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Morgengruß von Helmut Harff: 9. November

Mit freiem Volk auf freiem Grunde stehen

Dieses Goethezitat ging mir gestern durch den Kopf, als ich vom Potsdamer Platz zum Brandenburger Tor spazierte. Es war weniger ein Spaziergang als ein Slalomlauf, denn mit mir waren tausende, wenn nicht mehr als einhunderttauend Berliner und Gäste unterwegs. Daran konnte augenscheinlich auch der Streik der Lokführer nichts ändern.

Alle hatten nur einen Grund: Sie wollten noch einmal erleben, wie und wo die Mauer die Stadt teilte. Man hat ein gut 15 Kilometer langes Stück der ehemaligen Grenze mit Lampen markiert. Das war schon ziemlich beeindruckend.

Und doch, als ich von der Idee hörte, bekam ich fast Bauchschmerzen. Meine Erinnerung an diese Grenze quer durch meine Heimatstadt waren die Lampen entlang der Mauer. Egal wo es in Ostberlin hell war, man konnte sicher sein, dass da die nahezu unüberwindbare Grenze war. Eine Grenze, die die Westberliner einsperrte und mich daran hinderte, mich frei zu bewegen, zu sehen, was da hinter dem Lichtvorhang war.

Dieses Licht sah ich aus meinem Klassenzimmer, dieses Licht sah ich, wenn ich mit der S-Bahn durch Berlin fuhr und dieses Licht sah ich, wenn ich mit Besuch in Richtung Brandenburger Tor unterwegs war. Ansonsten mied ich diesen Ort. Kaum einer war so traurig und leer, wie der in Berlins Mitte. Licht als ein Symbol der Teilung - das erschien mir schon fast pervers.

Im Endeffekt war die Idee, die Berliner Grenze mit 7.000 Lampen noch einmal zu illuminieren wohl doch eine sehr durchdachte und eindrucksvolle. Als ich da gestern entlang der Lampen spazierte, da hatte ich das Gefühl, dass ich mich mit dem Licht - der Lichtgrenze - versöhnen konnte. Die Macher hatten also alles richtig gemacht.

Das sah man auch den unzähligen Besuchern an. Eigentlich gab es ja nur genau diese Lampen zu sehen. Und genau die beeindrucken. Das konnte man den Gesichtern ansehen. Die waren eher nachdenklich. Hörte man mal darauf, worüber sich die Menschen unterhielten, so waren das häufig Erinnerungen. Aber, man hörte auch viele erklärende Worte, vor allem gegenüber den Menschen, die diese blöde Mauer Gott sei Dank nicht mehr aus eigenem Erleben kannten.

Schön fand ich die Idee von vielen Mauersuchern, sich mit einem Fuß im Osten und einem im Westen fotografieren zu lassen. Überhaupt wurde die Mauerinstallation ohne Ende fotografiert. Nahezu jeder wollte eine digitale Erinnerung - seine ganz private Erinnerung.

Doch selbst für mich als Berliner gab es kleine Überraschungen. So war mir nicht klar, wie weit Ostberlin hinter dem Brandenburger Tor noch in den Westteil der Stadt reichte. Das hatte ich so bisher nicht gesehen.

Ich glaube, dass man mit der Lichtinstallation genau das richtige Mittel gefunden hat, dem Mauerfall am heutigen 9. November zu gedenken.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück. Treffen wir uns heute am Brandenburger Tor, wenn Udo Lindenberg sein Mädchen aus Ostberlin anstimmt und Hunderttausende mit uns aus voller Kehle und mit einer Träne im Augenwinkel mitsingen. Wie sagte Goethe im Osterspaziergang? Hier bin ich Mensch , hier darf ich's sein.

Mein Tipp: Frühstücken Sie schnell und kommen nach Berlin. Was Berlin noch heute zu bieten hat, werden Sie nie wieder erleben.

 


Veröffentlicht am: 09.11.2014

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