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26.06.2017

 

 

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Aufgespießt: Meine Daten

... gehören wem?

(Helmut Harff / Chefredakteur) In der vergangenen Woche herrschte ja ziemliche Aufregung um die überarbeiteten Allgemeinen Geschäftsbedingungen - kurz AGB - von Facebook. Die machen es Google nach und sammeln viele Daten von jedem, der das Portal "betritt".

Das ist nichts wirklich neues und ich habe auch nicht von massenhaften Abmeldungen bei Facebook gehört. Es scheint also nur wenige und die Medien zu stören, dass private Firmen mehr von uns wissen als wir selber und die NSA zusammen.

Was hätten wir auch als Alternativen? Google von unsere Favoritenliste streichen, bei Facebook und Twitter abmelden, das Smartphone verschenken? Und dann? Briefe schreiben und unterwegs von der Telefonzelle aus telefonieren? Wie soll man die ohne entsprechende App finden? Man kann ja auch noch zur Not ins Internetcafé gehen. Gehen? In einer Großstadt ist das vielleicht noch möglich, aber auf dem flachen Land?

Klar, da steigt man ins Auto. Spätestens hier kann man Otto Waalkes zitieren: Hier sind sie wieder, meine drei Probleme. Das Hauptproblem ist, mein Auto sammelt Daten. Daran ist auf den ersten Blick nichts problematisches. Wie sonst soll ich etwas über meine Geschwindigkeit und meinen Spritverbrauch erfahren? Wie sonst sollen die Airbags im Notfall auslösen? Wie sonst sollen all meine schönen Fahrassistenten funktionieren? Wie sonst soll mir mein Auto sagen, dass meine Bremsscheiben erneuert, mein Ölfilter gewechselt werden muss?

So weit, so toll: Doch mein Auto sammelt weit mehr Daten, Daten über meinen Fahrstil, über meine Fahrrouten, über meine Park- und Fahrzeiten, über meine Fahrziele. Mein Auto weiß, dass ich an einer Telefonzelle, an einem Internetcafé gehalten habe und wie lange. Mein Auto weiß auch, ob ich allein gefahren bin, ob ich überhaupt selber gefahren bin. Es weiß sogar, ob ich zu- oder abgenommen habe.

Na und, mir doch egal, weiß mein Auto das eben. Wen stört es? Sie nicht? Habe ich nicht erwähnt, dass diese Daten alle vom Hersteller immer und überall abgerufen werden können? Habe ich nicht erwähnt, dass der damit machen kann, was er will? Habe ich nicht erwähnt, dass viele Marktteilnehmer - Versicherungen, Werkstätten, Reiseveranstalter, Zubehöranbieter, Tankstellen, Automobilverbände und, und, und - an diesen Daten ein riesiges Interesse haben? Habe ich nicht erwähnt, dass Juristen, die nicht von den Autoherstellern bezahlt werden, der Ansicht sind, dass all diese Daten nur einem gehören: Ihnen.

Das ist ihnen immer noch ziemlich egal? Auch dann noch, wenn ich noch einmal daran erinnere, dass die Daten bares Geld wert sind? Ach so, nun sieht es doch etwas anders aus. Das meinten auch die Teilnehmer einer Diskussionsrunde, eingeladen vom Goslar-Institut. Das der HUK-Coburg nahestehende Institut lud Wissenschaftler, Lobbyisten und Juristen zu einer Podiumsdiskussion unter Leitung von Carola Ferstl ein. Im Zuschauerraum nahmen unter anderem zahlreiche Journalisten Platz. Ziemlich einig waren sich die Diskutanten, dass die Daten nicht den Autobauern, sondern dem Autobesitzer gehören. Wenn das so ist, könnte der Besitzer - also Sie und ich - genau diese Daten Interessenten nach unsere Wahl zur Verfügung stellen. Dass wir dafür eine Gegenleistung einfordern, versteht sich von selbst.

Wenn man den Gedanken weiter spinnt, dann könnte man mit dem Verkauf von Daten - gesammelt von wem auch immer - viel Geld verdienen. Das machen jetzt andere. Google, Facebook und Co. stellen uns ihre Leistungen wenigstens umsonst zur Verfügung. Dafür überlassen wir ihnen unsere Daten. Ein schlechter Tausch, der mich daran erinnert, wie die weißen Eroberer bei den Indianern Gold gegen kleine Spiegel oder Glasperlen eintauschten. Womit soll ich dann aber die Autobauer vergleichen? Wissen Sie was, das überlasse ich Ihnen.

Ich möchte nur nicht den Autobauern meine Daten ohne jede Gegenleistungen überlassen. Man kann übrigens den Datenräubern ein Schnippchen schlagen. Oldtimer kommen ohne all den modernen Schickschnack aus. Wo keine Daten erhoben werden, können keine gesammelt und verwertet werden.

Wer das nicht möchte, sollte sich beim Autokauf genau durchlesen, was er da alles an Papieren unterschreibt. Wenn genug von den Verkäufern ein Äquivalent für die Datennutzung fordern, werden über kurz oder lang die Autobauer darauf spätestens dann reagieren, wenn der erste eingeknickt ist.

 


Veröffentlicht am: 02.02.2015

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