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Schaurige Gesellen, mystische Gestalten

So gruslig können Österreicher sein

Sie tragen geheimnisvolle Masken und wenn sie in kalten Winternächten durch die Gassen ziehen, verbreiten sie Gruseln und fasziniertes Staunen: Die Rede ist von den schaurigen Gesellen, die auf klingende Namen wie Schnabelperchten, Tresterer oder Anglöckler hören und denen man in der Weihnachtszeit in allen Salzburger Regionen begegnen kann.

Ihre Prozessionen und Umzüge sind faszinierend anzusehen und oft verbirgt sich bei näherer Betrachtung ein profaner Kern hinter den uralten Bräuchen. Wo und wann man den mystischen Gestalten begegnen kann, erfahren Sie hier.

Den Armen ihr Brot: die Anglöckler

Ein uralter Salzburger Brauch ist das sogenannte Anglöckeln. An drei Donnerstagen vor Weihnachten – den sogenannten Klöpfelnächten – ziehen die Anglöckler oder Klöckler von Haus zu Haus. Sie sind in traditionelle Kleidung gewandet und tragen Stöcke und Laternen mit sich. Wer ihnen die Tür öffnet, wird mit Gesang und Gedichten belohnt. So archaisch der Brauch anmutet, hat er auch einen handfesten ökonomischen Hintergrund: Das Bitten um Gaben war seit dem Mittelalter Vorrecht jener, die sich im Winter keinen Lebensunterhalt verdienen konnten. Sie durften durch die ideelle Leistung für die Gesellschaft ihr Brot verdienen und galten als Stellvertreter der armen Seelen.

Gottes Werk und Teufels Beitrag: Von schiachen Perchten und schönen Tresterern

Wie die Christkindlmärkte sind auch Percht und Krampus aus der Salzburger Weihnachtszeit nicht wegzudenken – nirgendwo sonst ist dieser Brauch so lebendig wie in den Regionen im Herzen der Alpen. Die schiachen Gesellen kommen mit Glocken und Geschrei ganz und gar nicht friedlich daher und passen auf den ersten Blick nicht in die „stille Weihnachtszeit“ – dafür sind sie umso spannender anzusehen. Die kulturellen Wurzeln der Perchten liegen im Unklaren – die Spurensuche führt aber über mittelalterliche Prozessionen und Teufelsdarstellungen bis hin zu vorchristlichen, archaischen Ritualen.

Begegnen kann man Krampus und Percht bei den vielen Umzügen und Perchtenläufen, die meist um das Fest des heiligen Nikolaus am 5. oder 6. Dezember stattfinden. Wer die ganz besonders faszinierenden Schnabelperchten aus Rauris oder den Brotperchten aus Unken erleben will muss sich bis zum 5. Jänner gedulden.

Schönperchten und Tresterer

Eine Ausnahme unter den grusligen Gestalten bilden dagegen die sogenannten Schönperchten. Die grazilen Gestalten sind von italienischen Bräuchen beeinflusst und vor allem in den Regionen Pongau und im Pinzgau zuhause: Tresterer-Gruppen gibt es zum Beispiel in Stuhlfelden, Zell am See und Unken. Die rund 30 männlichen Mitglieder bereiten sich über Wochen auf ihren großen Auftritt vor, lassen ihre Kostüme nähen und üben die tausend Jahre alten Tänze und Sprünge, die das unverkennbare Trestern – „Stampfen“ – ausmachen. Dabei schwingen sie ihre mit Fruchtbarkeitssymbolen bestickten Tücher, deren Wirkung nicht unterschätzt werden sollte.

29.11.2014: Gnigler Krampuslauf mit 600 Krampussen, Hexen, Nikolos, uvm. (19.00-22.00 Uhr)
29.11.2014: Großer Krampuslauf in Tamsweg (18.00 Uhr)
05.12.2014: Krampuslauf in der Salzburger Altstadt – Getreidegasse, Festspielhäuser(17.30-19.00 Uhr)
04.12.2014: Krampusrummel in Zell am See-Thumersbach
05.12.2014: Krampuslauf in St. Johann/Untermarkt im Pongau
05.12.2014: Krampuslauf in Zell am See
5.-6.12.2014: Krampusläufe in Gasteinertal
07.12.2014: Perchtenlauf des Schober Perchten Passes in Thalgau (18.00 Uhr)
04.01.2015: Traditioneller Pongauer Perchtenlauf in Altenmarkt
05.01.2015: Schnabelperchten ziehen durch Rauris (17.00 Uhr)
06.01.2015: Trestertanz am Stadtplatz Zell am See (17.00 Uhr)

Weitere Bräuche rund und um das Weihnachtsfest

Raunächte – Rauchen, beten und keinesfalls Wäsche waschen
Zwölf Raunächte kennt man im SalzburgerLand: Sie beginnen mit dem Tag zwischen Thomas (21. Dezember) und enden zu Dreikönig (6. Januar). Viele pflegen bis heute diesen Brauch: Mit der Rauchpfanne zieht man durchs Haus und durch die Stallungen und über den Hof: Oftmals wird das „Räuchern“ dadurch ergänzt, dass man Weihwasser sprengt oder den Rosenkranz betet.

Das Kindlein in der Krippe – zum Kripperlschauen
Neben dem Christbaum ist auch die Weihnachtskrippe ein typisches Symbol des Weihnachtsfestes. Im SalzburgerLand erinnern die kleinen Herbergen eher an kleine Almhütten, die oft von begeisterten Bastlern in liebevoller Kleinarbeit erstellt werden. Viele sind echte Kunstwerke, die in der Adventszeit in den Kirchen besichtigt werden können.

„Frisch- und g’sund-Schlagen“
Das hauptsächlich im Lungau am Unschuldigen-Kindl-Tag (28.12.) übliche glückbringende Schlagen mit einer Birkenrute (auch Pisna-Gehen genannt) soll Segen bringen. Im Lungau heißt es hier zum Beispiel: “Frisch und g‘sund, frisch und g‘sund, a freudenreichs, glückseligs neues Jahr und a Christkindl mit an kraustn Haar. Nöt klusn (jammern) und nöt klagen, bis i wieder kimm z’ schlagen.”

Frautragen und Herbergsuche im Advent

Der Brauch des Frautragens gehört wie die Herbergssuche zu den Bräuchen der Ankündigung des Weihnachtsfestes. Die Gestalt Mariens in Erwartung oder ein Herbergsbild wird von Haus zu Haus getragen. Dort wird eine Andacht mit vorweihnachtlichen Gesängen und Gebeten abgehalten. Der Besuch des Frauenbildes bedeutet Schutz und Segen. Speziell im Pinzgau existieren noch viele private „Frauentafeln“, teils Originale aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

 


Veröffentlicht am: 04.12.2014

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