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Markus Draper in Berlin

Die Berlinische Galerie zeigt Werke aus der Sammlung der Galerie

Ab 20. Februar 2014 zeigt die Berlinische Galerie eine Ausstellung mit Arbeiten des Künstlers Markus Draper (*1969 in Görlitz) als Teil der Sammlungspräsentation. Die atmosphärisch aufgeladenen Arbeiten zeigen einen künstlerischen Blick auf urbane Strukturen und deren radikale Veränderungen.

Viele Gebäude in Drapers Collagen, Gemälden, Skulpturen und Videos sind wiedererkennbar, einige beziehen sich auf konkrete Ereignisse. In erster Linie nehmen sie jedoch eine Stellvertreterfunktion ein: die Werke werden zu psychologischen Landschaften. In letzter Konsequenz geht es immer um eine Überhöhung des Scheiterns, das auf unterschied-lichste Ebenen des menschlichen Daseins übertragen werden kann.

So ragt Drapers Windsor Tower (2007) riesenhaft und schwarz in den Ausstellungsraum. Ein Koloss von mehr als fünf Metern Höhe, der beim Näherkommen zu stürzen scheint – durch eine Verschiebung der Zentralachse, die ein unbewusstes Irritationsmoment auslöst. Die Idee zur Skulptur geht zurück auf das Bürohochhaus Torre Windsor (erbaut 1973-79) in Madrid, das 2005 einem verheerenden Feuer zum Opfer fiel. Im Verlauf des Brandes stürzten Teile des Außenskeletts in sich zusammen, nur der innere Gebäudekern blieb übrig. Der einsturzge-fährdete Turm wurde abgerissen. Zwei Jahre später entschied sich der Künstler, das dramatische Bild der Turmruine in einer monumentalen Skulptur umzusetzen. Diese wird zur symbolischen Form, in der Motive des kollektiven Bildgedächtnisses vom Turmbau zu Babel bis zu den Türmen des World Trade Center implizit enthalten sind.

Für zahlreiche Werke Drapers bildet die Collage einen Ausgangspunkt. Hier schichtet und konfrontiert er Ruinen von leerstehenden Plattenbau-Wohntürmen, Industrie- oder Investitions-ruinen. Diese werden mit erhabenen Gebirgspanoramen, Blitzen oder Trümmerfeldern kombiniert, die zuweilen an Motive aus der Malerei der Romantik im 19. Jahrhundert erinnern. Oftmals lässt sich nicht entscheiden, ob es sich bei Bildstrukturen um Blitze handelt oder um Risse, durch die tiefere Schichten hervorscheinen. Draper betreibt eine Archäologie der Nachkriegsmoderne, deren ehemals visionäre Bauten für ein vermeintlich besseres Leben sich mittlerweile selbst überholt haben. Was übrig bleibt sind Bruchstücke und Trümmer, aus denen neue, oftmals fragile und absurde Welten entstehen.

Feldforschung #2 könnte eine postmoderne Interpretation von Caspar David Friedrichs Gemälde Eismeer (1823-1824) sein. Statt romantischer Naturgewalten handelt es sich hier allerdings um profane Kartonschnipsel, die beim Modellbau für den Windsor Tower übrig blieben. Diese hatte Draper zunächst in der 3-Kanal-Videoinstallation Portrait as a Building (2009) verarbeitet, die der Künstler der Berlinischen Galerie anlässlich der Ausstellung schenkt. Auf drei Monitoren erscheint das präparierte Schnipselmeer in unterschiedlichen Einstellungen. Mittels einer aus Plastiktüte und Luftpumpe gebauten Anlage entsteht eine kaum merkliche Bewegung, die in Zeitlupe abgespielt wird; ein Todeskampf oder die Auferstehung eines gestürzten Gebäudes? Eine Nebelmaschine erzeugt filmische Atmosphäre, der ebenfalls in Zeitlupe abgespielte Sound sorgt für eine dramatische Klangkulisse. Die unterschiedliche Länge der Videoloops ergibt eine ständige Veränderung der Konstellation; der Geist in der Maschine (oder im Gebäude) übernimmt die Regie und erzeugt im Sinne Légers ein pseudodadaistisches Ballet Mécanique.

Markus Draper studierte von 1991 bis 1996 an der Hochschule für Bildende Künste, Dresden. Von 1998 bis 2000 war er Meisterschüler bei Professor Ralf Kerbach. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Kuratorenführungen
24.03., 28.04., 16.06.2014, jeweils 14:00 Uhr
im Museumseintritt enthalten

Künstlergespräch
20.03.2014, 18:00 Uhr
Eintritt frei

Bilder
Markus Draper: Windsor Tower, 2007, Installationsansicht, © Markus Draper, Foto: Jens Ziehe
Markus Draper: Peeling, 2004, © Markus Draper, Reproduktion: Kai-Annett Becker

 


Veröffentlicht am: 20.02.2014

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