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Auf Architektour

Eine Genussreise vom Keller zum Kult

Die Botschaft der niederösterreichischen Winzer lautet seit jeher: „Wein ist nicht Alkohol, Wein ist Kultur“. Da war es nur logisch, dass der geneigte Genießer das nicht nur schmecken, sondern auch sehen sollte. Und so investiert man in den acht Weinbauregionen des Bundeslandes nicht mehr nur in den Weinbau, sondern auch in Weinbauten. Weshalb heute nicht nur die idyllischen Kellergassen, sondern auch moderne Architekturprojekte zum Degustieren einladen.

Von Keller zu Keller?


So lautete die Beschreibung der önologischen Genussroute durch Niederösterreich einst. Ganze Landstriche waren von den Kellergassen geprägt. Sie entstanden ab dem 18. Jahrhundert, als die Winzer das Keltern der Trauben und den Ausbau der Weine aus praktischen Gründen in der Nähe ihrer Rebgärten verlegten. Dafür errichteten sie Presshäuser im leicht zu bearbeitenden Löss von Hohlwegen oder Hängen, die mit ihren dazugehörigen Lagerräumen knapp unter Erdniveau lagen – auch um eine der Ausreifung zuträgliche Temperatur zu schaffen. Und so wuchsen über die Jahrhunderte langgestreckte Kellertriften, die sich ungeplant und nach Augenmaß zu „Dörfern ohne Rauchfang“ entwickelten.

Traditionelle Weinwelt

Natürlich gibt es sie noch heute, die Kellergassen. 1.100 sind es in 181 Gemeinden, und mit 400 Kellern und Presshäusern auf 1.600 Metern gilt der Hadreser Kellertrift als der längste der Welt. Das alte Kulturgut kommt zudem idyllischer daher denn je, denn vielerorts hat man mit der Restauration begonnen und einige Presshäuser auch unter Denkmalschutz gestellt, wie etwa in der Kellergasse Zipf in Mailberg. Zudem werden die Kellergassen auch aktiv wiederbelebt: So treffen sich die heimischen Winzer nicht nur regelmäßig in den Kellern, um den Fortschritt der Vinifizierung und die Qualität des Weines zu prüfen. Vor Ort gibt es auch häufig kleine Weinstuben und Pensionen für Genussreisende, und die Weinfeste sind über die Grenzen von Österreich hinaus bekannt. Lohnenswert ist auch die Teilnahme an einer Kellerführung, auf der man einen Einblick in die traditionelle Welt der Önologie erhält und die Schauplätze der berühmten Polt-Romanen von Alfred Komarek  besuchen kann.

Vom Keller zum Kult

Wer sich heute auf eine Tour entlang der 830 Kilometer langen Weinstraße Niederösterreich begibt, der steuert aber nicht nur Kultur-, sondern auch Kultobjekte an. Denn Österreichs größtes Bundesland gehört auch zu den Rebenregionen mit der größten Fülle an moderner Weinarchitektur in Europa. Keine andere Branche ist in einer derart herausragenden Dichte die erfolgreiche Allianz mit zeitgenössischer Baukunst eingegangen wie die heimischen Winzer. Wie zuvor die Kellergassen ganze Landstriche durch ihre Typologien neu definierten, hat die Weinwirtschaft noch einmal eine regionale, baukulturelle Identität geschaffen, die ihresgleichen sucht – zumal Alt und Neu, Tradition und Zeitgeist sich im weiten Land um Wien aufs Schönste vereinen.

Skandal sei Dank

Der Dank dafür gebührt zunächst auch einem Skandal. Fast 30 Jahre ist es her, da machte der österreichische Wein Schlagzeilen. Nachrichten von Glykol-Panscherei gingen um die Welt. In Folge mussten sich auch jene niederösterreichischen Winzer, die immer auf Qualität gesetzt hatten, neu positionierten, um das Renommee ihrer erstklassigen Tropfen wieder zu heben. Eine Zeit des Umdenkens und der Umstrukturierungen begann: Es entstanden Winzervereinigungen, wie etwa die Vinea Wachau, deren erklärtes Ziel es war und ist, ausschließlich Weine aus ihrem gesetzlich abgegrenzten Anbaugebiet zu keltern. Das kompromisslose Bekenntnis zu Qualität, Ursprung und Reinheit sind dabei oberstes Prinzip. Vielfach bekam auch die nächste Generation in den Familienbetrieben eine Chance. Und mit ihr eine neue Art des Bauens. Aller Orten entstanden in den 1990er-Jahren Betriebe, die den von den Winzern präzise formulierten Produktionsorganigrammen folgten, den veränderten technischen Standards und der hohen logistischen und technischen Komplexität der Qualitätsweinerzeugung Rechnung trugen. Form follows Function.

Dies hat sich in den vergangenen Jahren massiv geändert. Auf der breiten Basis der von Winzern beauftragten Funktionsbauten entwickelten sich immer innovativere und experimentellere Projekte, bei denen jetzt auch Marketing-Aspekte und architektonische Corporate Identity eine bedeutende Rolle spielten. In Zusammenarbeit mit renommierten heimischen Architekten, die sich auf ihre regionalen Wurzeln rückbesannen, aber auch in Kooperation mit internationalen Branchengrößen entstanden architektonische Entwürfe, die dem Ausbau edler Tropfen entsprechen und die neue, selbstbewusste Kultur des Weines räumlich übersetzen: Heute bieten elegante Sichtbetonhallen und wohlgestaltete Holzboxen den Rahmen zum optimierten Produzieren, stilvollen Degustieren und angeregten Diskutieren.

Erbauliche Vielfalt

Das Kennzeichnende und Erstaunliche ist die Vielzahl an hochwertigen Projekten. Von Carnuntum bis zum Wagram: Die Palette beginnt bei den mit großem Fingerspitzengefühl adaptierten Verkostungsräumen des Designers Markus Spitzbart. Er hat etwa die Vinothegg Grafenegg, den Heurigen von Josef Wannemacher in Hagenbrunn oder die Weingüter von Herta Gschweicher in Röschitz und Leopold Hofbauer-Schmidt in Hohenwarth durch den Einsatz von viel Licht, Glas und modernen (Bau-)Materialien in Orte der modernen Genusskultur verwandelt. Seinen Höhepunkt hat der Weinbau 2.0 aber wohl im spektakulären, weithin sichtbaren und vom New Yorker Stararchitekten Steven Holl geplanten Alu-Kubus LOISIUM und dem dazugehörigen wine & spa resort Loisium Hotel in Langenlois.

Natürlich kann man sich der Weinbauarchitektur in Niederösterreich regions- oder viertelweise nähern. Spannend ist es aber auch, die verschiedensten Werke eines Baumeisters zu sehen und zu vergleichen. Etwa jene von Thomas Tauber. Im Kremstal zeichnet(e) er zum Beispiel für das Weingut Stadt Krems verantwortlich. Es ist es ihm dort – unter anderem bei der Integration eines großzügigen Tastingrooms in ein bestehendes barockes Ensemble – gelungen, die Stimmung eines der ältesten Teile der Stadt Krems zu bewahren und doch gleichzeitig eine zeitgemäße Formsprache zu finden. Fast in Sichtweite des vom barocken Baugenie Jakob Prandtauer geplanten Dürnsteiner Kellerschlössels hat er dagegen ein neues Wirtschaftsgebäude für Starwinzers F.X. Pichler verwirklicht. In Oberloiben erhebt sich eine verglaste Schiffsbrücke aus den Weingärten, aufdass nun auch die Wachau – als UNESCO-Weltkulturerbe ein sensibler Landschaftsraum – ein Stück moderne Weinarchitektur besitzt.

Auf den Spuren von ...

Das Weritas, die im September 2009 eröffnete Gebietsvinothek des Wagram, trägt hingegen die unverkennbare Handschrift des Wiener Architekturbüros Gerner & Gerner Plus, das schon für zahlreiche Winzer, etwa das Weingut Haimel in Traismauer, tätig wurde. Und die Arbeiten des ebenfalls aus Wien stammenden Architektenduos Albertoni sind in der Weinbeisserei Hager in Mollands, im Weingut Stift Klosterneuburg oder im Traiskirchener Weingut Schaflerhof zu besichtigen. In jeder der acht niederösterreichischen Rebenregionen lässt sich die Verbindung von Weinbau und Weinbauten genussreich erfahren. Etwa bei einer Radtour von Winzer zu Winzer, durchs Kamp-, Krems- oder Traisental, entlang der Donau durch die Wachau, von Wien aus nach Klosterneuburg, durch das Veltlinerland oder die Thermenregion. Viel gibt es in den Rebgärten zu entdecken: mal Puristisch-Kubistisches, mal an die Tradition der regionalen Architektur Angelehntes und natürlich: die Kellergassen.

Foto: A. Haiden
Quelle: MaroundPartner

 


Veröffentlicht am: 10.01.2014

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