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23.06.2017

 

 

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Treten und tafeln


Sylt ist unbestritten Deutschlands Genuss-Insel Nummer eins. Und das nicht nur, was das feine Abendessen im Sterne-Lokal angeht. Auch in Kombination mit einem Strandspaziergang oder einer Radtour lässt sich gut und gerne tafeln. Etwa vom Inselsüden aus gen Westerland. Natürlich kann man nicht alle paar Kilometer etwas essen. Aber man könnte, wenn man denn wollte.
 
Mit dem Fahrrad auf Sylt unterwegs zu sein, hat, neben dem Naturerlebnis als solchem, einen ganz entscheidenden Vorteil: Wenn man nicht mehr kann, nimmt man einfach den Bus. Mitsamt Rad. Das geht immer und das ist auch gut so, wiegt diese Regelung doch den einzigen Nachteil einer Radtour auf Sylt – den nordseemäßigen Gegenwind – locker auf. Regel Nummer eins für Radfahrer also lautet: Vor der Abfahrt Windrichtung prüfen und dann je nach Ergebnis entscheiden – zuerst die Tour und dann den Bus oder umgekehrt. Auf diese Weise ist Rückenwind beinahe schon garantiert.

Wir entscheiden uns für die zweite Variante, laden in Westerland das Fahrrad hinten auf den Bus und lassen uns kraftsparend bis zum Hörnumer Hafen gondeln. Einst tummelten sich in diesem Inselort berüchtigte Piraten, während heute an dessen Südmole Krabbenkutter, Segel- und Ausflugsschiffe ausgesprochen friedlich koexistieren. Für den perfekten Rundumblick sei der Leuchtturm, das „Hauptfeuer Hörnum Odde“, empfohlen. Ein Leuchtturm wie aus dem Bilderbuch: rot-weiß gestreift mit schwarzer Haube. Regelmäßig werden hier Führungen angeboten, für die man sich allerdings zuvor beim örtlichen Tourismus-Service anmelden sollte, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist.

Was uns unmittelbar zu Regel Nummer zwei für Radfahrer auf Sylt führt: Den Drahtesel einfach mal stehen lassen. Um einen Leuchtturm zu besteigen – oder aber um ganz gemütlich in Richtung Strandpromenade zu laufen, an deren Ende das Restaurant „Südkap“ mit seiner windgeschützten Terrasse liegt. Hier bietet sich eine erste kleine Stärkung an – etwa Räucherlachs auf Kartoffelrösti oder hausgemachter Kuchen. Am Tellerrand: ein traumhafter Blick auf die Nachbarinseln Föhr und Amrum. Das macht Lust auf Meer – und einen Spaziergang um die Süd-Spitze Sylts, die Hörnum Odde.

Ambitionierte Läufer kämpfen sich bei hartem Gegenwind um die Südspitze. Alle anderen wählen die Laufrichtung am besten so, dass man an der Westküste den Wind möglichst im Rücken hat. Die 150 Hektar große Dünenlandschaft steht seit 1972 unter Naturschutz. Bei guter Sicht und Niedrigwasser sind manchmal rastende Robbenrudel auf den vorgelagerten Sandbänken, den Theeknobs, zu erahnen. Zudem haben zahllose Seevögel hier ihre Brutstätten.

Knapp zwei Stunden hat dieser Strandspaziergang gedauert. Der richtige Ort, um sich davon zu erholen, ist das „Kap-Horn“ (Foto). Das südlichste Restaurant am Weststrand ist gleich neben der Strandsauna zu finden. Sitzt man draußen auf der Terrasse, hat man rechts die Häuser der Kersig-Siedlung im Blick, die sich malerisch in die Dünenlandschaft einreihen, zur anderen Seite hin reicht der Blick bis runter zur Nordsee. Die Speisekarte bietet eine große Auswahl für den ersten richtigen Hunger des Tages – von der Ofenkartoffel bis zur Currywurst ist alles dabei. Wer es regional liebt, wählt Scholle oder Rotbarschfilet, zu empfehlen sind aber auch die überbackenen Muscheln.

Es wird Zeit, zum Rad zurück zu kehren und die kulinarische Reise in Richtung Norden anzutreten – im wahren Wortsinn. Denn in die Pedale treten kann man auf der Insel reichlich. An ihrem schmalen Ende allerdings gibt es nur zwei Möglichkeiten: noch ein kleines Stück weiter runter oder eben rauf. Und so ist der Weg von Hörnum nach Westerland auch ganz einfach zu erklären: immer geradeaus. Oder besser: erstmal der früheren Trasse der 1970 stillgelegten Schmalspurbahn nach. Dank eines gut ausgebauten Radweges gestaltet sich die Erkundung der Landzunge zwischen Hörnum und Rantum als waschechtes Naturerlebnis inmitten einer herrlichen Dünenlandschaft und fernab jeder Autostraße.

Mehr Meer geht nun wirklich nicht, schließlich ist die Insel bei Rantum am schmalsten: Gerade mal 600 Meter trennen hier Wattenmeer und offene Nordsee. Ein Abstecher auf den neun Kilometer langen Deich am Rantumbecken ist da quasi ein Muss: Am stillen Watt, in dem sich der blaue Sylter Himmel spiegelt, wird die wunderbare Stille lediglich vom Rufen der Vögel und dem Blöken der Schafe und Lämmer unterbrochen. Ruhestörung geht anders. Ein knurrender Magen zum Beispiel könnte die Idylle durchaus stören, schließlich macht so viel Bewegung an der frischen Nordseeluft Hunger.

Auf dem Weg in Richtung Norden bieten sich denn auch zahlreiche Möglichkeiten für ein zweites Mittagessen, einen Nachmittagssnack und ein frühes Abendmahl. Denn hinter den Bretterwänden der so genannten Strandbistros verbirgt sich so manche kulinarische Überraschung. Regel Nummer drei für Radfahrer auf Sylt: Nicht immer bestimmen die Kilometersteine den Verlauf einer Tour. Manchmal sind es auch die Restaurants. Und damit genug der Regeln – und her mit der Speisekarte.

Etwas versteckt in der Nähe des Hörnumer Campingplatzes, von der Straße und vom Parkplatz aus überhaupt nicht zu sehen, liegt das „Meermann“ – ein nicht mehr ganz so geheimer Tipp in Sachen Fisch. Kreative Küche mit regionalen Einflüssen wird hier aufgetischt, etwa Hörnumer Muscheln in Pernod-Kräutersud oder Saltimbocca vom Loup de Mer in Strudelteig.

Weiter geht´s zur berühmtesten Holzhütte Deutschlands: Oben an der „Sansibar“ angekommen, kann es schon mal sein, dass einem ein bekanntes Gesicht über den Weg läuft. Dass sich auf den Holzbänken mitunter die VIPs tummeln, hat vor allem einen Grund: Gastgeber Herbert Seckler, der die „Sansibar“ und das Logo mit den zwei gekreuzten Säbeln längst zu einer international bekannten Marke gemacht hat, legt Wert auf höchste Qualität. Etwa 1200 Weine lagern im Gewölbe unter dem Sand – hier gibt es stets den richtigen Tropfen für den gegrillten Red Snapper, das kaviargefüllte Rindercarpaccio oder die Bandnudeln mit weißen Trüffeln aus Alba. Tagsüber sind die Preise günstig, während sie abends, wenn ohne Reservierung ohnehin oft nichts zu machen ist, leicht anziehen. Eine Empfehlung und mehr als nur eine einfache Vorspeise ist die Kartoffelsuppe mit einem Stück Apfelkuchen, das mitten im tiefen Teller thront – gewöhnungsbedürftig, reichhaltig, aber sehr gut.

Zurück in den Sattel, weiter in Richtung Norden. Knapp zwei Kilometer vor Rantum liegt der Strandabschnitt Samoa. Das „Samoa Seepferdchen“ ist eine rustikal-schicke Hütte mit lockerer Atmosphäre und mittlerweile fast so gut besucht wie sein Nachbar, die Sansibar. Weil sich herumgesprochen hat, dass die Küche ausgezeichnet ist. Sie bietet regionale Spezialitäten ebenso wie internationale Gaumenkitzler – sei es nun Steckrübensuppe mit Nordseekrabben oder Wolfsbarsch.

Es ist mittlerweile Nachmittag geworden – Zeit für einen weiteren Sylter Klassiker: „Tadjem Deel“. Seit fast vier Jahrzehnten bittet in den Rantumer Dünen die Familie Hinrichsen zu Tisch oder auf eine der beiden Strandkorbterrassen. Frisches von den Bauernwiesen und aus dem Meer wird hier gereicht, beispielsweise der „Fischdampf in allen Gassen“ mit einer Auswahl an Edelfischen. Oder die Makrelen, die im Sommer selbst geangelt werden. Nachmittags aber ist unbedingt der selbstgemachte Kuchen zu empfehlen.

Der „Rantumer Junge“ Christian Ludwigsen hat seine „Strandmuschel“ in den Rantumer Dünen erfolgreich als rustikale, urige Strandrestauration etabliert. Tagsüber gibt es ab 10 Uhr Frühstück und eine Karte, die tagsüber die Grundversorgung sichert – vom Eintopf und kleinen Leckereien wie Milchreis bis hin zu Gerichten wie Matjes mit Bratkartoffeln und sogar mediterrane Speisen wie Tapas. Besonders zu empfehlen ist die regionale Küche: natürlich Fisch, aber auch Holsteiner Kalbsschnitzel und Keitumer Lammbratwürstchen.

Der eifrige Radler ist – trotz aller Stopps - mittlerweile in Westerland angekommen. Die „Strandoase“ ist zwar leicht zu erreichen, liegt aber in den Dünen und damit fernab vom Trubel. Regionale Spezialitäten wie Fisch oder Lamm, aber auch leichte Gerichte mit mediterraner Note stehen hier auf der Karte. Glaubt man den Gästen am Nebentisch, ist die Ente die absolute Empfehlung – auch wenn es sie nur an bestimmten Abenden und nur auf Vorbestellung gibt. Dass man hier von der Terrasse und aus den Strandkörben freien Blick aufs Meer hat – das versteht sich von selbst.

Im „Beach House Seeblick” sitzen Meer- und Sonnenanbeter in der ersten Reihe – beispielsweise auf der „Sonnenbank“ an der Hausfront: Mit seiner großen Terrasse thront das Dünencafé und -restaurant über Promenade, Sand und Meer. Stärkung erfolgt hier durch ofengebackenen Schafskäse mit Tomaten und Oliven oder Heilbutt auf Zucchinigemüse mit Beach House-Kartoffeln. Wer noch Platz hat, ordert die Dessert- Trilogie. Wer auf dieser kulinarischen Fahrradtour bereits genug gegessen hat, kann hinter riesigen Fenstern oder auf der großen Terrasse allerdings auch nur einen Rebsaft von der großen, ambitionierten Weinkarte probieren.

Sunset Beach


Den Sundowner haben wir uns bewusst für die letzte Station aufgespart. Denn nach einer Tour durch den Inselsüden macht das „Sunset Beach“ neben der Surfschule Westerland seinem Namen alle Ehre. Auf der großen windgeschützten Terrasse zwischen Urlaubern und Surfern ist der Sonnenuntergang hier der alleinige Protagonist. Kurz: die perfekte Rückzugsoase für all‘ diejenigen, die sich gerne mit einem Drink zurücklehnen, die von einer langen Fahrradtour beanspruchten Beine entspannen und die traumhafte Atmosphäre mit Meeresrauschen genießen möchten.

Gut 20 Kilometer. Unzählige Kalorien. Ein ganz besonderer Tag. Und ganz wie von selbst schmeckt das Aroma der Genussinsel Sylt noch nach.

Foto: (c) Kap Horn

 


Veröffentlicht am: 31.05.2013

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