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17.08.2017

 

 

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Die größten Angstmacher

Tiefe Besorgnis über die Folgen der Euro-Schuldenkrise und die Entwicklung der Wirtschafts- und Finanzkraft Deutschlands, aber mehr Gelassenheit in persönlichen Fragen wie Krankheit, Pflege-bedürftigkeit oder Jobverlust: Spitzenwerte erreichen in diesem Jahr aus-schließlich wirtschaftlich-politische Sorgen, so das diesjährige Ergebnis der R+V-Langzeitstudie "Die Ängste der Deutschen".

Eine Sonderbefragung zeigt, dass die Euro-Schuldenkrise 2012 der mit Abstand größte Angstmacher ist. "Fast drei Viertel aller Deutschen (73 Prozent) befürchten, dass sie die Rechnung für die Euro-Schuldenkrise bezahlen müssen. Angesichts dieser Bedrohung treten alle anderen Sorgen in den Hintergrund", so Rita Jakli, Leiterin des Infocenters der R+V Versicherung.

Seit mehr als 20 Jahren befragt das R+V-Infocenter in einer repräsentativen Studie rund 2.500 Bürger nach ihren größten Ängsten. Ergebnis: Die größten Sorgen machen sich die Deutschen 2012 um Wirtschaft, Finanzen und Politik. Bei den Ängsten, die von R+V seit Jahr und Tag abgefragt werden, ist die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten erneut mit 63 Prozent Spitzenreiter. Die Befürchtung, dass alles immer teurer wird, ist ein Dauerbrenner im Ängste-Ranking und war in den vergangenen 20 Jahren insgesamt 13 Mal auf dem ersten Platz.

Seit Jahren zweifelt die Mehrheit der Deutschen zudem daran, dass die Volksvertreter ihren Aufgaben gewachsen sind. Mit 55 Prozent rangiert die Furcht vor der Überforderung der Politiker in diesem Jahr auf Platz 2, gefolgt von der Befürchtung, dass sich die Wirtschaftslage verschlechtern könnte. Die Sorge vor einem Konjunktureinbruch liegt gegenüber dem Vorjahr um vier Punkte höher: Sie kletterte von 48 auf 52 Prozent.

"Die Sorgen der Mehrheit der Befragten sind verständlich", so Professor Dr. Manfred G. Schmidt, Politologe an der Universität Heidelberg und Berater des R+V-Infocenters. "Deutschlands Wirtschaft wächst langsamer als zuvor. Das hängt eng mit der Euro-Schuldenkrise zusammen, die in etlichen EU-Mitgliedsstaaten mit einer Wirtschaftskrise einhergeht. Und die zukünftige Wirtschaftsentwicklung wird angesichts der Verschuldungsproblematik mit Skepsis gesehen: Viele befürchten, dass Europas Schuldenkrise uns noch lange beschäftigt und Deutschlands Steuerzahler teuer zu stehen kommt."

Ost-West: Größte Unterschiede bei Wirtschaftsfragen und Umweltthemen

Unterschiedliche Einschätzungen gibt es im Osten und Westen Deutschlands: Geht es um Wirtschaftsfragen wie steigende Lebenshaltungskosten oder Konjunkturentwicklung, driftet die Stimmungslage in den alten und neuen Bundesländern deutlich auseinander – im Osten mit einem Plus von jeweils 10 Prozentpunkten. Geht es hingegen um Umweltschutzthemen, sind die Sorgen der Ostdeutschen insgesamt deutlich geringer als die der Westdeutschen.

Durch den Rückgang der meisten regelmäßig abgefragten Ängste ist das durchschnittliche Angstniveau gegenüber dem Vorjahr bundesweit um 3 Prozentpunkte gesunken und erreicht mit 40 Prozent den niedrigsten Wert seit fast zwei Jahrzehnten.

Übermächtig: Euro-Schuldenkrise überschattet alle anderen Sorgen

Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage hat das R+V-Infocenter die 16 Standardfragen erneut um Fragen zur Euro-Schuldenkrise ergänzt. Fast drei Viertel aller Deutschen sind sich einig: Die Schuldenkrise einiger EU-Mitgliedsstaaten, wie Griechenland, Portugal, Spanien und Italien, sowie die Auswirkungen des Schuldenkrisenmanagements für den deutschen Steuerzahler bereiten die größten Sorgen. Mit 73 Prozent erreicht diese Angst den zweithöchsten Wert, der jemals in der R+V-Ängste-Studie gemessen wurde (2011: 70 Prozent).

Zudem befürchten 2012 zwei Drittel aller Deutschen (65 Prozent), dass der Euro durch die Schuldenkrise gefährdet ist. Diese Angst ist gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozentpunkte gestiegen. Wie eine neue Sonderfrage zeigt, grassiert bei den Deutschen auch die Furcht vor politischem Missmanagement in Brüssel: 60 Prozent aller Befragten sehen die Finanz- und Wirtschaftskraft Deutschlands durch Beschlüsse der Europäischen Union gefährdet.

Angst vor Jobverlust auf Rekordtief

Trotz des sinkenden Vertrauens in die wirtschaftliche Entwicklung ist die Angst, den eigenen Job zu verlieren, gegenüber dem Vorjahr bundesweit um 4 Prozentpunkte zurückgegangen und erreicht damit den niedrigsten Wert der Studie – nur 1994 war diese Sorge schon einmal so gering. Im Bundesdurchschnitt treibt nur noch etwa jeden dritten Deutschen (32 Prozent) die Angst vor dem Verlust seines Arbeitsplatzes um. Das sei einerseits auf die aktuell vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote von unter sieben Prozent zurückzuführen, so Professor Schmidt: "Deutschlands Arbeitsmarkt ist insgesamt betrachtet robust – und die Arbeitslosigkeit ist seit einigen Jahren wieder niedriger als im Durchschnitt der westlichen Länder."

Dass andererseits fast jeder Dritte Angst vor dem Verlust seines Arbeitsplatzes hat, zeigt nach Ansicht des Politologen "dass sich das Risiko, arbeitslos zu werden, nur auf einen Teil der Beschäftigten konzentriert, beispielsweise auf die geringer qualifizierten Arbeitnehmer." Auch die deutlich höheren Arbeitslosenzahlen im Osten spiegeln sich in der Befragung wider: Während im Westen nur 29 Prozent aller Berufstätigen Angst vor einem Jobverlust haben, sind es in den östlichen Bundesländern 41 Prozent. Bemerkenswert: Erst zum zweiten Mal in den zwei Jahrzehnten der Studie beschäftigt diese Frage Frauen mehr als Männer.

Verdrängt: Schreckgespenst Pflegefall – Frauen sensibler als Männer

Trotz kontinuierlich steigender Pflegezahlen nimmt die Angst davor, später einmal zum Pflegefall zu werden, nicht zu. Sie liegt mit 50 Prozent auf Platz 5 der Ängste-Skala (2011: Platz 3). Das ist zwar der niedrigste Wert seit 14 Jahren, aber immer noch ein klares Zeichen dafür, dass mindestens die Hälfte der Befragten befürchtet, später einmal als Pflegefall anderen zur Last zu fallen. In dieser Frage zeigt sich auch einer der deutlichsten Unterschiede zwischen den Geschlechtern: 55 Prozent aller Frauen hegen hier große Befürchtungen, im Vergleich zu 45 Prozent der Männer. Hinzu kommt ein Alterseffekt: Erst ab einem Alter von 40 Jahren rückt das Thema Pflegefall stärker ins Bewusstsein und beschäftigt zumindest mehr als jeden zweiten Deutschen.

Eine Sonderfrage der Ängste-Studie 2012 deckt auf, dass das Thema Pflege oft-mals komplett verdrängt wird: Noch nicht einmal jeder vierte Deutsche (23 Prozent) rechnet damit, später einmal einen Angehörigen pflegen zu müssen. "Viele Menschen verschließen die Augen vor der Pflegeproblematik, bis die Realität sie einholt", kommentiert Rita Jakli. "Von den rund 2,4 Millionen Pflegefällen in Deutschland werden rund 70 Prozent ambulant betreut und sind auf die Unter-stützung ihrer Angehörigen angewiesen. Und dieser Trend wird sich weiter verschärfen."

Angst vor Terror und Krieg am stärksten gesunken

Mit jeweils 11 Prozentpunkten sind die Ängste vor Terroranschlägen und einem Krieg mit deutscher Beteiligung am stärksten gesunken. Die Furcht davor, dass Terroristen ein Attentat verüben, liegt mit 39 Prozent auf dem niedrigsten Wert seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Sie rangiert damit in diesem Jahr nur noch im Mittelfeld aller Ängste. Die Sorge vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung rutscht mit 29 Prozent in den untersten Bereich der Ängste-Skala.

Neben der europäischen Schuldenkrise, die alle anderen Sorgen in den Hintergrund drängt, nennt Professor Schmidt eine zweite Ursache für den starken Rückgang: "Die tatsächliche sicherheitspolitische Lage wird als weniger bedrohlich eingestuft als zuvor. Der angekündigte Rückzug aus Afghanistan dürfte beruhigend wirken. Zudem sind die militärpolitischen Angelegenheiten wie die Auslandseinsätze der Bundeswehr in geringerem Maße ein Thema der Massenmedien und des Parteienstreits als zuvor."

Entspannung bei Furcht vor Naturkatastrophen, Atomkraft und Straftaten
Auch die Furcht vor Naturkatastrophen hat deutlich an Bedeutung verloren: im Vorjahr mit 60 Prozent noch auf Platz 2, jetzt mit 52 Prozent auf Platz 4. Ähnlich sieht es bei den Straftaten aus. Obwohl die Anzahl der Delikte in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben ist, sinkt die Angst davor, überfallen, betrogen oder bestohlen zu werden, auf 22 Prozent (minus 6 Prozentpunkte) – der tiefste Wert seit 20 Jahren.

Bei der Angst vor schweren Störfällen in Atomkraftwerken stehen die Zeichen ebenfalls auf Entspannung. Diese Sorge ist mit 43 Prozent um 11 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr. "Mit Sicherheit spielen hierbei zwei Großereignisse mit", kommentiert Professor Schmidt: "2012 gab es im Unterschied zum vergangenen Jahr kein Fukushima. Und der Atomausstieg, den die schwarz-gelbe Koalition 2011 beschlossen hat und umsetzt, lindert die Atom-Ängste."

Weitere Ergebnisse der Studie in Kurzform:
• Geringer als im Vorjahr (minus 4 Prozentpunkte) ist auch die Befürchtung, dass die eigenen Kinder drogen- oder alkoholsüchtig werden. Mit 34 Prozent liegt diese Angst auf Platz 11 der Sorgen-Skala.

• Mit dem niedrigsten Wert seit zwei Jahrzehnten und dennoch auf hohem Niveau (46 Prozent) bleibt die Angst vor einer schweren Erkrankung wie im Vorjahr auf Platz 6 der größten Sorgen.

•  Trotz steigender Scheidungsraten sinkt die Furcht vor dem Zerbrechen der eigenen Partnerschaft um 2 Prozentpunkte. Mit 16 Prozent erreicht sie den niedrigsten Wert der Studie – nur 2009 war diese Angst schon einmal so gering. Damit bleibt diese Sorge auch weiterhin das Schlusslicht im Ängste-Ranking.

Untersuchungsmethode der Studie
Auftraggeber: Infocenter der R+V Versicherung, Wiesbaden
Befragungszeitraum: 22. Juni bis 27. Juli 2012
Befragte: Repräsentative Stichprobe von 2415 Personen im Alter ab 14 Jahren, davon 1.558 in West- und 857 in Ostdeutschland (disproportionale Stichprobenanlage);
Grundgesamtheit: 67 Millionen Personen der Wohnbevölkerung in Privathaushalten (Deutsche und EU-Ausländer)
Methode: Quotenstichprobe – berechnet auf Basis amtlicher Statistiken

Befragungstechnik

Strukturierte persönliche Interviews mit geschlossenen Fragen
Antworten auf einer Skala von 1 (gar keine Angst) bis 7 (sehr große Angst)
Einsatz der Interviewer
995 Interviewer

Auswertung
Zusammenfassung der Werte 5, 6 und 7 als „große Angst“

Fragen der Studie
Es gibt viele Risiken und Gefahren im Leben. Einige davon haben wir zusammengestellt.

Uns interessiert nun, inwieweit Sie sich davon bedroht fühlen. Bitte geben

Sie uns – rein aus dem Gefühl – eine Bewertung, die aussagt, für wie bedrohlich

Sie dieses Ereignis halten. Eine „1“ drückt aus, dass Sie keine Angst davor haben. Mit einer „7“ geben Sie zum Ausdruck, dass Sie sehr große Angst davor haben. Denken Sie aber bitte auch an die Zwischenstufen von „2“ bis „6“.

Ich habe gar keine Angst ... sehr große Angst davor, dass
• ich schwer erkranke
• ich von Arbeitslosigkeit betroffen werde
• ich im Alter meinen Lebensstandard nicht halten kann
• ich im Alter anderen zur Last fallen werde (Pflegefall)
• ich im Alter vereinsame
• meine Partnerschaft zerbricht
• meine Kinder drogen- und / oder alkoholabhängig werden
• die Anzahl an Naturkatastrophen zunimmt
• die Arbeitslosigkeit in Deutschland weiter steigt
• die Lebenshaltungskosten stark steigen
• sich die Wirtschaftslage in Deutschland verschlechtert
• das Zusammenleben zwischen Deutschen und den hier lebenden Ausländern
durch einen weiteren Zuzug von Ausländern / Asylanten beeinträchtigt wird
• Deutschland mit kriegerischen Auseinandersetzungen konfrontiert wird
• terroristische Vereinigungen Anschläge verüben
• die Politiker von ihren Aufgaben überfordert sind
• ich Opfer einer Straftat werde

Sonderfragen
Ich habe gar keine Angst ... sehr große Angst davor, dass
• in Deutschland oder auch in Nachbarländern schwere Störfälle in
Atomkraftwerken auftreten
• die Schuldenkrise einiger EU-Staaten den Euro gefährdet
• die Schuldenkrise einiger EU-Staaten für den deutschen Steuerzahler teuer wird
• die Finanz- und Wirtschaftskraft Deutschlands durch Beschlüsse der
Europäischen Union gefährdet ist
• ich später einmal über längere Zeit einen Angehörigen selbst pflegen muss

 


Veröffentlicht am: 07.09.2012

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