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Morgengruß von Helmut Harff: Nicht meckern

Brauchen wir eine meckerfreie Zone?

Vielleicht haben Sie schon davon gehört: Dem Flensburger Pastor Klaus Guhl geht das alltägliche Gemecker, Gemotze, Gejammer und Getratsche auf die Nerven. Vor mehr als einem Jahr hat er die Aktion "Meckerfreie Zone" entdeckt und sie nach Deutschland geholt.

Die Spielregeln sind einfach. Wer mitmacht, trägt ein schmales lila Kunststoff-Armband. Es kann links oder rechts getragen werden, erklärt Guhl. "Wenn Du meckerst oder tratscht, wechsele das Armband auf die andere Seite." Ziel ist es, 21 Tage ohne diese Sünden auszukommen. Die 21 Tage deshalb, weil es so lange dauerte bis aus einem Ei ein Küken schlüpft. In gleichem Zeitraum soll sich das Gehirn an neue Routinen gewöhnt haben.

Die Idee kommt aus den USA und ist wie so vieles was von dort kommt, aus meiner Sicht ziemlich bekloppt. Sorry, aber darüber muss ich erst einmal meckern. Der Ideengeber, ein amerikanischer Theologe namens Will Bowen hat dann auch nach eigenen Angaben schon über 10 Millionen Armbänder verkauft. Damit dürfte er auch mehrfacher Millionär geworden sein. Da kann man wirklich nicht meckern.

Doch warum machen so etwas ausgerechnet Theologen? Würde man jede Stelle aus der Bibel streichen, wo gemeckert, gemotzt, gejammert oder getratscht wird, wäre sie nur noch ein schmales Taschenbüchlein.

Wenn wir nicht mehr meckern, uns über Dinge aufregen könnten, was würden wir mit unserem Unmut machen? Alles runter schlucken? Viel Spaß mit dem nächsten Magengeschwür oder dem fast unausweichlichen (Gewalt-)Ausbruch. Irgendwo hin muss wohl jeder Mensch mit seinem Frust. Den gibt es immer wieder - das steht so fest wie das Amen in der Bibel.

Was, so frage ich mich, mache ich, wenn ich mich über mich selber ärgere, weil ich zum Beispiel 20 Mal am Tag das Bändchen von einen auf das andere Handgelenk wechseln muss. Was mache ich als Journalist, wenn ich nicht mehr meckern darf - zum Beispiel über diese abstruse Idee irgendwelcher Theologen? Die müssten doch eigentlich wissen, dass Gemecker, Gemotze, Gejammer und Getratsche auch Dinge sind, mit denen Menschen ihr nicht immer so erfreuliches Leben besser bewältigen können.

Wer nicht meckert, wird nicht nur irgendwann krank, er wird auch sehr schnell sehr angepasst. Wer nicht über die Idee einer meckerfreien Zone meckert, muss ja genau der folgen. Was bleibt sonst? Wenn ich mich nicht über schlechtes Essen, politische Fehlentscheidungen, Schnapsideen, schlechte Straßen, fremdgehende Partner oder eine Sechs des Sprösslings aufregen soll, was mache ich dann? Alles schlucken? Alles gut finden? Nicht mehr meckern über kinderschändende Pastoren? Nicht mehr motzen über unfähige Chefs? Nicht mehr jammern über die Massentierhaltung? Nicht mehr tratschen über den Vorgesetzten, der jeder Kollegin auf den Hintern stiert? Dann bleibt ja nur noch, all das zu akzeptieren, zu allem ja und Amen zu sagen. Aber vielleicht wollen das ja die Herren Theologen.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück - da gibt es nichts zu meckern.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Bitte meckern Sie nicht über das hochsommerliche Wetter.

 


Veröffentlicht am: 22.07.2014

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