit.

Meine Frau konnte mit der Situation ebenfalls ganz gut umgehen. Als ich sie einmal anrief, wurden wir durch Sirenen unterbrochen. Ich habe nur gesagt: „Da ist was passiert, ich muss auflegen“, ohne ihr zu erzählen, dass wir gerade mit Raketen beschossen wurden. Das war so abgemacht, dass ich ihr über die gefährlichen Situationen keine Details erzähle. Als ich die Basis verließ, um für einige Wochen in Kabul in der Botschaft zu arbeiten, war sie allerdings etwas besorgter. Ich musste ihr versprechen, mich nicht freiwillig für gefährlichen Blödsinn zu melden. Und ich sagte: „Okay“. Das hat für uns gut funktioniert.

Also war es kein Problem, den Kontakt nach Hause zu deiner Familie zu halten?
Kinowelt:
Nein. Ich hatte ein Telefon an meinem Arbeitstisch und durfte zu Hause anrufen, wenn ich wollte. Das hat gut geklappt und war wirklich einfach, das einzige Problem war die Zeitverschiebung. Wir hatten außerdem auch Internet und Skype und es gab technische Einrichtungen für Videokonferenzen in der Basis, die wir nutzen durften. Man konnte das ganz einfach buchen und konnte dann Kanada kontaktieren. Das war echt prima gelöst.

Das klingt wirklich toll. Aber bestimmt hast du trotzdem manche Dinge vermisst?
Kinowelt:
Ja, schon. Meine Tochter wurde geboren, kurz bevor ich nach Afghanistan bin. Ich habe die ersten Monate ihres Lebens verpasst. Meine Frau hat sie zwar immer gefilmt und mir DVDs davon geschickt, aber nicht selbst da zu sein war ziemlich schwierig für mich. Das sind schließlich Momente, die du nie zurück bekommst. Außerdem habe ich es vermisst, in meinem eigenen Bett zu schlafen. Es ist unglaublich, was das für eine Umstellung ist, nicht zu Hause im eigenen Bett neben deiner Ehefrau zu liegen. An materiellen Dingen habe ich hingegen wenig vermisst. Wir hatten einen großen Laden in der Basis, der ein umfangreiches Sortiment an westlichen Waren hatte. Das war also für uns in der Basis kein Problem.

Wie hat deine Familie reagiert, als du am Ende wieder aus Afghanistan zurück gekommen bist? War es schwierig, ins „normale“ Leben zurückzufinden?
Kinowelt:
Meine Tochter hatte sich sehr daran gewöhnt, mit ihrer Mutter allein zu sein.  Das war erstmal schwierig. Außerdem stellt man sich auf unterschiedliche Routinen ein und muss sich dann erst wieder umstellen, wenn man zurück kommt. Als ich im Einsatz war, war mein Leben eher wieder wie damals, als ich Junggeselle war – und dann kommst du zurück in dein verheiratetes Familienleben. Das dauert dann ein Bisschen, bis du wieder richtig ankommst. Aber ich würde jederzeit wieder zu einem Auslandseinsatz gehen, wenn es notwendig wird. Das ist nunmal Teil der Verpflichtung, die wir alle eingehen, wenn wir die Uniform anziehen. Es ist noch nicht mal eine Frage des „Ob“, sondern eher eine Frage des „Wann“. Meine Frau und ich wissen beide, dass es wieder dazu kommen wird. Hoffentlich nicht so bald, aber ich werde sicher wieder dazu aufgefordert, irgendwo hin zu gehen.

Kinowelt:
Wir bedanken uns bei Martin Rivard für das offene und interessante Gespräch.

Wer nun neugierig geworden ist, und mehr zum Thema wissen möchte: Seit kurzem ist die preisgekrönte Dokumentation „Restrepo“ im Handel erhältlich, in der ein Kamerateam US-Soldaten in Afghanistan begleitete und den Alltag im Einsatz hautnah zeigt. Der Film gibt weitere spannende Einblicke – sehr  empfehlenswert.

Über den Film:

„Restrepo“ ist der Name eines Außenpostens der US-Armee im afghanischen Korengal-Tal, von den GIs auch „Tal des Todes“ genannt: Nirgendwo anders in Afghanistan hatte die USA mehr gefallene Soldaten zu beklagen. Über ein Jahr hinweg begleiteten die Regisseure Sebastian Junger und Tim Hetherington ein Platoon der 173. US-Luftlandebrigade bei ihrem Einsatz und zeigen dabei den durch Feuergefechte geprägten, schonungslosen Alltag der Truppe. Dabei kommen weder Diplomaten oder Generäle zu Wort, sondern ausschließlich Fußsoldaten. Somit hat der Zuschauer erstmals die Möglichkeit, einen nach heutigen Verhältnissen geführten Krieg komplett aus Sicht der Bodentruppen zu erleben.

Die eindrucksvolle Kriegsdokumentation über einen Außenposten der US-Armee im afghanischen Korengal-Tal, einer Hochburg der Taliban und Al-Qaida wurde für den Oscar® als bester Dokumentarfilm 2010 nominiert und als Bester Dokumentarfilm 2010 auf dem Sundance Film Festival ausgezeichnet. Realistische und ungeschönte Darstellung des Afghanistankriegs aus der Sicht einfacher Soldaten – solche Bilder dürfen die Nachrichtensender nicht zeigen!

Regisseur und Kriegsfotograf Tim Hetherington starb am 21. April 2011 bei einem Angriff in Libyen.

RESTREPO
DVD-/Blu-Ray-Disc-Release: 7. Juli
Verleih von Kinowelt Home Entertainment

Filmclips:
http://www.youtube.com/watch?v=yDGeorLVIqk
http://www.youtube.com/watch?v=xvY1C1-XMBw

 


Veröffentlicht am: 20.07.2011

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