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Morgengruß von Helmut Harff: 25-Stundenwoche

... für alle fordert Esther Vilar

Gestern lauschte ich wieder einmal erstaunt, ja schon fast erschrocken und andächtig zugleich einem Gespräch auf Deutschland Radio Kultur. Die Gesprächspartnerin war die deutsch-argentinische Schriftstellerin Esther Vilar.

Wem jetzt ihr zumindest hierzulande bekanntestes Buch "Der dressierte Mann" und der legendäre, gerade noch verbale Schlagabtausch mit der Radikal-Feministin Alice Schwarzer in den Sinn kommt, liegt richtig. Das war, wenn ich mich richtig erinnere irgendwann in den 70ger Jahren.

Die 1935 geborene Autorin hat auch heute noch viel zusagen und vor allem zukunftsweisende Ideen. Eine ist die der 25-Stundenwoche. Sie meint wirklich eine 25-Stundenwoche - aber für alle. Für alle Männer und Frauen, die arbeitsfähig sind. Sie will, dass alle Menschen einer bezahlten Arbeit nachgehen.

Esther Vilar ist sich sicher - und ich auch - dass so eine Arbeitszeitregelung allen, Männern wie Frauen, zugute kommt. Die Männer hätten endlich mehr Zeit, mehr Zeit für sich, mehr Zeit für die Kinder, für die Familie. Die Kinder hätten endlich was von ihren Vätern, was auch ungekehrt gilt.

Frauen, so die streitbare Autorin, würden ebenfalls profitieren. Sie würden alle eigenes Geld verdienen und so weniger abhängig  sein. Das sind sicherlich Ideen, der eine große Mehrheit folgen können. Doch die fast achtzig Jährige, die nach eigener Aussage selber nie länger als fünf Stunden am Tag arbeitet, geht noch einen deutlichen Schritt weiter. Sie meint, dass ein Fünf-Stunden-Arbeitstag auch dazu führt, dass wir nicht so früh ausgebrannt sind. Die Konsequenz: Wir müssen nicht mit 60 oder 65 in den Ruhstand abtreten. Wir können so bis 70, bis 80 arbeiten.

Nun höre ich schon wieder den Einwand, dass man mit 70 weder auf dem Bau malochen noch als Altenpflegerin arbeiten kann. Stimmt! Doch wo ist das Problem? Es regt sich doch auch niemand darüber auf, dass man nicht mit 25 Chefarzt, Bundeskanzler, VW-Chef oder Polizeipräsident werden kann. Um solche Jobs auszuüben, muss man verschiedene Dinge gemacht haben. Man muss lernen, Erfahrungen sammeln, die Karriereleiter erklimmen. Auch wer als Maurer oder als Krankenschwester arbeitet, muss sich die entsprechenden Fähigkeiten  aneignen.

Für junge und Menschen im mittleren Alter ist das selbstverständlich. Warum soll das nicht auch für ältere Menschen - immer dem Alter angepasst - nicht selbstverständlich sein. Viele Jobs, die wir gern unter dem Oberbegriff "brotlose Kunst" zusammenfassen, könnten ältere, erfahrene Menschen ausüben. Ich denke da an Tätigkeiten in Bibliotheken, in Museen, in Archiven, in den Geisteswissenschaften oder anderen eher geistig und weniger körperlich anstrengenden Job. Wenn dazu eine Ausbildung notwendig ist, muss die von der Gesellschaft bezahlt werden.

Ich bin überzeugt davon, dass die Idee von Ester Vilar wirklich eine ist, die unsere Gesellschaft revolutionären kann. Wir alle müssen nur den Mut haben, uns sofort an ihre Umsetzung zu machen. Wobei, nur fünf Stunden am Tag arbeiten? Bloß gut, dass ich nicht arbeite, sondern meinem Hobby nachgehe.

Da fällt mir ein, dass meine Brötchenverkäuferin die Idee von Esther Vilar schon umgesetzt hat. Die Seniorchefin der Bäckerei steht nur noch am Vormittag im Laden. Das macht ihr auch noch mit fast 70 spaß, erklärte sie mir unlängst. Sie braucht den Kontakt zu ihren Kunden.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Frühstück und bald eine 25-Stunden-Woche.

 


Veröffentlicht am: 11.03.2015

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