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Kaya Behkalam in der IBB-Videolounge in der Berlinischen Galerie

In der IBB-Videolounge werden über den Zeitraum eines Jahres zwölf Künstler präsentiert, die in den letzten Jahren durch ihren innovativen Umgang mit den Medien Film und Video aufgefallen sind. Dokumentarische Herangehensweisen reihen sich dabei an Strategien, die das Medium hinterfragen und nach neuen Formen der filmischen Erzählung suchen.

Im April startet das letzte Quartal mit Werken von Kaya Behkalam (*1978 in Berlin). Behkalam beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit den Möglichkeiten der Geschichtsschreibung und deren Auswirkung auf unser Verständnis von Wirklichkeit.

Behkalam studierte an der Universität der Künste Berlin und promoviert aktuell in Freier Kunst an der Bauhaus Universität Weimar. Seine Arbeiten waren unter anderem zu sehen im Queens Museum, New York; dem Haus der Kulturen der Welt, Berlin; dem Reina Sofia Museum, Madrid und im Kunstverein Heidelberg. Excursions in the Dark wurde mit dem Dialogue Award des European Media Art Festival ausgezeichnet. Momentan lebt und arbeitet Behkalam in Ägypten, wo er an der American University in Cairo unterrichtet.

Die in der IBB-Videolounge gezeigten Arbeiten

Excursions in the Dark, 2011


In Excursion in the Dark kombiniert Behkalam Bilder des postrevolutionären Kairos im Jahr 2011 mit assoziativen Erzählsträngen. Gefilmt während der nächtlichen Ausgangssperre, die im Anschluss an den Rücktritt des Staatspräsidenten Mubarak durch den Militärrat verhängt wurde, zeigt das Video die ägyptische Hauptstadt von einer ungewohnt menschenleeren Seite. Während tagsüber weiterhin Menschen auf dem naheliegenden Tahrir-Platz protestieren – nun gegen die militärische Übergangsregierung –, lenkt die Stille der leeren nächtlichen Straßen den Blick auf die Architektur, die sonst leicht in den Hintergrund der Wahrnehmung gerät. Vorbild für „Wust al-Balad“, „das Herz des Landes“, wie das Stadtzentrum von Kairo umgangssprachlich heißt, war Paris.

Die französische Hauptstadt wurde von dem Stadtplaner Baron Haussmann Mitte des 19. Jahrhunderts nach den Erfahrungen der Französischen Revolution umgestaltet: Die engen mittelalterlichen Gassen, die das einfache Errichten von Barrikaden ermöglichten und so den Aufständischen zu Gute kamen, wurden durch übersichtliche Straßenzüge ersetzt. Diese entsprachen den modernen Verkehrsanforderungen, waren aber auch leichter durch die Machthaber kontrollierbar. Die ruhigen Videoaufnahmen Kairos werden durch scheinbar unzusammenhängende Erzählfragmente begleitet: Diese entpuppen sich schließlich als Traumsequenzen der Bewohner des Viertels und geben einen Einblick in deren Hoffnungen und Sorgen. Behkalam bezieht sich auf Walter Benjamin (1892-1940) und dessen Passagen-Werk: Durch seine Verknüpfung von Text und Bild spürt er den unbewussten Verbindungen zwischen kollektiven Träumen, politischer Agenda und der Architektur der Stadt nach.

Fear filled her heart as, gazing back, she saw (A farewell to the monument), 2013

In dieser Arbeit widmet sich Behkalam allegorischen Verbildlichungen europäischer Nationen durch Frauengestalten wie beispielsweise Germania oder Marianne. Der Titel der Arbeit ist den Metamorphosen entnommen, dem mythologischen Werk des römischen Dichters Ovid. Er verweist auf den Moment, in dem der oberste Gott Jupiter in Gestalt eines Stieres Europa nach Kreta bringt. Tänzer aus Kairo stellen typische Posen der allegorischen Figuren nach und bemühen sich mittels improvisierter Bewegungsabläufe, den konzeptuellen, utopischen und zum Teil gewalttätigen Ursprüngen dieser Verbildlichungen nachzuspüren. Europäische Identitätskonstruktionen werden durch diesen körperlichen Einsatz neu verbildlicht.

The 40 Feet Trilogy, 2004/05

The 40 Feet Trilogy ist ein essayistisches Porträt des Flusses Avon im Südwesten Englands. Ausgangspunkt der Arbeit ist die Aussichtslosigkeit des Vorhabens, die Geschichte eines Flusses umfassend zu dokumentieren. Anstelle einer linearen Erzählweise verwebt Behkalam Fragmente unterschiedlichsten Ursprungs: Von der Entstehung des Flusses über den transatlantischen Sklavenhandel bis hin zur häufigen Nutzung einer Brücke für Selbstmorde reichen die Erzählstränge, die Behkalam anschneidet, um einen atmosphärischen Eindruck jenes Ortes zu erschaffen.
Die Realisierung der IBB-Videolounge erfolgt mit Unterstützung der Investitionsbank Berlin (IBB).

Nächste Künstler in der IBB-Videolounge:
30.04.–26.05.2014: kate hers RHEE
28.05.–23.06.2014: Cathleen Schuster

BERLINISCHE GALERIE
LANDESMUSEUM FÜR MODERNE KUNST, FOTOGRAFIE UND ARCHITEKTUR
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin
FON +49 (0) 30 –789 02–600  
FAX +49 (0) 30 –789 02–700
BG@BERLINISCHEGALERIE.DE

Quelle: Berlinische Galerie

 


Veröffentlicht am: 28.03.2014

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