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24.07.2017

 

 

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Geh zum Arzt, wenn Du gesund bist

Das immer aktuelle Verhältnis Arzt – Patient lockte mehr als 100 Besucher in das Haus Huth, zum Vortragsabend der Daimler und Benz Stiftung am Potsdamer Platz in Berlins Mitte. Dr. Markus Müschenich beamte sein Publikum aus dem Jahr 2023 zurück in das Jahr 2015.

Er selbst war neun Jahre Kinderarzt, studierte dann Gesundheitswissenschaften. Sein Studium finanzierte er mit Praxisvertretungen. Dann tauschte er den Kittel gegen den Anzug, beriet Kliniken und arbeitete später im Krankenhausmanagement, zuletzt als Vorstand bei den Sana Kliniken. Kürzlich gründete er die Beteiligungsgesellschaft Flying Health. Also, ein Fachmann, der weiß wovon er spricht, der auch weiß, wo es im deutschen Gesundheitswesen hakt. Müschenich kann dies zudem von mehreren Perspektiven beurteilen. Diese Sicht ist nicht jedem gegeben.

Zehn Jahre vor und zurück

In seinem Vortrag blickt er nun zurück auf ein Jahrzehnt der digitalen Revolution in der medizinischen Versorgung: Sie findet nicht mehr getrennt in Sektoren statt, sondern in virtuellen Clouds. Patienten navigieren durch ein digitales Netz von Dienstleistungen. Oh je, da ist Ärger programmiert. Denn, zehn Jahre sind schon wieder vergangen, dass die Bundesregierung die Visionäre der damaligen Zeit bat, einen Masterplan zu entwickeln, der das Gesundheitswesen Spät-Bismarckscher Prägung endlich zu einem echten Gesundheitssystem mit moderner Versorgungsstruktur wandelt. Vorausgegangen war ein Jahr voller heftiger Kritik an der Gesundheitspolitik in Deutschland.

In der Gegenwart

Wieder in der realen Welt: Die digitale Wirtschaft rückt verstärkt in das Gesundheitswesen, ist Müschenich überzeugt, der unlängst dienstlich in den USA weilte. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten spezialisierten sich viele junge Unternehmen auf E-Health-Anwendungen. Dort sieht man die Chance, E-Health als Teil der Regelversorgung zu etablieren. Dies bedeute für Unternehmen, dass sie mit definierten Umsätzen rechnen könnten und entsprechende Gewinne erzielten. Vor diesem Hintergrund heißt das: Themen wie Qualität, Kostensenkung und vor allem Kostenvermeidung spielen dabei eine wichtige Rolle.

Doppelarbeit

Eines der großen Themen, so der Arzt während seines Vortrags in Berlin, ist die Verhinderung unnötiger Wiedereinweisungen ins Krankenhaus. Ein Gründer in den USA entwickelte eine Anwendung für mobile Endgeräte. Es geht darum, via Smartphone mit einem Patienten von der Indikationsstellung über die präoperative Phase bis in die poststationäre Phase hinein Kontakt zu halten und ihn so im Behandlungsprozess zu begleiten. So könnten Patienten Sicherheit erlangen. Kliniken könnten via Smartphone Kosten senken, wenn beispielsweise Wiederaufnahmen verhindert würden. Dieses Thema, „beschäftigt uns auch in Deutschland immer häufiger“, gibt der Gesundheitswissenschaftler zu Protokoll.

Dr. Google?

Zudem ist Müschenich überzeugt, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis Unternehmen wie Google oder Facebook oder auch andere ihre Infrastruktur für E-Health-Anwendungen zur Verfügung stellen und eigene Dienste rund um die Gesundheit unterbreiten werden. Dann würden soziale Netzwerke dafür genutzt, Patientendaten zu generieren und zu verwalten.

Müschenich will zudem das Thema Telematikinfrastruktur arzt- und patientenbezogen installieren. Patienten sollten durch verschiedene Sektoren begleitet werden; die heute noch entstehenden Brüche gehören der Vergangenheit an. So könnte die sektoralen Trennungen überwunden werden, ohne gleich das Sozialgesetzbuch zu ändern.

Ärzte wollen Arzt sein

Müschenich betonte auch, dass Ärzte heute zunehmend gegängelt würden. Die Freiräume seien geringer geworden, auch, weil Patienten anspruchsvoller geworden sind. Sie fragen nach, sind anstrengend. Zudem „lamentieren“ die Krankenkassen. Sie sagen ganz klar: Wir bezahlen euch, also wollen wir euch auch sagen, was ihr macht. So greifen Krankenkassen in Bereiche ein, die immer den Ärzten vorbehalten waren. So in das ärztliche Definitionsmonopol von Krankheit. Das Preußische Oberverwaltungsgericht hat vor mehr als hundert Jahren gesagt: Krank ist man, wenn der Arzt sagt, dass man krank ist. Die Kassen sehen das heute anders.

Dennoch, die Zeit der Halbgötter in Weiß ist laut Müschenich vorbei. Das liegt auch daran, dass die Patienten immer besser informiert in die Praxen kommen und nicht mehr alles hinnehmen, was der Arzt sagt. Wunderbar, endlich können die Ärzte mit ihren Patienten r i c h t i g kommunizieren. Auch die Probleme des Gesundheitssystems sind eine Chance für die Ärzte. Sie müssen und können ein neues Gesundheitssystem mitgestalten. Eines, in dem die Kosten im Rahmen bleiben.

Die Reise geht weiter

Der Kinderarzt nimmt sein Publikum wieder in das Jahr 2015: Seinerzeit wurde der Beschluss gefasst, in der Pilotregion Berlin das Gesundheitssystem der Zukunft ganz neu zu denken und aufzubauen. Das deutsche Gesundheitswesen Bismarckscher Prägung sollte endlich in ein vernetztes System der Gesundheitsversorgung überführt werden. In den folgenden Jahren wurden die bis dahin üblichen Versorgungssektoren der ambulanten und stationären Medizin abgeschafft und die so genannten BerlinClouds an deren Stelle gesetzt.

Diese stellen im Jahr 2023 die neuen Strukturmerkmale einer modernen Gesundheitsversorgung dar. Die Patienten erkämpften sich endlich ihren Weg in den Mittelpunkt des Gesundheitssystems. Müschenich: „Ärzte und Krankenhäuser mussten weitgehend umdenken, um mit den neuen Freiheiten des Systems umzugehen. Die Medizin passiert heute nicht nur in der Arztpraxis oder im Krankenhaus, sondern weitgehend im Internet."

Der Fokus der Gesundheitsversorgung liegt immer mehr in der Prävention und nutzt dazu den Alltag der Patienten für neue Strategien der Krankheitsvermeidung. Damit entließ der Kinderarzt sein Publikum. Die angeregten Gespräche im Anschluss an dem Vortrag zeigten, zahlreiche der Anwesenden mussten das soeben Gehörte erst verdauen. Manche überlegten auch schon mal, zum Arzt zu gehen, ohne krank zu sein, also zur Prävention...

Foto: Daimler und Benz Stiftung/Wölffing

 


Veröffentlicht am: 18.12.2013

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