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Aletschgletscher: Ein Titan

Mit rund 23 Kilometern ist der Aletschgletscher im Schweizer Kanton, der längste Eisstrom der Alpen. Das Einzugsgebiet liegt in der Jungfrauregion auf über 4.000 m ü. M., das Gletschertor rund 2.500 Meter tiefer am Einstieg der Massaschlucht.

Der ganze Eisstrom hat eine Oberfläche von 82 Quadratkilometern; allein der Konkordiaplatz wäre groß genug, um darauf eine mittlere Schweizer Stadt in der Größe von Chur oder Bellinzona aufzubauen. Die Eisdecke ist dort 900 m dick. Das Gewicht des gesamten Eises wurde auf 27 Milliarden Tonnen berechnet. Könnte man das gesamte Eis abtauen, dann würde das Schmelzwasser reichen, um jeden Menschen auf der Erde, während sechs Jahren, jeden Tag mit einem Liter Wasser zu versorgen.

Ungewöhnliche Assoziationen

Er ist der Titan unter den Alpengletschern: Der Große Aletschgletscher bildet das Herzstück des UNESCO Welterbes Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch. John Tyndall schrieb 1860: „Der Aletschgletscher ist der großartigste Gletscher der Alpen: wir standen über ihm, während die umliegenden Berge reichlich den gewaltigen Strom speisten.“ Imposante Viertausender wie die Jungfrau, der Mönch und das Große Fiescherhorn säumen ihn und begrenzen sein Nährgebiet im Norden; die Firnmulden Großer Aletschfirn, Jungfraufirn, Ewigschneefäld und Grüneggfirn (von Westen nach Osten) fließen am Konkordiaplatz zusammen. Sie bilden an den Nahtstellen den Ausgangspunkt der mächtigen, elegant geschwungenen Mittelmoränen, die das Bild des großen Eisstromes prägen. Was Wunder, wenn diese faszinierende Gletscherwelt weitgereiste Touristen schwer beeindruckte und zu ungewöhnlichen Assoziationen inspirierte: Der Konkordiaplatz verdankt seinen Namen dem Geistesblitz eines Engländers, J. F. Hardy, der dieses Kernstück des Großen Aletschgletschers mit der Place de la Concorde in Paris verglich.

Der Gletscherfloh

Der Gletscherfloh lebt ganzjährig auf Gletschern. Er wird etwa 1.5 bis 2.5 mm groß. Er fühlt sich sehr wohl bei Temperaturen um die Null Grad. Sehr oft sieht man ihn in den kleinen Wasserpfützen auf dem Eis, in kleinen oder manchmal bis zu Handteller großen Gruppen, eng aneinander geschmiegt. Er kann Temperaturen bis zu minus 20 Grad aushalten, stirbt aber bereits bei Temperaturen um die 10 bis 12 Grad plus. Sie werden etwa drei Jahre alt.

Wasser für die Region

Gletscher sind wichtige Speicher im Wasserkreislauf. Ihr Schmelzwasser ersetzt im Wallis während des Sommers fehlende Niederschläge. Seit Jahrhunderten führen die Menschen mit größter Anstrengung das Gletscherwasser in langen Leitungen, den Suonen oder Bisses, auf die trockenen Wiesen. Bekannt sind die Suonenlandschaften an der Lötschberg-Südrampe. Das trübe und lebenswichtige Gletscherwasser (Gletschermilch) wird noch heute bei den Landwirten sehr geschätzt, weil es wichtige Mineralstoffe mitführt und dadurch eine düngende Wirkung hat.

Eine andere Nutzung ist hingegen mit dem Aufkommen der Kühlschränke verschwunden: Von den Jahren um 1860 bis 1914 baute man am Unteren Grindelwaldgletscher Eis für Kühlzwecke ab. 1877 sind täglich bis zu 70 Wagen mit bis zu 1.000 Zentnern Eis nach Interlaken befördert worden, von wo es die Bahn nach Basel und bis nach Paris weitertransportierte. Ab 1900 wurde auch am Oberen Grindelwaldgletscher Eis abgebaut. Für den Betrieb des Hotels Belalp verwendete man früher auch Eis vom Großen Aletschgletscher. Früher wurden Fleisch und andere verderbliche Lebensmittel im Gletscher aufbewahrt und dem Gletschereis wurden sogar heilende Kräfte zugeschrieben, vor allem bei Sonnenbrand und Fieber. Die Schweiz deckt heute rund 60 Prozent des Bedarfs an Elektrizität durch Wasserkraft. Eine wichtige Rolle spielen dabei die inneralpinen Stauseen, die Gletscherwasser sammeln und Turbinen zuführen, die es in Strom umwandeln.

Gletschergelübde

Viele Jahrhunderte sorgte der Aletschgletscher für schwere Zeiten in Fiesch. Unzählige Male ließ er den Märjelensee über seine Ufer treten und überschwemmte die Gemeinde. 1678 beschlossen die Katholiken von Fiesch ein Gelübde abzulegen, um den Katastrophen ein Ende zu setzen. Dieses wurde von Papst Innozenz XI. genehmigt. Seither ziehen die Einwohner von Fiesch und Fieschertal immer am 31. Juli, am Tag des Heiligen Ignatius, in einer Prozession zur Mutter Gottes Kapelle in den Ernerwald und beten gegen das Wachstum des Aletschgletschers. Die Gebete wurden erhört und die Bevölkerung von weiteren Naturkatastrophen verschont.

Doch nun stehen sie vor dem nächsten Problem. Im Zusammenhang mit dem stattfindenden Klimawandel schmilzt der Gletscher. Die Menschen sind aber auf das Trink- und Wässerwasser des Gletschers und auf die Touristen, die jedes Jahr den Gletscher besuchen, angewiesen. Aus diesem Grund wurde Herbert Volken, Präfekt des Bezirks Goms, am 11. September 2009 bei Papst Benedikt XVI. vorstellig, mit der Bitte, das „Katastrophen-Gelübde“ umzukehren und in der Prozession um göttlichen Beistand gegen den Klimawandel zu beten. Im August 2010 kam der lang ersehnte Brief des apostolischen Nuntius, dass die Pfarrei vom Heiligen Vater ermächtigt wird, die Erderwärmung, den Klimawandel und die Gletscherschmelze in ihre jährliche Prozessions-Fürbitten einzuschließen. Am 31. Juli 2012 findet nun die erste Prozession mit entgegengesetzten Vorzeichen statt.

Text: BG
Foto:
Aletschgletscher Tourismus

 


Veröffentlicht am: 24.05.2012

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