
Der gelernte Industriekaufmann mit Schwerpunkt internationalem Marketing stuidierte an der ESB Business School in Reutlingen und machte dort seinen Abschluss B.A. European Business Administration/Betriebswirt (FH). Noch als Student machte sich Armin Wirth mit einer Marketing-Agentur selbstständig, die sich auf Unternehmen der Outdoor-Branche spezialisierte und organisierte Outdoor-Incentives für große Unternehmen. Heute ist er Chef des Familienunternehmens "Schweisstechnik Oerlikon Wirth GmbH & Co. KG".
2008 versuchte Armin Wirth mit seinem Partner Dieter Staudinger den Südpol zu erreichen, musste aber nach vier Wochen wegen fehlendem Wind die Idee einer Transversale aufgeben. Im November 2011 starten die beiden einen weiteren Versuch in der Antarktis.
Im Interview sprach Armin Wirth über seine Motivation, zu immer wieder neuen, gefährlichen Expeditionen aufzubrechen.
Warum gehst Du in die Antarktis?
Armin Wirth:
Ich habe lange versucht, eine Erklärung dafür zu finden, warum es mich in den letzten 20 Jahren immer wieder ins Eis gezogen hat. Und das, obwohl ich dort – neben den schönen Erlebnissen – auch sehr gelitten habe. Viele Jahre, gespickt mit Expeditionen durch Grönland, Spitzbergen oder hoch zum Nordpol und nun zum zweiten Mal in die Antarktis, nach unserem Scheitern dort in 2008 ...
Aber, die einfache und doch schwer zu begreifende Wahrheit ist, dass es keinen Grund dafür gibt. Es gibt nur einen inneren Ruf, und dem muss ich folgen, da er nicht verneint werden kann. Er ist einfach da. Sehr leise. Vom Alltagslärm im Kopf wird er meist übertönt. Er ruft aber beständig und hört nie auf. Er scheint eine unendliche Geduld zu haben und wenn man ihn einmal wirklich bewusst gehört hat, dann gibt es kein Zurück mehr. Der Ruf zieht dann alle Aufmerksamkeit auf sich.
Wie muss man sich solch einen Ruf vorstellen?
Armin Wirth:
Ihm zu folgen, ist wie das glückliche Wissen, auf dem richtigen Weg nach Hause zu sein. Es ist ein Gefühl, eine Gewissheit, die unheimliche Kraft, Leichtigkeit und Freude verleiht. Und das völlig unabhängig davon, was gerade um mich herum passiert. Egal, ob Schneesturm oder Flaute herrscht. Einfach Freude.
Fällt es dir leicht, dem Ruf zu folgen? Dich immer wieder auf den Weg zu machen?
Armin Wirth:
Ich habe nach Aloha Antarctica in 2008, wie schon oft zuvor, versucht, diesen Ruf zu ersticken. Denn den Ruf zu hören, ist eine Sache, ihm aber zu folgen, eine ganz andere. Es hat Konsequenzen. Bin ich bereit, ohne zu wissen, was es bedeutet, mich ganz dem Ruf hinzugeben? Auch wenn ich voller Angst bin, trotzdem den nächsten Schritt zu wagen? Wieder in einem Schneesturm orientierungslos zu sein, dem Ruf aber trotzdem zu vertrauen? Bin ich dazu bereit? Bereit, die Kontrolle abzugeben und es nicht besser wissen zu wollen? Mich auf eine völlig neue Erfahrung einzulassen? Da zu sein und zu sagen: „Ja, ich stehe zur Verfügung“, auch wenn es bedeutet zum Südpol aufzubrechen …
Was lernst Du auf diesem Weg?
Armin Wirth:
Ich lerne und erfahre in jedem Augenblick, dass es meine Schattenseiten sind, die mein Leben anstrengend und unerfüllt machen. Durch die Expedition werden sie an die Oberfläche gespült. Es gibt in der unendlichen Weite und Stille einfach keinen Ort, an dem sie sich verstecken könnten. An dem ich mich verstecken könnte. Damit beginnt der Prozess, meine Schattenseiten Stück für Stück loszulassen. Den Glauben ziehen zu lassen, dass ein Trugbild mir Glück und Erfüllung bringen könnte. Denn, die Belohnung sind Schmerz und Verzweiflung. Und doch versprechen uns unsere Schattenseiten immer wieder aufs Neue, dass sie uns für unsere Treue Freude schenken. Freude ist aber der Preis, den die Schatten für die Treue fordern und daher niemals werden geben können. Denn sie kennen nur Angst, Verzweiflung und Schuld.
Was bedeutet dies für dein Leben?
Armin Wirth:
Expeditionen bieten mir die Möglichkeit, durch ihren Kontrast zu meinem Alltagsleben festzustellen, wann ich dem wirklichen Ruf folge und wann ich doch mal wieder den Verlockungen der Schattenseite auf den Leim gegangen bin. Momentan folge ich dem Ruf nicht immer sofort, gehe noch Umwege, winde mich bis der Schmerz zu groß wird und ich merke, dass ich wieder den Schatten Glauben geschenkt habe. Dann lenke ich meine Aufmerksamkeit auf den Ruf zurück. Dieses Prinzip funktioniert für alle meine Lebensbereiche. Egal, ob ich mein Unternehmen leite, in einer Beziehung bin oder am Ende der Welt einen Schlitten durchs Eis ziehe. Friede und Freude kehren ein, wenn ich dem Ruf folge. Denn es ist letztendlich mein innerer Ruf.















