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Morgengruß von Helmut Harff: Sterben

Das Thema beschäftigt heute den Bundestag

Nein, heute geht es nicht um das Sterben von Parteien wie den Piraten, der F.D.P. oder der SPD. Heute geht es in Berlin überhaupt nicht um Politik. Heute geht es um das Leben. Um es genauer zu sagen, es geht um das Ende des Lebens.

Um es noch genauer zu sagen, es geht um ein selbstbestimmtes Ende, um Sterbehilfe. Das ist ein verdammt heikles Thema und ich möchte nicht entscheiden müssen, ob und in welcher Form man Sterbehilfe erlauben soll oder nicht. Ich kann nur sehr schwer abschätzen, welche Büchse der Pandora man da öffnet.

Eines weiß ich aber aus eigenem Erleben: Es ist viel einfacher zu sagen, dass man sterben will, als dann wirklich freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Die allermeisten Menschen hängen einfach mehr am Leben, als sie sich es in einem relativ gesunden Zustand vorstellen können. Man sagt schnell, wenn ich erblinde, bringe ich mich um. Genauso schnell sagt es sich, dass man nicht mehr leben will, wenn man auf den Rollstuhl angewiesen ist. So äußert man sich auch mal, wenn es um chronische Schmerzen geht.

Es gibt viele Menschen, die all das ertragen müssen und doch das Leben lieben. Andere scheiden freiwillig aus dem Leben, "nur" weil sie Liebeskummer oder finanzielle Probleme haben. Einer stürzt sich von der Brücke, weil er für eine Woche ins Gefängnis muss, andere richten sich dort auf viele Jahre Aufenthalt ein.

Heute geht es nun im Bundestag darum, ob man einem Menschen, der vor dem Hintergrund von unheilbaren Krankheiten und unerträglichen Schmerzen sein Leben beenden will, dabei behilflich sein darf. Wahrlich keine leichte Kost, diese Frage zu beantworten. Einig ist man sich darüber, dass man nur jemand dabei helfen darf aus dem Leben zu scheiden, wenn er diesen Wunsch bei klarem Verstand äußert. Doch schon bei starken Zahnschmerzen war ich noch nie bei klarem Verstand. Was, wenn ich demnächst in einer solchen Situation laut und vor Zeugen verkünde, dass ich lieber sterben will, als diese Schmerzen nur noch eine Minute länger zu ertragen. Darf mir dann jemand einen Giftcocktail hinstellen?

Man ist schnell geneigt zu sagen: selbstverständlich nicht. Doch was ist mit einem Patienten, einem schwer kranken und von Schmerzen geplagten, der sich genau so äußert? Meint er das auch noch morgen und übermorgen so? Kommen wir seinem Wunsch gleich nach, wird es für diesen Menschen kein Morgen und Übermorgen geben.

Mein Vater stand häufig mit den Worten auf "Wäre ich die Nacht doch nur gestorben". Er maulte so nur darüber, dass er nicht noch im Bett bleiben konnte. Später, als er schwer krank war und unter kaum vorstellbaren Schmerzen litt, kam ihm dieser Spruch sogar im Krankenhaus über die Lippen. Der Wunsch eines todkranken Mannes oder nur eine etwas makabre Äußerung? Was, wenn man das zukünftig als Wunsch auffasst, sein Leben vorzeitig zu beenden?

Wenn man hierzulande die Sterbehilfe in sehr festen Grenzen zulassen will, so müssen diese sehr genau definiert werden. Doch egal, wie ein Gesetzestext auch aussehen mag, bei mir bleibt bei dem Thema immer ein sehr mulmiges Bauchgefühl. Ich möchte auf jeden Fall nie in die Situation kommen, so eine Entscheidung treffen zu müssen - weder als Angehöriger noch als Betroffener. Ich habe es mehrfach erlebt, dass man auch in sehr schweren Situationen am Leben hängt. Genau diese Menschen sind meine Vorbilder.

Kein schönes Thema. Ich glaube, ich warte noch etwas mit meinem Frühstück. Ein Kaffee muss erst einmal reichen.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 19.11.2014

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