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27.04.2017

 

 

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Noch Genuss oder schon Sucht?

Genuss erleben, auf andere Gedanken kommen – das geht in unserer Gesellschaft für viele am besten bei einer guten Tasse Kaffee, einem schönen Glas Wein oder einer entspannten Zigarette. Bei allen handelt es sich um gesellschaftlich mehr oder minder akzeptierte Stimmungsaufheller, während bei Pillen, Joints und anderen Drogen für die meisten der Spaß aufhört und die Sucht beginnt.

Wo aber verläuft eigentlich die Grenze zwischen Genuss und Abhängigkeit? Ist das Bierchen zum Mittagessen schon grenzwertig, sind zehn Zigaretten am Tag zu viel? Der psycheplus Suchtexperte Dr. Tobias Haupt kennt die Alarmsignale einer beginnenden Abhängigkeit und gibt wertvolle Tipps für den Umgang mit Betroffenen.

Sucht ist in Deutschland ein nahezu allgegenwärtiges, aber oft kleingeredetes Thema. Dabei konsumieren allein 9,5 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen, 16 Millionen Bundesbürger rauchen, und rund 2,3 Millionen Menschen sind abhängig von Tabletten, Cannabis oder illegalen Drogen. Zahlen, die nachdenklich machen, und zu einem bewussteren Umgang mit dem Thema aufrufen.

Wie aus Spaß Sucht wird


„Der Weg vom kontrollierten Gebrauch eines Suchtmittels in die Sucht ist oft nur kurz“, weiß der psycheplus Experte Dr. Tobias Haupt. Zunächst geht es meist nur die Verstärkung positiver Gefühle. Daraus erwächst dann rasch eine nachhaltige Gewöhnung: Betroffene beginnen, ihr Suchtmittel zu brauchen, und das regelmäßig und oft in zunehmenden Mengen. Darauf angesprochen, verneinen Abhängige aber meist entrüstet, süchtig zu sein. „Fragen besorgte Freunde oder Angehörige nach, bekommen sie regelmäßig zu hören, der Betroffene habe seinen Konsum im Griff und könne jederzeit aufhören“, erzählt der Psychologe Dr. Tobias Haupt von psycheplus. Tatsächlich befindet sich der Süchtige zu diesem Zeitpunkt bereits oft in einem verhängnisvollen Kreislauf: Ständige Versuche, der Sucht zu entkommen wechseln sich ab mit frustrierenden Rückfällen.

Signale für Suchtverhalten

„Deutliche Warnsignale an das Umfeld wären in dieser Situation, dass der Süchtige den Alkohol oder die Droge zum Hauptthema macht, ständig davon spricht und jede Gelegenheit zum Konsum aktiv sucht“
, so der psycheplus Experte. Ist das Suchtmittel nicht greifbar, kommt es bei vielen Drogen rasch zu körperlichen Entzugserscheinungen wie Zittern und Schwitzen. Andere Betroffene zeigen eher psychische Entzugserscheinungen wie Wutausbrüche oder gesteigerte Nervosität. Irgendwann gerät die Sucht dann außer Kontrolle, weiß der Psychologe: „Süchtige vernachlässigen dann zunehmend andere Interessen, werden unzuverlässig und steuern mit der Zeit auch auf einen zunehmend sozialen und gesundheitlichen Abstieg zu.“

Reden gegen die Sucht?

Das besorgte Umfeld fragt sich dann oft, wie einem Betroffenen sinnvoll geholfen werden kann – wenn ausführliche Gespräche und gutes Zureden doch keinerlei Wirkung zu zeigen scheinen? „Jede Form der Hilfe muss der Betroffene selbst wollen und mittragen – ansonsten bleibt sie wirkungslos“, weiß Dr. Haupt. Deshalb sind die Erfolgsaussichten am größten, wenn der Süchtige aus eigenem Antrieb zur Behandlung in eine geeignete Klinik geht. Eine Zwangseinweisung ist nur bei einer akuten Selbst- oder Fremdgefährdung möglich.  Das besorgte Umfeld hat damit nur begrenzte Möglichkeiten, auf den Betroffenen Einfluss zu nehmen. Wer einem Süchtigen dennoch zur Seite stehen will, sollte ihm vor allem mit Wertschätzung begegnen, rät Dr. Haupt.  Und sich bewusst machen, dass die Überwindung einer Sucht ein langwieriger Prozess ist. Bei entsprechender Bereitschaft zur Mitwirkung können spezielle Therapieverfahren sehr hilfreich sein. So hat sich etwa Hypnose bei Rauchern sehr bewährt.

Auch Sport, Musikhören oder die Pflege gesunder sozialer Beziehungen können helfen, positive Gefühle ganz ohne Suchtmittel zu entwickeln – und damit langfristig von der Sucht loszukommen. „Bis Betroffene allerdings die Energie aufbringen, ihrer Sucht den Kampf anzusagen, können etwa Familie und Partnerschaft bereits stark in Mitleidenschaft gezogen sein“, so der psycheplus Experte Dr. Haupt. Im Extremfall können Kinder und Partner selbst in eine Co-Abhängigkeit geraten. Viele Angehörige helfen dem Betroffenen dann, sein Problem nach außen zu vertuschen und verteidigen ihn und seine Sucht gegenüber Dritten. „Dabei ist es gerade in solchen Fällen wichtig, sich nicht als „Duo“ abzukapseln, sondern der Sucht aktiv gegenzusteuern“, rät Dr. Haupt. Eine erste Anlaufstelle für Betroffene und Ratsuchende sind anonyme Suchttelefone oder Selbsthilfegruppen.

Eine Übersicht über die wichtigsten Hotlines sowie einen ausführlichen Test, der Aufschluss über das Vorliegen einer Suchterkrankung geben kann, finden Interessierte auf psycheplus.de.

Foto: psycheplus/nyul – Fotolia.com

 


Veröffentlicht am: 20.01.2012

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