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Smog in Megacitys

Stadtbesuche kurz halten und körperliche Anstrengung meiden

Eine schnell wachsende Industrie, massives Verkehrsaufkommen, Müllverbrennung und Heizungsabgase aus Millionen von Haushalten – die Entwicklung vieler Metropolen vor allem in Asien raubt ihren Einwohnern die Luft zum Atmen. Mit ernsten Folgen für die Gesundheit: Herz- und Lungenkrankheiten und Schlaganfälle nehmen durch die Luftverschmutzung mit Feinstaub und Schadstoffen wie Schwefeldioxid, Kohlenstoffmonoxid und Ozon deutlich zu.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass allein im Jahr 2012 die Verschmutzung der Außenluft weltweit rund 3,7 Millionen vorzeitiger Todesfälle verursacht hat. Auch für Reisende stellt die Luftverschmutzung in Megacitys ein gesundheitliches Risiko dar. Was sie bei Reisen beachten sollten, ist ein Thema des 16. Forums Reisen und Gesundheit des CRM Centrum für Reisemedizin, das am 6. und 7. März 2015 in Berlin stattfindet.

„Bei kurzfristigen Aufenthalten in Regionen mit massivem Smog sind besonders jene Menschen gefährdet, die bereits an einer chronisches Lungen- oder Herz-Kreislauferkrankungen leiden“, sagt Dr. med. Axel Telzerow vom Reisemedizinischen Zentrum der B.A.D. Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH in Frankfurt. Gleiches gilt für Schwangere und kleine Kinder. Sie sollten nur kurze Stadtaufenthalte einplanen, sich vor allem im Freien nicht körperlich anstrengen und oft in Innenräumen aufhalten. Wichtig ist auch, ein Hotel zu wählen, dass über hochwertige Klimaanlagen mit Filterfunktion verfügt. „Bei längeren Aufenthalten, etwa im Rahmen von Berufsreisen, steigt auch bei gesunden Menschen das Risiko, Herz- und Lungenkrankheiten zu entwickeln.“ Deshalb sollten körperliche Anstrengungen, wie Sport im Freien, vermieden werden. Rauchen belastet die Lungen noch zusätzlich und sollte ebenfalls möglichst unterbleiben. „In Zeiten extremen Smogs greifen auch Einheimische oft zu Atemschutzmasken“, so Telzerow. Dies sei bei deutlicher Feinstaubbelastung auch für Reisende zu empfehlen. „Sie sollten dabei unbedingt darauf achten, partikelfilternde Atemschutzmasken nach der Europäischen Norm EN 149 zu verwenden und nicht etwa einfache Hygienemasken– letztere sind gegen Feinstaub nutzlos.“

Bei Feinstaub handelt es sich um kleinste Partikel in der Luft, die vor allem durch Abgase und Industriemissionen, aber auch durch natürliche Prozesse wie Bodenerosion in die Luft gelangen. Unterschieden wird zwischen Feinstaub mit Partikeln bis maximal 10 Mikrometer (PM 10) und ultrafeinem Feinstaub, bei dem die meisten Partikel kleiner als 2,5 Mikrometer sind (PM 2,5).

Wegen der gesundheitlichen Risiken des Einatmens von Feinstaub gibt die WHO Grenzwerte vor. So liegt der Grenzwert für Feinstaub PM10 bei 20 µm/m³ im Jahresmittel. Eine Zusammenstellung der WHO zeigt, dass diese Grenzwerte in vielen Städten der Welt regelmäßig um ein Vielfaches überschritten werden. Besonders betroffen sind Ballungsräume in China, der Mongolei, Indien, Brasilien sowie in einigen Ländern des Nahen Ostens und Afrikas. Im Zeitraum 2008 bis 2012 lagen die Jahresmittelwerte in Dehli bei 280 µm/m³, in Peking bei 125 µm/m³ und in Abu Dhabi bei 170 µm/m³. Zum Vergleich: In europäischen Städten wie Rom und Warschau lag der Jahresmittelwert bei etwa 35 bis 40 µm/m³.

„Die negativen gesundheitlichen Folgen durch Feinstaubbelastung ist durch eine Vielzahl von Studien belegt“, sagt Telzerow. „Je kleiner die Partikel sind, desto gefährlicher. Während größere Partikel in Nase und Rachen hängenbleiben, dringen ultrafeine Partikel tief in das Lungengewebe ein und gelangen bis in die Blutbahn. Sie lösen Entzündungsprozesse in den Lungen aus, beeinflussen die Blutgerinnung und die Regulierungsfunktion des vegetativen Nervensystems.“ Die gesundheitlichen Folgen reichen von lokalen Reizungen der Schleimhäute, Atemwege und Bronchen bis hin zu Herzinfarkten, Schlaganfällen und Lungenkrebs. Einige Studien sehen sogar einen Zusammenhang zwischen Feinstaubbelastung und der Störungen der kognitiven Wahrnehmung sowie der Entwicklung einer Demenz. Der Grund: Ultrafeine Partikel könnten durch die Nase über die Bluthirnschranke hinweg bis ins Gehirn gelangen und es schädigen.

Die gesundheitlichen Risiken, die für Reisende von Luftverschmutzung und Smog ausgehen, ist ein Thema des 16. Forums Reisen und Gesundheit, das am 6. und 7. März 2015 im Rahmen der ITB Berlin stattfindet. Diese reisemedizinische Fortbildung richtet sich an Ärzte und Apotheker und thematisiert in diesem Jahr die Gesundheitsvorbereitung bei Reisen nach Asien.

Weitere Informationen unter www.crm.de/itb2015/index.html

Literatur:
www.who.int/topics/air_pollution/en/
www.who.int/phe/health_topics/outdoorair/databases/AAP_database_results_2014.pdf
www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe/feinstaub
www.who.int/mediacentre/news/releases/2014/air-pollution/en/

Foto: Christoph S. / pixelio.de

 


Veröffentlicht am: 07.03.2015

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