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Morgengruß von Helmut Harff: Kunst verkaufen

Viel Lärm um zwei Warhols

Sicherlich haben Sie auch schon davon gehört, dass der Casinobetreiber Westspiel, eine Tochtergesellschaft der landeseigenen NRW Bank, zwei Bilder vom US-Pop-Künstler Andy Warhol zur Versteigerung beim Auktionshaus Christie’s New York eingeliefert hat. 100 Millionen Euro will man so zur Sanierung der maroden Spielbanken und zum Neubau einer solchen einnehmen.

Eigentlich kein schlechtes Geschäft für zwei seit vier Jahren eingelagerte - also nicht gezeigte - Kunstwerke, die einst 400.000 Mark kosteten. Da sage noch einer, die öffentliche Hand gehe mit Steuergeldern nicht gut um.

Doch der Verkauf treibt einige kulturinteressierte Bildungsbürger fast in den Wahnsinn. Vom Ausverkauf der nationalen Kultur, vom Niedergang des Abendlandes ist zu hören. Kunst aus öffentlicher Hand darf nicht verkauft werden, so der Tenor der Gutmenschen, die Spielbanken nur durch den Hintereingang betreten.

Doch was soll die ganze Aufregung? Kauften nicht einst genau diese Bildungsbürgertum-Menschen billig angebotene Antiquitäten, die zuvor DDR-Bürgern gehörten? Wo blieb da der Aufschrei? Was passiert, wenn Kirchen etwas aus ihrem Besitz, manchmal ganze Kirchen verkaufen? Was ist, wenn Kommunen ihr Tafelsilber verscherbeln? Hier und da regt sich mal ein laues Wiederstandslüftchen - mehr nicht.

Und nun geht es um zwei Bilder, die ohnehin nicht mehr gezeigt wurden. Doch sie verursachten Kosten, mussten versichert und gesichert (ich hoffe, sie waren es) werden. Solch ein Dasein fristen viele, viel zu viele Kunstwerke im öffentlichen Besitz. Im besten Fall hängen sie in irgendwelchen Amtsstuben. Viele Bilder, Grafiken und Skulpturen liegen in irgendwelchen Ecken und so manches Kunstwerk wird schon mal entsorgt.

Und in den Museen? Da liegen in Deutschland Millionen von Kunstwerken in Depots und werden mit Sicherheit nie ausgestellt. Sie werden auch so gut wie nie von einem Wissenschaftler in die Hand genommen. Sie werden in gut gesicherten und teuer klimatisierten Depots sicher vor dem Zugriff von kunstinteressierten Museumsbesuchern geschützt. Wozu lagert man Dinge ein, die man für das Museum eigentlich gar nicht braucht? Warum soll man nicht Kunstwerke verkaufen, die einst hoch in der Besuchergunst oder der von Regierenden und Mäzenen standen?

Ich finde, hier müssen Museen und Gutmenschen endlich umdenken. Wenn man mit dem Verkauf lange nicht mehr gezeigter Kunstwerke neue Ankäufe und notwenige Sanierungsarbeiten an den Gebäuden finanzieren kann, dann kann ich daran absolut nichts verwerfliches finden.

Warum soll eine finanziell sehr klamme oder gar überschuldete Kommune nicht Kunst aus ihrem Besitz veräußern? Was soll ein Bild im Bürgermeisterzimmer, wenn man gleichzeitig den örtlichen Kindergarten nicht sanieren kann, wenn die Feuerwehr ihr Löschfahrzeug zum Brandherd schieben muss? Wieso mutet man einem Langzeitarbeitslosen zu, erst einmal seinen Besitz "aufzuessen" bevor er staatliche Unterstützung erhält und die öffentliche Hand darf ihre Kunst behalten, auch wenn die Kassen leer sind?

Um es klar zu sagen: Ich will nicht, dass Berlin seine Nofretete oder Dresden seine Sixtinische Madonna verkauft. Doch das, was da der Casinobetreiber Westspiel gerade macht, finde ich zumindest legitim.  Obwohl es mich schon wundert, dass Spielbanken in finanzielle Schieflage geraten können. Aber vielleicht ist das die eigentliche good news.

Ich mache mir jetzt erst einmal mein Frühstück und freue mich über das gerade erworbene Bild einer jungen Künstlerin. Ob das auch einmal viel mehr Wert sein wird als heute? Eigentlich egal, denn es gefällt mir ausnehmend gut.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 24.10.2014

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