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Aufgespießt: Ewigkeitssonntag

(Helmut Harff / Chefredakteur) In den vergangenen Tagen und am heutigen Sonntag waren die Parkplätze an den Friedhöfen in allen evangelischen Regionen Deutschlands und der Schweiz voll. Überall sah man Menschen mit Tanne und anderem Grabschmuck zu den Gräbern eilen. Die Blumenläden hielten ein großes Angebot bereit.

Nein, der Totensonntag oder Ewigkeitssonntag, den man immer am letzte Sonntag vor dem ersten Adventssonntag und damit der letzte Sonntag des Kirchenjahres begeht ist keine Erfindung findiger Gärtner. Wie bei Wikipedia zu erfahren ist, bestimmte König Friedrich Wilhelm III. von Preußen per Kabinettsorder 1816 für die evangelische Kirche in den preußischen Gebieten den Sonntag vor dem 1. Advent zum "allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen". Die anderen evangelischen Landeskirchen übernahmen diese Bestimmung.

Klar, der drohende Bodenfrost sorgt dafür, dass wir Pflanzen von den Gräbern entfernen und die anderen mit Tanne abdecken müssen. Nun hat der Trockenschmuck für einige Monate seine schmückende Berechtigung. Doch das ist es wohl nicht nur, was die meisten - ob Christen oder nicht - zum Totensonntag auf den Friedhof zieht. Viele Menschen verharren vor oder nach ihrem gärtnerischen Tun vor den Gräbern. Auch bei Atheisten formen sich die Hände unbewusst zum Gebet. Wir reden oder denken zumindest mit den Verstorbenen.

Für mich ist gerade deshalb der Totensonntag einer der wichtigsten Feiertage des Jahres überhaupt. Klar, es ist kein Feiertag wie Weihnachten, aber mindestens genauso wichtig. Es ist der Tag, an dem wir uns mit einem Thema beschäftigen, das wir sonst sehr gern verdrängen: dem Ende des Lebens. Wir haben kaum noch ein Verhältnis zum Tod, zum Lebensende von lieben Menschen und von uns selbst.

Erst wenn man selber vom Tod mehr oder weniger nahe stehenden Menschen betroffen ist, merkt man, wie wenig man auf das Lebensende und was vielleicht danach kommt, vorbereitet ist. Man - mir ging es so - merkt aber auch, dass wir uns auf genau diese Ableben nicht vorbereiten. Wir verdrängen, dass es eine Deadline gibt, bis zu der man mit einem Menschen ins Reine kommen kann, in dem man Dinge klären kann. Ist der Mensch tot, bleibt nur noch die Erinnerung und viel zu häufig das dumpfe Gefühl, das es da noch so viel gibt, was man wissen wollte, was man an Meinungsverschiedenheiten ausräumen wollte.

Dann steht man zum Totensonntag mit von der Arbeit schmutzigen Händen vor dem Grab und denkt über den Toten, über sich und das Leben nach. Ich finde gut, dass es den Totensonntag gibt. Da hatte der alte Kaiser eine gute Idee.

 


Veröffentlicht am: 18.11.2013

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