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150 Jahre Ringstraße

Ein Prachtboulevard entsteht

Vom Militärgelände zum Prachtboulevard: Die Wiener Ringstraße feiert 2015 ihre Eröffnung vor 150 Jahren. Das größte städtebauliche Projekt in der Geschichte Wiens markiert den Wandel von der feudalen Residenzstadt zu einer europäischen Großstadt.

Im Jubiläumsjahr 2015 sind mehrere große Ausstellungen zum Thema Ringstraße in Wien geplant. Bereits 2014 thematisiert die Schau Experiment Metropole - 1873: Wien und die Weltausstellung von 15.5. bis 28.9.2014 im Wien Museum Karlsplatz neben der Expo auch den Bau des Rings und andere städtische Großprojekte.

Die Geschichte der Wiener Ringstraße beginnt am 20.12.1857, als Kaiser Franz Joseph anordnet, die Befestigungsanlagen rund um die Innenstadt zu schleifen und das zuvor vom Militär genutzte Gelände vor den alten Basteien und der Stadtmauer, das sogenannte Glacis, mit einer Prachtstraße samt repräsentativen Gebäuden zu bebauen. Das größte städtebauliches Projekt in der Geschichte Wiens stellte die Verbindung zwischen der Innenstadt, die von der Kaiserresidenz und Adelspalästen dominiert war, zu den kleinbürgerlichen Vorstädten her. Zugleich trug das Mega-Bauvorhaben der rasanten Bevölkerungsentwicklung Wiens Rechnung. Von 1857 bis 1868 wuchs die Bevölkerung der Stadt um knapp 30 Prozent und überstieg bereits 1890 eine Million EinwohnerInnen. Und schließlich markierte der Bau der Ringstraße auch den Wandel von der feudalen Residenzstadt der Donaumonarchie zu einer europäischen Großstadt.

In einem internationalen Wettbewerb reichten 85 Büros ihre Vorschläge ein, jedoch wurde kein Projekt direkt umgesetzt. Eine Kommission erarbeitete stattdessen aus den besten Entwürfen einen „Grundplan“, der die Anlage einer knapp 57 Meter breiten und rund fünf Kilometer langen, annähernd kreisförmigen Doppelallee-Straße mit monumentalen öffentlichen Gebäuden, Palais, privaten Mietshäusern, Plätzen und Parks vorsah. Die durch den Abbruch der Verteidigungsanlagen freigewordenen Grundstücksflächen (insgesamt 2,4 Mio. m², knapp 300 Fußballfelder), die nicht für öffentliche Gebäude, Straßen oder Parks vorgesehen waren, wurden an Privatpersonen teuer verkauft und dadurch öffentliche Gebäude mitfinanziert. Die Privatiers wiederum profitierten von 30 Jahren Steuerfreiheit, wenn sie ihr Bauprojekt innerhalb von fünf Jahren fertigstellten.

Die Kaiserstadt wurde zu einer Riesenbaustelle, an der ab 1858 mit Hochdruck gearbeitet wurde. Vom Baubeginn bis zur offiziellen Eröffnung der Ringstraße am 1.5.1865 in Anwesenheit des Kaiserpaares vergingen lediglich sieben Jahre. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch erst ein Teil des Gesamtprojekts fertiggestellt. Die schnelle Bauabwicklung der Ringstraße ging zu Lasten der dort Beschäftigten. Die Bau- und ZiegelarbeiterInnen leisteten bei geringer Bezahlung und langen Arbeitszeiten Schwerstarbeit. Die Bauziegel kamen zum Großteil aus den Ziegeleien im Süden der Stadt, so entstand die Bezeichnung „Ziegelböhm“ für die meist aus Böhmen zugewanderten ArbeiterInnen.

Als Bauprojekt mit beeindruckenden Dimensionen zog die Wiener Ringstraße rasch Financiers, Bauherren und Architekten aus ganz Europa an. Der Architekt Gottfried Semper, der das Burgtheater und die Hofmuseen entwarf, stammte aus Hamburg, der Ringstraßen-Planer Ludwig von Förster aus Franken und Theophil Hansen aus Dänemark. Palais an der Ringstraße ließen sich unter anderem die aus der Ukraine stammende Bankiersfamilie Ephrussi, die aus dem wohlhabenden jüdischen Bürgertum Prags kommende Familie Epstein und die aus Rumänien stammende Großhandelsfamilie Todesco erbauen.

Bild: © WienTourismus / Christian Stemper

 


Veröffentlicht am: 09.09.2014

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