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Aufgespießt: Unliebsame Vergangenheit

Google im Visier der Europäer

(Helmut Harff / Chefredakteur) Der Europäischen Gerichtshof (EuGH) hat geurteilt, dass Suchmaschinen wie Google Verweise auf Webseiten mit sensiblen persönlichen Daten aus seiner Ergebnisliste streichen müssen. Dass sollen Betroffene etwa dann einfordern können, wenn die Suchergebnisse sehr alt und für die Gegenwart nicht mehr relevant seien.

Allgemein wird das bejubelt. Doch zu Recht? Ich meine ganz entschieden nein. Denn, es handelte sich bei dem strittigen Verweis zum einen auf ein Online-Zeitungsbericht. Der Betreiber dieser Zeitungs-Website, einen spanischen Verleger muss, so ist zu lesen, seinen Beitrag nicht löschen.

Das heißt doch nichts weiter, als dass man nach wie vor alles, was jemals über einen Menschen veröffentlicht wurde, weiter verfügbar ist - egal ob Google den Link dahin entfernt oder nicht. Es wird lediglich schwieriger, auf die Informationen zu stoßen. Doch es gab eine Zeit vor Google und da machte man sich auf in die Zeitungsarchive und durchforstete dort Ausgabe für Ausgabe nach den gesuchten Information. Das dauerte manchmal lange, führte aber zum selben Ergebnis wie heute einige Klicks bei Google.

Was passiert jetzt eigentlich, wenn ein Mensch einen Verweise auf Webseiten mit sensiblen persönlichen Daten gelöscht haben will, ein anderer darin ebenfalls darin vorkommender das aber absolut nicht möchte? Wer hat überhaupt das Recht, eine Löschung zu fordern? Dürfen das nur direkt genannte oder beispielsweise die Erben, Ehegatten, Kinder oder, oder? Schließlich können die ja auch unter bestimmten Einträgen leiden.

Das aktuelle Urteil befasste sich ja mit einem Google-Verweis auf einen Online-Zeitungsartikel? Was ist eigentlich mit Verweisen auf Einträgen in sozialen Netzwerken oder anderen Internetseiten? Muss eine Suchmaschine demnächst auch solche Verweise auf Seiten von Vereinen, Schulen, Unis oder Unternehmen löschen, weil da etwas steht, was einem Betroffenen nicht mehr passt?

Ist das Urteil gegen Google nur der Auftakt zu weiteren? Muss der Verleger des strittigen Beitrages unter Umständen nun damit rechnen, dass der EuGh auch ihn dazu verdonnert, den Artikel auf seiner Plattform zu löschen? Müssen Zeitungen und Zeitschriften irgendwann auch solche Artikel aus archivierten Zeitungen ausschneiden lassen. Müssen alte Rundfunk- und Fernsehbeiträgen demnächst zumindest teilweise gelöscht werden?

Wenn man nun Teile seiner Biographie "verschwinden" lassen kann, muss man dann "vergessene" Teile in Bewerbungen oder anderen Dokumenten nicht mehr angeben?

Das sind unbegründete Ängste? Nein, das glaube ich nicht. Wenn der EuGh nicht unglaubwürdig werden will, bleibt ihm doch gar nichts weiter übrig, als sich weiterhin für eine "Kultur des Vergessens" stark zu machen. Ich hoffe, die Richter am EuGh wissen, welche Büchse der Pandora sie da gerade geöffnet haben.

 


Veröffentlicht am: 19.05.2014

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