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27.04.2017

 

 

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Im Gespräch: Daniela Kobelt Neuhaus und Björn Hübner - Spiele-Experten

Herbstzeit ist Spielezeit. Mit dem Ende des Sommers werden auch die Gesellschaftsspiele hervorgeholt. Spielemessen wie die modell-hobby-spiel in Leipzig informieren über Entwicklungen im Markt. Auch der Spielehandel verzeichnet wachsende Verkäufe. Spielen ist im Trend – doch was genau begeistert uns beim Spiel? Können wir dabei sogar etwas lernen? Und welche Spiele sind derzeit empfehlenswert?

Entwicklungspsychologin Daniela Kobelt Neuhaus und Björn Hübner, Spiele-Experte der Spiele-Offensive.de, geben Auskunft.

Spieleforscher gehen davon aus, dass sechsjährige Kinder rund 15.000 Stunden gespielt haben. Das sind sieben bis acht Stunden pro Tag. Warum ist spielen für Kinder so wichtig?
Daniela Kobelt Neuhaus:
Interessant ist, dass wir viele Handlungen von Kindern Spiel nennen, obwohl es für sie eher eine „Erkundung der Welt“ oder ein „Ausprobieren, was geht“ ist. Kinder spielen also nicht im klassischen Sinne, sie lernen durch Spielen. Dabei entfalten Kinder ihre seelischen, geistigen und körperlichen Möglichkeiten. Sie üben, sich mit Erlebtem, Träumen oder Ängsten auseinanderzusetzen, indem sie es selbstbestimmt manipulieren und verändern.

Wie genau funktioniert das?
Daniela Kobelt Neuhaus:
Das geht mit dem einfachen Zuordnen von Formen und Farben los und steigert sich mit komplexeren Spielabläufen in Gesellschaftsspielen. Der Vorteil der Spiele: Die Welt bleibt reduziert und steuerbar, so dass Kinder immer einzelne Elemente lernen. Das sieht man zum Beispiel bei Rollenspielen, wenn Kinder sich Regieanweisungen geben wie „Du würdest jetzt kochen, gell, und dann komme ich“. Wenn es nicht passt, wird es wiederholt, bis es klappt.

Sie sprachen bereits von den komplexeren Spielabläufen in Gesellschaftsspielen. Was können Kinder dabei lernen?
Daniela Kobelt Neuhaus:
In erster Linie Gemeinschaftlichkeit. Gesellschaftsspiele sind eine fortgeschrittene Form von kindlicher Spieltätigkeit. Sie basieren auf Regeln und klaren Spielvorgaben. Kinder müssen lernen, sich daran zu halten. Im Gesellschaftsspiel  geht es um die Akzeptanz von Vorgaben, um Anpassung, um Warten und Reihenfolgen einhalten, um Kommunikation, Miteinander oder Gegeneinander. Kinder können die Spielregeln, im Gegensatz zum beschriebenen Rollenspiel, nicht mehr beeinflussen – das ist ein wichtiger Lernprozess.

Björn Hübner:
Zudem beeinflusst die Art des Spiels ganz bestimmte Fähigkeiten: Strategiespiele fördern das gemeinsame Spielen und das logische Denken, da sie Interaktionsmöglichkeiten bieten. Aktionsspiele wie das Bauen von Türmen trainieren die Feinmotorik – die Bewegung der Hände und Abstimmung mit Augenmaß. Spiele, in denen man als Erster über die Ziellinie gelangen muss, simulieren eine Stresswelt, in der die Kinder versuchen, an der Spitze zu sein – wie später im realen Leben. Und Quizspiele fördern nicht nur das Allgemeinwissen, sondern simulieren auch eine Prüfungssituation, in der Kinder schon einmal „üben“ können.

Die Angst der Eltern: Gibt es „schlechte“ Spiele?
Daniela Kobelt Neuhaus:
Nein, nach meiner Auffassung nicht. Wichtig ist, dass Kinder eine Tätigkeit als Spiel empfinden. Am liebsten mögen Kinder jene Spiele, die vielfach spielbar sind und immer wieder neue Möglichkeiten bieten. Das sind beispielsweise Konstruktionsspiele oder Spiele, die man mit mehreren Partnern spielen kann.

Worauf sollte man beim Kauf dennoch achten?
Daniela Kobelt Neuhaus:
Eltern sollten darauf achten, dass die Spielidee in der Familie gültige Werte nicht tangiert. Es gibt Varianten, in denen Tiere schlecht behandelt oder bestimmte Menschen schlecht gemacht werden. Solche Spiele gehören nicht ins Kinderzimmer. Zudem sollte die grafische Gestaltung dem Entwicklungsalter der Kinder angemessen sein. Gruselige Figuren oder Darstellungen können Ängste auslösen.

Björn Hübner:
Die Verpackung gibt Hinweise zum geeigneten Alter und der Spieldauer. Zudem geben die meisten Verlage zum Beispiel an, ob Glück, Strategie, Taktik oder Reaktion vonnöten ist. Auch die Bewertungen anderer Spieler wie bei uns auf der Website spiele-offensive.de kann einen wichtigen Hinweis geben. Darüber hinaus können Eltern auf die Preisauszeichnungen „Spiel des Jahres“ und „Graf Ludo“ achten. Sie zeichnen gute Spielprinzipien (Spiel des Jahres) und guter Grafiken (Graf Ludo) aus. Wenn man aber auf Nummer sicher gehen will, sollte man sich die Spiele zunächst ausleihen. Bei uns kann man sie testen und danach zurückschicken.

Jährlich gibt es über 600 Neuerscheinungen. Wie kann man sich da einen guten Überblick verschaffen?

Björn Hübner:
Gerade jetzt gibt es zahlreiche Spielefeste oder Messen in der Region. In wenigen Wochen findet die Leipziger Messe modell-hobby-spiel statt. Auf einer großen Fläche können dort über 1000 Spiele ausgeliehen und getestet werden. Zudem besteht die Möglichkeit, mit Spieleautoren ins Gespräch zu kommen und etwas über die Intention von Spielen zu erfahren.

Herr Hübner, welche Empfehlungen für Kinder haben Sie?

Björn Hübner:
Ich schätze das Spiel „Die kleinen Zauberlehrlinge”. Kinder versuchen als Zauberlehrlinge, Zutaten in die richtigen Kessel zu transportieren, was gar nicht so leicht ist. Geeignet ist das Spiel für Fünf- bis Zwölfjährige. Empfehlenswert ist auch Monsterfalle vom Kosmos-Verlag, nominiert für den GRAF LUDO. Hier schieben die Kinder in Teams Spielfiguren durch die Gänge eines Spielplans und fangen so niedlich gezeichnete Monster – geeignet für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren.

Frau Kobelt Neuhaus, je älter man wird, desto weniger Zeit verbringt man mit Spielen. Sicherlich hängt das damit zusammen, dass weniger Freizeit bleibt. Entwachsen wir der Lust am Spielen?
Daniela Kobelt Neuhaus:
einesfalls. Es gibt sogar im hohen Alter eine richtig ausgeprägte Spielkultur. Die Spielevielfalt ist bei älteren Menschen jedoch oft geringer; neue Spiele werden weniger gelernt und ausprobiert – außer die Enkel wollen es.

Und welche Erkenntnisse können Erwachsene durchs Spielen noch gewinnen?

Daniela Kobelt Neuhaus:
Genau wie Kinder schulen auch Erwachsene ihre Fähigkeiten. Durchs Spielen habe ich zum Beispiel vor einigen Jahren das Lügen gelernt. Meine Kinder wollten nicht mehr mit mir spielen, weil man mir ansah, wenn ich den Schwarzen Peter in der Hand hielt. Natürlich kann man auch nützlichere Fähigkeiten lernen: gutes Reaktionsvermögen, Neugier, analytisches oder planerisches Denken, Partnerschaft oder Durchsetzungsvermögen. 
Björn Hübner: Darüber hinaus gelingt es uns abzuschalten, uns in eine andere Welt zu versetzen, den stressigen Alltag einfach mal für ein paar Stunden zu vergessen und mit Freunden zusammenzukommen.

Veranstaltungstipp:

Die modell-hobby-spiel ist die größte Publikumsmesse unter allen deutschen Spieleveranstaltungen. Sie findet vom 30. September bis 3. Oktober 2011 in Leipzig statt. Neben einer großen Spielfläche mit mehr als 1.000 Spielen zum Ausprobieren finden auch Spielturniere und -aktionen statt. Darüber hinaus stehen Spieleautoren und -grafiker verschiedener Verlage zum Gespräch bereit.

Spieletipps von Spiele-Experte Björn Hübner
Partyspiele bringen viele an den Tisch, da man sich einfach nicht so lange mit Regeln aufhalten muss. Gute Partyspiele sind „Identik“, „AarghTect!“ und „Quelf. „

Spiele für viele: Wenn man mal mit 10 oder mehr Leuten ein Spiel spielen will, kann ich „Die Werwölfe von Düsterwald“ empfehlen. Bei dem Rollenspiel treten die bösen Werwölfe gegen die braven Bürger an. Ich habe dieses Spiel vor vielen Jahren in einer Urform kennengelernt und seitdem gibt es bei uns regelmäßig Werwolfabende mit leidenschaftlichen Wortgefechten.

Strategiespiele: Klare Favoriten sind „Die Siedler von Catan“, „Alhambra“ und „Carcassonne“ – Klassiker, von denen viele bestimmt schon einmal gehört haben.

Kennerspiele: Wer ganz viel Zeit und Muße hat, kann sich gern auch mal an Strategie-Leckerbissen wie „Civilization – Das Brettspiel“, „Navegador“ oder „Agricola“ wagen. Allerdings sollten Spieler sich da auf eine lange Spielenacht einstellen.

Mal ganz plakativ gefragt: Macht Spielen eigentlich schlau?
Daniela Kobelt Neuhaus:
Spielen öffnet den Raum für Kreativität und Spaß. Eher nebenbei unterstützt das Spielen zum Beispiel die Augen-Hand-Koordination, die mathematischen Fertigkeiten oder das strategische Denken: Kompetenzen, die die  seelische und geistige Fitness unterstützen. Insofern machen Spiele tatsächlich schlau.

Welche Trends können Sie derzeit auf dem Spielemarkt erkennen?
Björn Hübner:
Es wird überhaupt wieder gespielt. Gerade Erwachsene entdecken, dass es mehr gibt als nur „Monopoly“, „Risiko“ und „Mensch Ärgere Dich nicht“. Ein neuer Trend sind „kooperative Spiele“. Dabei spielt man gemeinsam gegen das Spiel. Beispiele dafür sind „Pandemie“, „Space Alert“, „Die verbotene Insel“ oder „Schatten über Camelot“.

Eine letzte Frage: Was haben Sie durch das Spielen gelernt?

Daniela Kobelt Neuhaus:
Bei mir zuhause waren die Großen immer mit den Kleinen zugange. Ich war stolz wie Oskar, wenn ich beim Versteckspiel die großen Schulmädchen abklatschen konnte, weil diese einfach nicht hinter den Busch passten. In diesen Spielen habe ich gewinnen und verlieren gelernt, den Umgang von unterschiedlichen Menschen miteinander und ganz nebenbei auch viel Kulturgut wie Lieder, Rechnen, Sprache und Lachen.

Björn Hübner:
Da kann ich mich Frau Kobelt Neuhaus nur anschließen. In Spielen habe ich Gewinnen und Verlieren gelernt. Ich denke, Spielen hat auch meine Möglichkeit, logisch zu denken, positiv beeinflusst. Aber vor allem ist Spielen für mich zu einer schönen Möglichkeit geworden, gemeinsam Zeit zu verbringen, in andere Bereiche und Rollen zu schlüpfen und die auch mal übertrieben zu leben.

 


Veröffentlicht am: 21.09.2011

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