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24.04.2017

 

 

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Harff trifft: Jan Leysieffer – ein Schokoholic

Es gibt wenige Schokoladen- und Pralinenhersteller in Deutschland, die so ihrer Linie treu geblieben sind, die so ein hohes Renommee haben wie die Firma Leysieffer. Gegründet 1909 in Osnabrück als Konditorei-Café durch Ulrich Leysieffer und seine Frau Emilie, ist im Unternehmen heute mit Jan Leysieffer bereits die vierte Generation am Ruder. Bis heute ist der Schokoladenhersteller ein Familienunternehmen, das seine Schokoladen und Pralinen in Deutschland produziert.

Genussmaenner.de-Chefredakteur Helmut Harff sprach mit Jan Leysieffer im Leysieffer-Café in der Berliner Friedrichstraße.

Herr Leysieffer, in Vorbereitung auf unser heutiges Treffen hier in Ihrem Café wollte ich im Internet einiges über Sie erfahren. Viel gab es nicht zu lesen. Scheuen Sie die Öffentlichkeit?

Jan Leysieffer:
Nein, ganz und gar nicht. Doch meine Person ist nicht so wichtig. Wichtig sind unsere Produkte, wichtig ist, dass sich die Menschen in unseren Cafés wohlfühlen.

Als Sie das Café hier in Berlins Mitte betreten haben, begrüßten Sie alle Mitarbeiter und die scheinen Sie alle zu kennen und keine Angst vor dem großen Chef zu haben. Sind Sie häufig in den Filialen unterwegs?
Jan Leysieffer:
Ja, ich sehe mich häufiger in unseren Filialen um. Der Kontakt zu unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort ist mir sehr wichtig. Dass ich dabei weder inkognito unterwegs bin, noch hier als Big Boss auftrete, haben Sie ja selber bemerkt. Der bin ich auch nicht.

Wenn man sich mit dem Chef einer Schokoladenfabrik trifft, drängt sich der Vergleich zum Johnny Depp-Film „Charlie und die Schokoladenfabrik“ auf. Ist es bei Leysieffer ebenso bunt und verrückt?
Jan Leysieffer:
Sicherlich nicht. Allerdings sind wir auch keine Schokoladenfabrik. Leysieffer ist nach wie vor eine Manufaktur. Wir sehen uns als eine groß gewordene Konditorei, in der die manuelle Arbeit von Maschinen unterstützt wird. Obwohl wir insgesamt rund 1.500 verschiedene Schokoladen, Pralinen und  andere Confiserie-Produkte produzieren, lohnt der Einsatz von Maschinen nicht. Der Hauptgrund, weshalb wir nach wie vor auf Handarbeit setzen, ist, dass man beim Einsatz von Maschinen Kompromisse eingehen muss. Das wollen wir nicht und werden wir auch in Zukunft nicht tun. 

Welche Kompromisse wären das?
Jan Leysieffer:
Das wären vor allem Kompromisse bei der Qualität und der Optik. Beides hat bei uns einen so hohen Stellenwert, dass wir hier zu keinerlei Zugeständnissen bereit sind. Bevor wir in der Qualität Abstriche machen, verzichten wir lieber auf Wachstum.

Das heißt aber beispielsweise auch, dass man Leysieffer-Produkte auch weiterhin nur in eigenen oder ausgewählten Fachgeschäften bekommt?
Jan Leysieffer:
Auch wenn wir mittlerweile in alle Welt exportieren, möchten wir etwas Besonderes sein und auch bleiben. Deshalb sind unsere Produkte nicht in jedem normalen Supermarkt erhältlich. Nichtsdestotrotz möchten wir mit unserer Produktvielfalt alle Zielgruppen ansprechen – vom Student über den Feinschmecker bis hin zur Hausfrau – und merken glücklicherweise, dass uns das auch gelingt.

Wir sitzen ja gerade in einem der Leysieffer-Cafés. Woher kommt eigentlich der Kuchen?
Jan Leysieffer:
Der kommt selbstverständlich nicht aus unserem Hauptsitz Osnabrück. Der wird immer vor Ort produziert. Wir haben beispielsweise eine Backstube direkt hier in Berlin.

In vielen Städten schießen Schokoladenmanufakturen aus dem Boden. Die werben mit innovativen Produkten wie verrückten Zutaten, mit Bio-Qualitäten und mit handgemachten  Schokoladen. Ist das für ein Haus wie Leysieffer eine zunehmende Konkurrenz?

Jan Leysieffer:
Nein, die meisten dieser kleinen Unternehmen kommen und gehen. Sie haben auch nur eine sehr begrenzte lokale Bedeutung. Dazu kommt, dass viele davon eher Händler, denn Produzenten sind.

Sind diese kleinen Firmen innovativer als beispielsweise Leysieffer?
Jan Leysieffer:
Nein, sicherlich nicht. Nehmen Sie nur die Ur-Schokolade aller derer, die mit ungewöhnlichen Geschmackskombinationen aufwarten – die Chilli-Schokolade. Deren Erfinder – in Anlehnung an die Azteken – ist mein Vater, also Leysieffer.

Wohin geht aktuell der Trend bei Pralinen und Schokoladen?

Jan Leysieffer:
Die sogenannten Trends treiben immer wildere Blüten. Man darf hier auch nicht übertreiben und muss nicht alles mitmachen. In den vergangenen 15 Jahren wurden die Pralinen immer kleiner und Alkohol spielt bei den Füllungen immer weniger eine Rolle. Bei den Schokoladen setzten sich die dunkleren Qualitäten immer mehr durch, halbherbe statt Vollmilchschokoladen.

Woran arbeiten Sie gerade bei Leysieffer?

Jan Leysieffer:
Wir sind gerade dabei, unsere Artikel aufzuarbeiten. Wir wollen vor allem die Optik und die Verpackung erneuern. Und natürlich sind wir immer auf der Suche nach neuen außergewöhnlichen Geschmackskombinationen, aber was genau, bleibt noch unser Geheimnis.

Von wem kommen die Ideen?
Jan Leysieffer:
Vor allem von meinem Vater und von mir.

Wovon lassen Sie sich inspirieren?

Jan Leysieffer:
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Wir jetten nicht um die Welt nach neuen Ideen und beauftragen auch keine Agenturen damit. Das passiert nebenbei, z.B. beim Schlendern über den Markt, beim Kochen oder beim Musik hören. Wir lassen uns einfach gerne inspirieren.

Mit Marktforschung scheinen Sie es ohnehin nicht so zu haben. Wie zu lesen ist, verzichten Sie auf aufwendige Produkttest oder Tastings mit vielen Probanden. Wer sind die Super-Tester bei Leysieffer?

Jan Leysieffer:
Das sind zumeist nur zwei – mein Vater und ich. Manchmal bin ich es auch allein. Kurze Wege ermöglichen auch kurzfristige Entscheidungen. Das ist der Vorteil einer familiengeführten Manufaktur.

Noch eine Frage zum Thema Trend: Bio-Schokolade und solche mit weniger Kalorien scheint bei vielen Herstellern das Trendthema schlechthin zu sein. Ich habe den Eindruck, das ist bei Leysieffer nicht so.
Jan Leysieffer:
Der Eindruck ist richtig. Wer Pralinen und Schokolade, aber auch Kuchen oder unsere Sylter Rote Grütze isst, macht das nicht, um Bio zu essen oder um abzunehmen. Unsere Produkte sind kein Mittag-Ersatz. Unsere Produkte sind etwas zum Genießen – und zwar in Maßen. Süßes von Leysieffer soll immer noch etwas Besonderes sein.

Dass Schokolade nicht dick macht, sieht man an Ihnen. Oder essen Sie keine?
Jan Leysieffer:
Doch, ich esse jeden Tag Pralinen. Nicht in Mengen, aber einige schon.
 
Gibt es im vielfältigen Leysieffer-Angebot Spezielles für Männer?
Jan Leysieffer:
Süßes von Leysieffer ist für alle Menschen gedacht, die das Besondere lieben. Wir wollen keine speziellen Frauen- oder Männerprodukte. Es ist aber so, dass Männer eher zu dunkler Schokolade greifen. Auch bei der Verpackung gibt es hier und da solche für die Zielgruppe Mann. Ich glaube, Männer schätzen unsere dunklen Pralinen und Schokoladen auch deshalb besonders, weil sie so hervorragend zu Wein oder Whisky passen.

Ein kleiner Themenschwenk: Viele Unternehmen können der Versuchung nicht widerstehen und vermarkten ihren guten Namen. Warum macht Leysieffer das nicht?

Jan Leysieffer:
Um unseren guten Namen zu schützen.

Sie veröffentlichen ja keine Geschäftszahlen. Dennoch gehe ich davon aus, dass die Banker mit Ihnen zufrieden sind. Warum kauft Leysieffer, wie das in der Branche ja üblich ist, keine fremden Marken auf?
Jan Leysieffer:
Weil wir aus eigener Stärke wachsen wollen. Wir widerstehen all solchen Verlockungen. Es ist nämlich gar nicht so einfach, aus zwei oder drei Marken eine zu machen. Da gibt es häufig große Probleme angesichts verschiedener Firmenphilosophien und Qualitätsstandards.

Abschließend noch eine Berliner Frage: Sie sind bisher in Tegel präsent gewesen. Wird es Leysieffer auch am neuen Flughafen in Schönefeld geben, wenn der 2013 oder später in Betrieb geht?
Jan Leysieffer:
Uns gibt es noch in Tegel. Wir profitieren sogar davon, dass Tegel noch offen bleibt, da viele Mitwettbewerber dort bereits alles abgebaut haben. In Schönefeld wird es uns leider erstmal nicht nicht geben.

 


Veröffentlicht am: 05.07.2012

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