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29.05.2017

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: Morgenland

Da kommen die Weisen her

Das Morgenland steht derzeit nicht hoch im Kurs – zumindest bei einer ganzen Reihe von Deutschen. Die wollen das Abendland schützen, haben etwas gegen Menschen aus dem Morgenland – und das ausgerechnet in dieser Zeit.

In dieser Zeit etwas gegen Fremde zu haben und gleichzeitig zumindest in einigen Bundesländern gerade wegen drei Fremden frei zu haben, dass ist schon fast schizophren. Heute, am 3-Königstag, erinnern sich die Christen an die drei Weisen aus dem Morgenland(!), die das kleine Kind da in der Krippe in Bethlehem reich beschenkten.

Die drei, die da unterwegs waren, hießen Balthasar, Melchior und Caspar. Sie kamen aus dem Osten, möglicher Weise aus dem heutigen Iran oder aus Afghanistan. Ob es dort damals auch Kriege gab? Ob auch damals Menschen auf der Flucht waren? Ich weiß es nicht, aber unwahrscheinlich ist es nicht.

Was würden wir heute mit den dreien machen? Wahrscheinlich hätten sie einen Pass oder würden einen bekommen. Sie sind reich, verschenken sogar Gold, so will es zumindest die Legende. In der Bibel ist davon allerdings nichts zu lesen. Da tauchen die drei eher als Magier auf. Würden wir uns heute mit drei Magiern aus dem Iran oder Afghanistan abgeben? Sind das nicht vielleicht doch irgendwelche zwielichtigen Gestalten, die sich in unsere soziale Hängematte legen wollen?

Überhaupt, was wollen die drei? Einem Neugeborenen huldigen, das irgendwo in einem Stall liegt? Ein Kind, dass nicht von hier ist? Die wollen jemand huldigen, von dem gesagt wird, dass er einmal die Macht übernehmen wird? Das ginge uns entschieden zu weit. Womöglich gründen die noch eine eigene Partei, wollen das ganze System zum Wanken bringen, haben völlig neue Ideen. Da muss man einen Riegel vorschieben.

Und doch, die Christen machten die drei Gestalten zu Heiligen, die gerade am heutigen 6. Januar verehrt werden. Da werden also drei Männer angebetet, um Beistand angefleht, die wir heute nur ungern in unser Land lassen würden. Das ist schon mehr als komisch.

Komisch ist auch, dass gerade in Dresden so viele Menschen sich um das Abendland, um Deutschland sorgen machen. Dresden, dass ist doch die Stadt, in die so vielen Menschen reisen, um Kunstschätze zu bewundern. Und woher kommen die? Alle von deutschen Künstlern? Sicherlich nicht. Und die Deutschen, die zogen einst in den Süden – Kunst zu studieren, sich von Kunstwerken aus dem Orient inspirieren zu lassen. Was ist einer der Highlights der Dresdener Kunstsammlungen? Die türkische Kammer. Wollen die Bewahrer, die Beschützer des Abendlandes diesem Vorposten des Morgenlandes vielleicht gar nicht? Wollen die gar nicht, dass wir einen Knaben, einen jüdischen Knaben aus dem Morgenland, dass wir drei Weise, Könige oder Magier aus dem Morgenland anbeten? Wollen die gar nicht frei haben?

Wovor haben die da, wovor haben wir Angst? Vor Fremden? Wir Reiseweltmeister? Heißt es nicht in der heimlichen Sachsenhymne „Sing mein Sachse sing“, dass der Sachse das Reisen sehr liebt, dass er die ganze Welt beschnarchen will? Und nun kommen einige von den Besuchten her, wollen unseren Schutz und was machen wir? Haben Angst um das Abendland.

Eines verstehe ich allerdings wirklich: Das ist der Frust über die Politik. Die lässt die Menschen allein. Was ich nicht verstehe, sind Politiker, die sich immer ausländerfeindlicher benehmen – feindlicher als viele, vermutlich die meisten Demonstranten sind. Die wollen nämlich nicht mit Sprüchen abgefertigt und vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Die meinen nicht zu unrecht, sie seinen das Volk, der Souverän. Sie wollen gehört und gefragt werden. Wir sind das Volk, dieser Slogan hat einst die DDR-Führung das Fürchten gelehrt. Heute sollte diese Losung nicht Flüchtlinge und Zuwanderer, sondern wieder die Politiker das Fürchten lehren.

Ich gehe jetzt frühstücken.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück und allen, die heute frei haben einen schönen Feiertag.

 


Veröffentlicht am: 06.01.2015

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