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Dapayk & Padberg: "Sweet Nothings"

Gegensätze ziehen sich an: das ist vielleicht das Erste, was einem in den Sinn kommt, wenn mach sich Niklas Worgt und Eva Padbergs neues Album, Sweet Nothings, anhört. Das Duo, besser bekannt als Dapayk & Padberg, gesellt sich nach dem Erfolg von Dapayks The Little Things You Do und Let Go EPs natürlich gern zur Stil vor Talent Familie für ihren dritten Langspieler.

Wie auch schon bei den vorherigen LP-Werken und Dapayks Soloarbeit, besticht das Resultat durch Diversität, Intertextualität, Stimmigkeit und Verspieltheit, was nicht zuletzt an der Verarbeitung der weitläufigen Einflüsse des eingespielten Paares liegt. Die Arbeit am dritten Longplayer erstreckte sich über zwei Jahre und mehrere Kontinente. Vom Strand in Bali, über Miami, Los Angeles, Berlin bis hin zur Skihütte in den österreichischen Alpen, dienten fast ausschließlich spektakuläre Locations, die unterschiedlicher nicht sein könnten, als Backdrop für den Schaffungsprozess. So stößt man auf weiche und raue Soundtexturen, düstere und lichte Bildnisse, akustische Euphorie und Trauer, so wie Lyrics über Leid und Liebe, wenn man sich auf die Sweet Nothings-Achterbahnfahrt einlässt.

Los geht es mit dem trippigen ‚Too Lazy’, einer düsteren Afterhour-Nummer, die paranoid und faszinierend zugleich ist: ein Bass vibriert hier unter dubbigen Pads, gespenstigen Synths und flüsternden Vocals. Es ist ein kühner Zug Dapayk & Padbergs, da Künstler geringeren Kalibers sicherlich einen seichteren Opener gewählt hätten. Mit ‚Play’ wird allerdings direkt das Gegengift gereicht und die Zeit zurück zur Peaktime gedreht. Ein housiger Beat drängelt sich durch gedämpfte Publikumsgeräusche und wird von sich wiederholenden Vocals unterstützt, die forsch ‚play it out / play it loud’ fordern. Der wahre Geniestreich ist allerdings das skurrile Piano, das auf Berlins berühmt-berüchtigter Tanzfläche nicht fehl am Platz wäre. Mit dem Titel-Track ‚Sweet Nothings’ geht der Dapayk & Padberg Sound bereits in die nächste Runde: präsentiert wird ein deeper und kräftiger Groover, dessen verzerrte High-Hats und tranciger Synth sowohl euphorisch, wie auch dezent sind. Wenn Padberg ‚you’re good for me – you’re bad for me’ grübelt, veranschaulichen die Lyrics des Weiteren die Dualität, die im Zentrum des Albums agiert.

Überraschend geht es mit ‚Fluffy Cloud’ weiter, bei dem es sich, ganz im Gegensatz zu den zarten Konnotationen des Titels, eher um Big-Room Technofutter à la Berghain handelt. Ein Skelett von brutalen Kicks, pechschwarzen Pads, White Noise und dichten Metallen arbeitet unermüdlich unter einem kalten Spoken-Word, das ‚not human, not animal – just a body in motion’ proklamiert. Maschineller Funk vom Feinsten. ‚Endless Game’ verabschiedet sich dann vom „four by four“ Rhythmus zu Gunsten einer Broken Beat Struktur. Flatternder Bass und kühler Gesang erinnern an die eigenwillig-guten Momente von The Knife. Danach rundet ‚The Sun Came Up’ den technoiden Dreier dank pumpendem Beat und entmenschlichten Vocals perfekt ab, während ein progressiver Synth die romantischen Lyrics vorantreibt. Ein wahrhaft umwerfender Moment im Herzen des Albums.

Mit dem scharfen Glockenspiel und Hip Hop Beat von ‚Razorskit’ leiten Dapayk & Padberg ein Interlude ein. Das reinigt den Gaumen für die folgenden Gänge des süssen Menüs, was uns mit diesem Album serviert wird. Mit „Berlin Summer Nights“ wird das nächste Highlight gesetzt. Anthem Alert: Ravesounds epischen Ausmaßes gleiten durch ein Arrangement federnder Beats, knackiger Percussions und hoffnungsvoller Vocals, bis ein starker Breakdown den „hands-in-the-air“ Moment schlechthin einleitet. ‚Take These Scissors’ schließt nahtlos an und erinnert wieder an Karin Dreijer Andersson, was vom luftig verspielten Arrangement asiatisch wirkender Sounds noch verstärkt wird.

Weitere Facetten des Duos zeigen sich auf ‚Backyard’ – ein Track, der mit mystischen, auf einer quasi-Dubstep Struktur gesungenen, Lyrics verzaubert. Während es dem Finale langsam entgegen geht, glänzt der atmosphärische Song durch aufwendig gefertigte Fragilität und mimt das perfekte Gegenstück zu den beiden vorherigen Tracks. ‚Continental Drift’ ist ähnlich selbstbewusst. Hier wird Padbergs sexy Gesang von einem langsamen, fetten Beat und den innovativen Flächen getragen. Beendet wird das Album von ‚Driveby Beauty’, ein Track der zu aller Überraschung das Tempo noch einmal erhöht: sphärische Klanglandschaften atmen über einem organischen Beat, während sich ein klassisches Vocal-House Motiv mühelos abspielt. So laufen die letzten Noten aus und man fühlt direkt ein intensives Verlangen nach mehr, da einem klar wird, auf was für eine gefühlsgeladene und vielseitige Reise uns Dapayk & Padberg gerade geschickt haben.

 


Veröffentlicht am: 15.02.2012

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