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18.10.2017

 

 

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Im Gespräch: Wolfgang-M. Boer - Zahnarzt und Bleaching-Experte

Gesundheit, Sportlichkeit und Schönheit werden von jeher mit Erfolg assoziiert. Der Erfolgreiche lächelt, denn er ist ein Siegertyp und „hat Biss“! Zu einer gepflegten Erscheinung gehört auch ein perfektes Lächeln. Gerade Menschen, die im Rampenlicht stehen, sind sich der Macht des Lächelns bewusst, und wer wäre nicht gern ein Sympathieträger?

Filmstars und solche, die es werden wollen, haben zu diesem Zweck schon früh die Hilfe eines kompetenten Zahnarztes zu schätzen gelernt: Oder können Sie sich Diane Krueger mit schiefen gelben Zähnen vorstellen? Ein strahlendes Lächeln mit ebenmäßigen, blendend-weißen Zähnen – wer möchte damit nicht sein Gegenüber bezaubern? Wenn Ihr Lächeln nicht von Natur aus filmreif ist, kann ästhetische Zahnmedizin helfen.

Zahnarzt Wolfgang-M. Boer, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Zahnheilkunde, beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Bleaching.

Wie funktioniert eigentlich ein Bleaching?

Wolfgang-M. Boer:
Es gibt die unterschiedlichsten Methoden, um ein Bleaching durchzuführen, die hierfür verwendete chemische Substanz ist jedoch immer das sogenannte Karbamidperoxid. Dieses setzt sich zusammen aus Karbamid, einem geschmacksneutralen, farblosen Trägergel, und Wasserstoffperoxid (H2O2), wie es u.a. zum Bleichen beim Haarefärben, aber auch zur Wunddesinfektion eingesetzt wird. Das Karbamid setzt das H2O2 nur sehr langsam frei. Diese Reaktion geht aber umso schneller, je wärmer das Gel ist. Bei Körpertemperatur etwa werden aus Karbamidperoxid bis zu acht Stunden lang geringe Mengen an H2O2 freigesetzt. Je stärker man es erwärmt, desto schneller läuft diese Reaktion ab.

Kaffee, Tee, Rotwein, Safran, Tabak und vieles mehr lagern sich mit den Jahren auf den Zähnen ab und machen sie dunkel. Die Farbstoffe dringen in den weißen Zahnschmelz ein, der das Zahnbein umhüllt, und lagern sich dort ab. Das H2O2 löst diese Pigmente nicht aus dem Schmelz heraus, sondern entfärbt sie nur schonend.

Welche unterschiedlichen Bleaching-Methoden gibt es?
Wolfgang-M. Boer:
Zuerst einmal kann man die Methoden nach der Indikation unterscheiden: Sollen intakte Zähne insgesamt nur weißer werden, oder ein toter Einzelzahn, der durch eine Wurzelkanalbehandlung schwarz geworden ist, wieder aufgehellt werden? Wenn man natürliche Zähne weißer machen möchte, gibt es grundsätzlich drei verschiedene Ansätze:

- Frei verkäufliche Bleaching-Materialien aus der Drogerie. Hier gibt es die verschiedensten Präparate zum Aufpinseln auf die Zähne, mit Strips zum Aufkleben oder vorgefertigten Schienen. Allen gemeinsam ist jedoch, dass die Bleichwirkung sehr gering ist. Auch muss man sich die Frage stellen, ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis überhaupt stimmt.

- Das Bleaching vom Zahnarzt mit individuell angepassten Schienen (das sogenannte „Home-Bleaching“). Dies ist die bewährteste und sicherste Methode. Dabei stellt der Zahnarzt perfekt angepasste, dünne Kunststoffschienen her, in die das Karbamidperoxid-Gel eingefüllt wird und die man dann zu Hause entweder ein bis zwei Stunden am Abend oder über Nacht trägt. Das macht man in der Regel zwei Wochen lang, um die gewünschte Aufhellung zu erreichen.

- Das Bleaching in der Zahnarztpraxis in zwei bis vier Sitzungen. Dazu wird ein deutlich höher dosiertes Gel benutzt, das in der Praxis 20 bis 30 Minuten einwirken muss und zusätzlich durch spezielle Lampen erwärmt wird. Durch die Temperaturerhöhung wird in kurzer Zeit eine recht große Menge an H2O2 freigesetzt, was die Zähne sehr schnell bleicht. Weil die beim sogenannten „in-office-Bleaching“ auftretende Konzentration an H2O2 recht aggressiv ist, muss der Zahnarzt das Zahnfleisch vorher zum Schutz abdecken.

Marktote Zähne, die durch eine Wurzelbehandlung dunkel geworden sind, kann nur der Zahnarzt wieder aufhellen. Dazu wird ein spezielles Bleichmittel in den oberen Teil des Wurzelkanals eingebracht und der Zahn anschließend provisorisch wieder verschlossen. Diese Einlage wird einmal pro Woche ausgewechselt, bis der gewünschte Farbton erreicht ist (Fachausdruck: „Walking-Bleach-Methode“). Auf jeden Fall – ob man sich nun selber mit frei verkäuflichen Materialien bleichen oder sich ein professionelles Bleaching gönnen möchte –, ist es erforderlich, dass der Zahnarzt vorab den Zustand des Gebisses und des Zahnfleisches kontrolliert und ggf. in Ordnung bringt! Auch sollten die Zähne vorher durch eine professionelle Zahnreinigung gründlich gereinigt werden (PZR).

Wie viel weißer werden die Zähne beim Bleichen, und was muss man beachten?
Wolfgang-M. Boer:
Wir messen dies mit standardisierten Farbskalen, nach denen eine Aufhellung von zwei bis drei Farbstufen erreicht werden kann. Dabei sollte der Zahnarzt darauf achten, dass die Farbe nicht unnatürlich weiß wird: Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Zahnheilkunde (DGÄZ) definiert schöne Zähne nicht als künstlich knallweißen Lattenzaun, das Ziel sind immer noch natürlich schöne Zähne. Während das Bleaching durchgeführt wird und auch in den ersten zwei Wochen nach dem Abschluss, sollte man stark färbende Nahrungsmittel wie Rotwein, Traubensaft, Kaffee, schwarzen Tee, Speisen mit Safran und natürlich auch Tabak möglichst vermeiden, da die Pigmente um so leichter wieder von den Zähnen eingelagert werden. Nach einem Bleaching ist die Dauerhaftikeit des Erfolges stark abhängig von den Ernährungsgewohnheiten und der Mundpflege.

Wie lange hält der Effekt?
Wolfgang-M. Boer:
Das kommt sehr stark auf die Ess- und Putzgewohnheiten des Patienten an: Je mehr färbende Genussmittel in Kontakt mit den Zähnen kommen, bei Rauchern oder mäßiger Zahnpflege, je schneller verblasst natürlich der Aufhellungseffekt. In der Regel kann man aber davon ausgehen, dass er mindestens drei bis fünf Jahre sichtbar bleibt. Witzig ist es, dass Bleaching-Patienten häufig in den Wintermonaten kommen, weil sie das Gefühl haben, ihre Zähne wären nachgedunkelt und es sei Zeit, einmal nachzubleichen. Wenn man dann aber den Farbton der Zähne objektiv mit einer Farbskala kontrolliert, stellt man meist fest, dass die Farbe noch die gleiche ist. Aber der Patient ist im Winter eben in der Regel blasser, und durch den fehlenden Kontrast zur Haut erscheinen die Zähne nicht mehr so weiß wie im Sommer. Ich rate den Patienten dann, eher mal auf die Sonnenbank zu gehen, was im Winter auch gleich die Laune hebt.

Ist Bleaching gefährlich, oder kann es schädlich sein?
Wolfgang-M. Boer:
Nein, das medizinische Aufhellen des Zahnschmelzes ist eine lang erprobte und wissenschaftlich gut dokumentierte Technik. Allerdings sind trotzdem einige
Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. So sollten natürlich zuerst alle externen Beläge und Verschmutzungen von den Zähnen entfernt werden.

Dazu ist im Vorfeld eine professionelle Zahnreinigung (PZR) erforderlich. Ganz wichtig, um unerwünschte Nebenwirkungen auszuschließen, ist die gründliche Inspektion durch den Zahnarzt: Sind unbehandelte Kariesstellen oder undichte Kronenränder vorhanden, so kann das H2O2 in den Zahn eindringen und
den Nerv reizen. Dies muss unbedingt vorher ausgeschlossen werden, auch wenn man selber mit frei verkäuflichen Materialien ein Bleaching durchführen will! Bei richtiger Durchführung hat ein Bleaching eigentlich nur eine einzige bekannte Nebenwirkung: Es kann sehr kurzfristig zu einer gesteigerten Kalt-Warm-Empfindlichkeit der Zähne führen. Dieser Effekt verschwindet aber spätestens zwei bis drei Tage nach Abschluss des Bleachings, meistens sogar schon nach nur ein paar Stunden.

Wie oft kann man seine Zähne bleichen, ohne Schaden an den Zähnen zu riskieren?

Wolfgang-M. Boer:
Im Prinzip kann man bei Bedarf problemlos alle paar Jahre nachbleichen, ohne dass dadurch ein Risiko entsteht. Allerdings sollte nicht permanent gebleicht
werden, sondern gezielt so lange, bis der Wunschton erreicht ist. Anschließend sollte dann eine Bleaching-Pause von mindestens zwei bis drei Jahren eingelegt werden. Der Zahnschmelz wird beim Bleaching etwas weniger widerstandsfähig gegen Abrieb. Dieser Effekt verschwindet, so haben wissenschaftliche Studien ergeben, nach fünf bis zehn Tagen wieder, und der Zahn ist anschließend wieder genau so hart wie vorher. Um nicht einen erhöhten Abrieb an Zahnschmelz zu provozieren, sollte man also nicht ständig bleachen.

Kann jeder seine Zähne bleichen lassen, auch Menschen mit empfindlichen Zähnen oder Zahnfleischproblemen?
Wolfgang-M. Boer:
Eigentlich kann man bei jedem Patienten ein Bleaching durchführen; die Frage ist eher, ob es immer sinnvoll ist. Hier kann der Zahnarzt gezielt beraten. Gebleicht wird jedoch immer nur der Zahnschmelz, nicht das Zahnbein. Das heißt, freiliegende Zahnhälse, die nicht von Schmelz überdeckt sind und den Auslöser für kälteempfindliche Zähne darstellen, werden beim Bleichen immer ausgespart. Auch bestimmte genetisch bedingte Schmelzfehlbildungen, bei denen der Schmelz zu dünn ist, oder Zähne mit krankhaftem Verlust des Zahnschmelzes sollten nicht gebleicht werden.

Zahnfleischerkrankungen sollten natürlich vorher behandelt werden. Sie stellen aber meist kein großes Problem für ein Bleaching dar, denn Karbamidperoxid wird und wurde in den USA als Desinfektionsmittel für die Zähne rund um kieferorthopädische Klammern benutzt – noch bevor man die aufhellende Wirkung überhaupt wahrgenommen hat. Die aktiv bleichende Substanz im Bleachinggel ist H2O2, das medizinisch zum Desinfizieren benutzt wird. So ist es auch nicht erstaunlich, dass in der wissenschaftlichen Literatur eben auch ein heilsamer Effekt des Bleachings für das Zahnfleisch beschrieben wird. Dies gilt aber nur für das Home-Bleaching. Beim sogenannten In-office-Bleaching, bei dem das Bleichen direkt in der Zahnarztpraxis vorgenommen wird, muss der Behandler darauf achten, dass das etwa dreimal höher konzentrierte Gel nicht mit den Schleimhäuten in Kontakt kommt, da es sonst Irritationen geben kann.

Es gibt ja auch Bleaching-Sets für zu Hause – Zahnweißcreme oder Streifen zum Aufkleben – wie erfolgversprechend und sicher sind sie?

Wolfgang-M. Boer:
Tests haben ergeben, dass der Effekt dieser Bleaching-Materialien eher gering ist. Rechnet man die erreichbare Aufhellung auf die Kosten dieser frei verkäuflichen Mittel um, so stellt man fest, dass das Aufhellen beim Zahnarzt nicht teurer oder sogar billiger ist, auf jeden Fall aber effektiver und sicherer.

Wenn man seine Zähne nicht bleichen lassen kann oder will, was kann man für weißere Zähne tun?
Wolfgang-M. Boer:
Vor allem sind natürlich eine gründliche Zahnpflege, regelmäßige Kontrolle und Reinigung (PZR) beim Zahnarzt die besten Garanten für dauerhaft schöne Zähne. Bei Zahncremes, die eine aufhellende Wirkung versprechen, ist Vorsicht geboten: Diese enthalten häufig sehr viele Schmirgelstoffe und führen bei regelmäßiger Anwendung zu einem Abschmirgeln des Zahnschmelzes!

Finger weg von Hausmitteln!!! Vor Zigarrenasche, Erdbeermus, Zitronensaft oder Backpulver muss dringend gewarnt werden! Allen gemein ist, dass sie meist Säuren und/oder zu viele Schmirgelstoffe enthalten, die nicht nur den Zahnschmelz brutal angreifen, sondern häufig auch die Kariesanfälligkeit steigern. Verfärbungen durch genetisch bedingt erhöhte Schmelzrauigkeiten lassen sich durch Mikroabrasion beseitigen. Dabei wird die Schmelzoberfläche durch eine spezielle Politur leicht abgeschmirgelt. Dies führt zu einem ganz leichten Substanzverlust am Schmelz, der bewusst für den zu erzielenden Nutzen in Kauf genommen wird. Es gibt allerdings nur wenige spezielle Indikationen dafür. Stärkere oder fleckige Verfärbungen sowie leichte Fehlstellungen lassen sich am besten durch ein direktes Kompositveneering (Haltbarkeit 8-12 Jahre) oder Keramik-Veneers (Haltbarkeit 15-20 Jahre) verschönern.

Warum haben einige Menschen weißere Zähne als andere?
Wolfgang-M. Boer:
Natürlich hat dies genetische Gründe. Aber der individuelle Eindruck „weißer Zähne“ ist stark abhängig vom Hautkontrast. Ein Beispiel: Afrikaner haben in der Regel eher gelbliche Zähne. Aber durch die dunklere Haut erscheinen sie im Kontrast sehr weiß. Den gleichen Effekt beobachtet man im Sommer, wenn
hellhäutige Menschen gebräunt aus den Ferien kommen. Aber auch die Zahngröße und -stellung haben einen optischen Einfluss: Je größer die Zähne und je mehr sie durch ihre Stellung im Kiefer das Licht reflektieren können, desto weißer erscheinen sie. Natürlich darf man auch den Einfluss der Zahnpflege nicht vergessen: Saubere Zähne erscheinen immer heller als schmutzige, da sie weniger Verfärbungen haben und die Oberfläche das Licht besser reflektiert.

Was können ältere Menschen für weiße Zähne tun, wenn das dunkle Zahnbein durch den Schmelz schimmert?
Wolfgang-M. Boer:
Hier sind Veneers das Mittel der Wahl. Diese hauchdünnen Keramikschalen ersetzen den durch Abrieb über die Jahre verlorenen Schmelz und stärken zusätzlich die Struktur des Gesamtzahnes. Auch wenn durch nächtliches Knirschen die Zähne kürzer geworden sind, ist es eine ästhetische Verbesserung, wenn die ursprüngliche Länge durch Veneers wiederhergestellt wird. Zusätzlich wird hierdurch das Kiefergelenk entlastet.

Funktioniert das Bleichen bei jedem?
Wolfgang-M. Boer:
Im Prinzip ja. Allerdings gibt es Grundfarben bei den natürlichen Zähnen, die schlechter auf das Bleaching ansprechen.

Weitere Informationen unter www.dgaez.de.

 


Veröffentlicht am: 01.12.2011

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