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Morgengruß von Helmut Harff: Ein Tag in meinem Leben

Es gibt Tage, es gibt Ereignisse, die hatten ungeahnte Auswirkungen auf mein Leben. Mich gäbe es nicht, wenn sich meine Eltern nicht begegnet werden. Insofern bin ich ein Gewinner des zweiten Weltkrieges, denn der Berliner und die Ostpreußin wären sicherlich ohne die verheerenden Folgen des 2. Weltkrieges nie begegnet.

Ein weiterer Tag - auch eine Folge des 2. und des kalten Krieges danach - bestimmte mein Leben. Ich meine den 13. August 1961. Für alle, die die Gnade der späten Geburt hatten: An diesem Tag schlossen sich die Grenzen zwischen Deutschland West und Deutschland Ost. Die DDR baute die Mauer. Nichts mehr mit Westberlin und damit nichts mehr mit Bananen, Schokoladenplätzchen, Sarotti-Schokolade und dem Aki (stand für Aktualitätenkino) am Bahnhof Zoo.

Ich habe diesen Tag in Hardenbeck, einem kleinen Dorf bei Berlin erlebt. Ich war sechs Jahre alt und mit meiner Oma zu Besuch bei Bekannten, die noch immer selbstständig waren. In dem kleinen Dorf mit seinen rund 500 Einwohnern herrschte an diesem Tag wirklich Panik. Ich wusste nicht wieso sich alle so aufregten, aber ihre Panik und ihre Angst steckten mich an. Wertsachen wurden vergraben und ich verstand auch das nicht. Ich hörte das Wort Krieg. Was Krieg bedeute wusste ich auch damals schon. Doch es blieb alles ruhig, wie wir wissen und die Erde drehte sich weiter um die Sonne. Auch in meinem Leben änderte sich mit einigen Ausnahmen - siehe Bananen und Co. - nicht viel. Noch kamen die Westpakete und ich in die Schule.

Was mich seit langem an jedem 13. August umtreibt, ist die Frage, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn sich Ulbricht an seinen Satz, wonach keiner vorhabe eine Mauer zu errichten, gehalten hätte. Schwer, wenn nicht unmöglich diese Frage zu beantworten. Eines ist für mich aber sicher, es wäre anders verlaufen. Vielleicht hätte ich mehr oder zumindest andere Chancen gehabt. Vielleicht hätte ich einige davon genutzt. Sicherlich wäre ich nicht nur in die Tschechoslowakei, nach Polen,  Ungarn oder auf den Balkan gereist. Sicherlich hätte ich auch mal eine Joint geraucht, wäre in der siebziger Jahren gegen den Vietnamkrieg auf die Straße und zum Stones-Konzert gegangen.

Chancen, die ich Dank den Ereignissen von 13. August 1961 nicht hatte. Vielleicht war es gut so, vielleicht auch nicht. Viele meinen sicherlich, dass das nutzlose Gedanken sind, doch sie treiben mich immer wieder um. Das ist kein Blick zurück im Zorn. Es ist ein gedankenvoller Blick zurück.

Ich gehe jetzt in den Speisewagen frühstücken, denn ich bin wiedereinmal dienstlich unterwegs.

Ihnen wünsche ich ein besseres Frühstück, als es mich jetzt erwartet. Welche Gedanken gehen Ihnen heute durch den Kopf?

 


Veröffentlicht am: 12.08.2013

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