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Aufgespießt: Der Ton macht es

Eine Berliner Episode

(Helmut Harff / Chefredakteur) "Die Frau war aber unhöflich. Man spricht niemand mit `watt is` an", so eine Mama beim Einstieg in eine Berliner S-Bahn zu ihrer etwa zehnjährigen Tochter. Die Frau sprach mit hörbar ausländischem Akzent. Die Tochter darauf hin: "Mama, vielleicht ist sie keine Deutsche gewesen". Mama: "Selbst wenn, ist man nicht so unhöflich. Wir sind ja auch keine Deu..., wir sind ja auch nicht von hier. Wir sind ja auch nicht unhöflich". Kind: "Stimmt Mama". Mama: "Schatz, die Sprache ist der Türöffner für dich. Du musst mit der Sprache immer sorgsam umgehen und darfst nie unhöflich sein. Wenn du die Sprache nicht beherrscht und nicht gut mit ihr umgehst, bleiben die Türen verschlossen". Die Tochter nickte, genau wie die junge Frau in unserem Abteil und ich.

Ich schildere diese eigentlich kleine Episode, weil sie leider gerade in Berlin nicht typisch ist. Hier ist vordergründig King, wer rum motzt, wer mit der Sprache möglichst wenig sorgsam umgeht. Allerdings vergessen die, die meinen, so besonders cool zu sein, dass die oben zitierte Mama recht hat. Wer schlampig mit der Sprache umgeht, wer jeden mit `watt is` anmotzt, dem bleibt häufig nur eine Tür weit offen - die zum Jobcenter. Obwohl, auch da macht der Ton die Musik.

Diese alte Feststellung vergessen längst nicht nur Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund, sondern auch solche, die auf deutsche Vorfahren verweisen. Guter Umgang mit der Sprache hat weder etwas mit der Herkunft, der umfassenden Kenntnis der jeweiligen Sprache noch mit einer Religionszugehörigkeit zu tun. Es gibt überall und in allen Bildungsschichten Menschen, die schlampig mit der Sprache umgehen.

Ja, Jugendsprache ist und war auch in meiner Jugend nicht gerade immer hoffähig. Das eine ist der Umgang junger Menschen unter einander, etwas anderes ist der Umgang von weiten Teilen der Bevölkerung mit der Sprache. Klar, redet man auf dem Fußballplatz anders als im Büro, doch man sollte immer auseinander halten, was ins Stadion und was ins Büro gehört.

Wie sagte die Mama so richtig: "Wenn Du die Sprache nicht beherrscht und nicht gut mit ihr umgehst, bleiben die Türen zu". Wer das nicht weiß, wem das nicht in jungen Jahren von der Mama oder wem auch immer gesagt wird, der steht schnell vor verschlossenen Türen. Der muss sich nicht wundern, trotz vieler freie Lehrstellen keine zu bekommen. Dem nützen auch noch so viele Bewerbungstrainings durch das Jobcenter nicht. Dem wird immer nur die schon angesprochene einzige Tür offen stehen.

Betroffen hat mich gemacht, dass die Mama trotz (oder gerade wegen?) ihres Umgangs mit der Sprache sich nicht als Deutsche fühlt. Frau und Kind sind für mich viel mehr von hier, als so manche, die sich als tolle Deutsche fühlen und jeden zweiten Satz mit `watt is` oder `he Alter` beginnen.

Vielleicht, nein ganz sicher sollten wir uns alle an der jungen Frau ein Beispiel nehmen und unseren Sprachgebrauch hinterfragen. Schließlich gilt noch immer das Sprichwort, wonach es aus dem Wald so schallt, wie man hineinruft. Und, wer wird schon sehr höflich antworten, wenn man mit "He Alter, watt is" angesprochen wird. Umgekehrt wird man auch keine freundliche Antwort erwarten können.

Pflegen wir uns und unsere Sprache. Wir werden merken, wie groß der Genuss dabei sein kann.

Noch eins: Unbekannte Mama, vielen Dank, dass ich Sie erleben durfte.

 


Veröffentlicht am: 01.09.2014

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