Startseite  

25.06.2017

 

 

Werbung

 

Vorherigen Artikel lesen Nächsten Artikel lesen

 

Aufgespießt: Es war einmal...

(Helmut Harff / Chefredakteur) ... so beginnen zumeist Märchen. Wenn ich heute mit Menschen aus den elf alten Bundesländern über meine ersten 34 Lebensjahre spreche, so komme ich mir manchmal vor wie ein Märchenonkel. Diesen Lebensabschnitt erlebte und lebte ich in der DDR. Nun ist dieses vor 64 Jahren aus der sowjetischen Besatzungszone entstandene Ländchen längst Geschichte. Meine Lebensgeschichte und die von Millionen anderen Menschen, mein und ihr Leben ist weder Geschichte noch ein Märchen.

Und doch, wenn ich heute, 23 Jahre nach der Ende der DDR, mit Altbundesbürgern oder jungen Menschen spreche, dann stoße ich immer wieder auf Unwissenheit. Vielfach habe ich den Eindruck, dass die Menschen in den alten Bundesländern mehr über Myanmar wissen, als über die DDR. Nicht, dass Sie uninteressiert sind, aber was in der DDR passierte, wissen sie zumeist aus den nicht immer (oder viel zuwenig) objektiv berichtenden Medien. Der kalte Medienkrieg wirkt bis heute nach.

Das macht es nicht einfacher, sich als Bundesbürger zu fühlen. Klar, ich war und bin ein Deutscher. Für mich gab es keine DDR-Nationalität. Es gibt ja auch keine hessische oder sächsische Nationalität. Und doch, ich war ein DDR-Bürger, war ein Mensch, der im sogenannten Arbeiter- und Bauernstaat gelebt hat. Ich bin hier wenig typisch sozialisiert worden. Mein DDR-Leben war nicht unbedingt typisch - wenn es überhaupt ein solches DDR-Leben gab.

Ich habe nach meinem inneren Bruch mit dem Regime - danke Wolf Biermann - mir meine Nischen gesucht und gefunden. Darin konnte ich es mir ganz bequem machen. Doch zuviel Bequemlichkeit ist dann doch nicht mein Ding gewesen. Mit vielen anderen tat ich ein wenig dafür, dass die Menschen dieses kleinen Landes sich ihre Kraft bewusst wurden. Das die DDR-Bürger mal anwenden würden, was sie im Politunterricht gelernt hatten, hätten sich die SED-Oberen wohl nicht träumen lassen. Die Masse entdeckte, dass der Satz, wonach alle Räder still stehen, wenn der starke Arm es will, für sie aufgeschrieben wurde. Leider hat sich diese Erkenntnis aktuell eher verflüchtigt.

Noch mal zu der immer wieder gestellten Frage danach, wie die DDR war: Sie war wie eine Kleingartenanlage. Sie war eingezäunt, jeder zäunte sich nochmals ein. Wer die Vorgaben des Vorstandes erfüllte, wer seinen Rasen regelmäßig mähte, wer den Gemeinschaftsweg harkte, wer beim Laubenpieperfest kräftig zulangen konnte und wer sich beim Seitensprung mit der Nachbarin nicht erwischen ließ, der war ein guter DDR-Bürger. dann durfte der Gartenzwerg schon aus dem Intershop und die Tulpenzwiebeln aus Holland sein. Das ist kein Märchen!

 


Veröffentlicht am: 07.10.2013

AusdruckenArtikel drucken

LesenzeichenLesezeichen speichern

FeedbackMit uns Kontakt aufnehmen

NewsletterNewsletter bestellen und abbestellen

TwitterFolge uns auf Twitter

FacebookTeile diesen Beitrag auf Facebook

Hoch: Hoch zum Seitenanfang

Nächsten Artikel: lesen

Vorherigen Artikel: lesen

 

 


Werbung

 


Werbung

 


Werbung

 


Werbung

Neu auf genussmaenner.de


 

 
         
             
     
     
     

 

Service
Impressum
Kontakt
Mediadaten
Newsletter
Nutzungshinweise
Presse
Redaktion
RSS 
Sitemap
Suchen

 

Besuchen Sie auch diese Seiten in unserem Netzwerk
| Börsen-Lexikon
| fotomensch berlin - der Fotograf von genussmaenner.de
| Frauenfinanzseite
| Geld & Genuss
| geniesserinnen.de
| gentleman today - Edel geht die Welt zu Grunde
| instock
| marketingmensch | Agentur für Marketing, Werbung & Internet
| Unter der Lupe

 

Rechtliches
© 2007 - 2017 by genussmaenner.de, Berlin. Alle Rechte vorbehalten.

Lesezeichen:
 Del.icio.us Google Bookmark Reddit