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29.04.2017

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: Genussland DDR

Ein Spaziergang zwischen Sättigungsbeilage und Filinchen

Wie nicht anders erwartet, riefen mich diverse Leute wegen meiner gestrigen Kolumne zum 65. Jahrestag der DDR an. Viele meinten, dass ja nicht alles schlecht in der DDR war. Neben der Vollbeschäftigung und den Kindergärten wurde immer wieder darauf verwiesen, dass es ja noch heute Lebensmittel gibt, die es schon in der DDR gab.

Die DDR ein Genießerland? Was war das für ein Land. in dem es Sättigungsbeilagen gab und die Kleingärtner gefühlt mehr Chemie auf ihren Beeten unterbrachten, als es heutige Agrarfabriken tun. Genießerland DDR? Wohl kaum, schließlich war man stolz auf seine Viehaufzuchtfabriken, auf die industrielle Produktion von Lebensmitteln.

Ja, wir haben lecker kochen können, wir hatten noch Brot, das im Holzbackofen gebacken wurde. Es gab handwerklich sehr gut gemachten Kuchen. Doch was war drin? In vielen Fällen waren es Ersatzstoffe - Persipan oder Resipan anstelle Marzipan. Ich weiß gar nicht mehr, was es als Ersatz für Zitronat, Orangeat und Sultaninen gab. Unter diesen Ersatzstoffen litten auch die bis heute beliebten Hallorenkugeln. Würden die heute allerdings noch so schmecken wie vor 25 Jahren, sie wären längst aus dem Handel verschwunden. Gleiches gilt für andere Süßwaren.

Dann waren da noch die beliebten Würstchen, mal aus Halberstadt, mal aus Eberswalde. Ja, ich lebe noch heute von Eberswalder Würstchen, Würde ich die nicht mehr kaufen, müssten die sicherlich Mitarbeiter entlassen. Doch haben die heutigen Würstchen mit denen aus der Konservendose aus DDR-Zeiten nicht mehr viel gemeinsam. Die schwammen damals in einer wenig leckeren salzigen Brühe. Nicht gerade der ultimative Genuss.

Was gab es noch? Ungarische Salami? Wohl eher nicht. Frisches Hackepeter zum roh essen? Ja, dass vermisse ich. Hackepeter - für unkundige: Mett - aufs frische Bäckerbrötchen, das war wirklich ein Genuss. Überhaupt die frischen Brötchen - die waren lecker, leckerer als die im Westen. Nur man durfte nicht zu spät zum Bäcker kommen. Dann gab es nämlich keine Brötchen mehr.

Doch dann gab es ja noch Filinchen. Das Knusperbrot war in der Tat sehr lecker und ein absoluter Renner.

Ein Unland war die DDR für alle Kaffee- und Teetrinker. Die Krönung - nicht die von Jacobs - sondern die an Dreistigkeit war der sogenannte Kaffee-Mix. Im Volksmund doppeldeutig Erichs Krönung genannt, war er so "lecker", dass er nach einiger Zeit wieder aus dem Regalen von Konsum und HO verschwand. Vielleicht war auch einfach die Kaffeekrise überwunden.

Eine Zumutung waren auch die sogenannten Kuba-Orangen. Harte Schale und ein nicht wirklich leckerer Kern, das waren die am meisten erhältlichen Südfrüchte der DDR.

Und der Alkohol? Den gab es wirklich immer, wenn auch viel zu häufig in echt mieser Qualität. Nicht umsonst sprachen die DDR-Bürger von Berliner Blindenwodka oder dem Grünen Würger. Wer etwas mehr Qualität wollte, musste sehr tief in die Tasche greifen. Sowjetischer Sekt war ebenso begehrt, wie Armenischer Cognac. Gleiches galt für Rotweine wie Rosenthaler Kadarka oder Süß- und Schaumweine wie Tokajer oder Cotnari. Damals standen all diese Getränke hoch im Kurs. Doch wenn die wirklich so lecker waren, warum werden sie heute nicht mehr nachgefragt? Die Antwort ist ganz einfach: Wir hatten damals nichts anderes - heute schon.

Der DDR kann man vieles nachsagen, aber ein Genießerland war sie nicht. Satt werden, etwas vernünftiges auf den Tisch bringen, das war im Arbeiter- und Bauernstaat angesagt. Genießen, das war etwas für die Nobelgastronomie und den heimischen Herd.

An den marschiere ich jetzt und mache mir mein Frühstück.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 08.10.2014

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