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Morgengruß: Tod

Sag mir wo die Männer sind

Einst fragte Marlene Dietrich im Lied "Sag mir, wo die Blumen sind" auch, wo die Männer sind. Im Lied sind die Männer gefragt, die in den Krieg zogen. Das tun deutsche Männer gerade relativ selten - und das ist gut so.

Und doch, beklagen wir den Abgang vieler prominenter Männer auch in diesem Jahr. Ich denke hier unter anderem an Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, an Schlagerbarde Demis Roussos, an Regisseur Helmut Dietl, an Stadel-Moderator Karl Moik, an Trainerlegende Udo Lattek, an den ehemaligen "Aktenzeichen XY... ungelöst"-Moderator Konrad Tönz oder an Literaturkritiker Fritz J. Raddatz.

Und nun Günter Grass. Wieder verstarb ein großer Deutscher, ein Nobelpreisträger, einer der sich einmischte, der polarisierte, der trotz einer nicht weißen Weste so etwas wie eine moralische Instanz war.

Immer wenn einer dieser prominenten Männer stirbt, heißt es auch, dass er eine Lücke hinterlässt, die nicht oder nur schwer zu schließen sein wird. Das war im vergangenen Jahr bei Karlheinz Böhm, bei Peter Scholl-Latour und bei Siegfried Lenz genauso wie bei Ralph Giordano. Ja, die Männer werden Lücken hinterlassen. Man  vermisst sie und sie hinterlassen gewaltige Fußabdrücke, in die kaum ein anderer je hineinpassen wird.

Doch ist es nötig, dass jemand in die Fußstapfen eines Günter Grass passt? Wer hat eine Biographie wie der Künstler? Wer will heute so eine Biographie haben? Wozu soll es einen Nachfolger von Grass geben?

Ich glaube, dass alle, die im Versterben von Prominenten, von wichtigen, von einflussreichen alten Männern eine Krise des Abendlandes sehen, lieber zurück als nach vorn blicken. Es gab und gibt hervorragende Musik nach Mozart, Bach und Beethoven. Die Kunst stagnierte nicht nach Rubens, Friedrich oder van Gogh. Ja, die Musik wurde anders, die Maler fanden andere Stile, andere Ausdrucksmöglichkeiten.

Wie anders sollte es auch sonst sein. Was wäre, wenn heute noch alle Musik im Stil der Altvorderen komponierten, wenn alle noch so malen würden, wie vor Jahrhunderten, wenn alle schrieben wie Goethe und Schiller. Wie wäre es, wenn jemand heute Fußballmannschaften trainiert wie einst Udo Lattek oder "Aktenzeichen XY... ungelöst" so moderiert würde, wie es Konrad Tönz einst tat.

Ich höre gerade einen Kommentar, in dem es heißt, dass Grass schon zu Lebzeiten  "wie aus der Zeit gefallen" wirkte. Keine schöne Abschiedsrede, aber so ist nun einmal das Leben. Wir behalten die Männer und ihre Leistungen in Erinnerung. Sie sind - mit all ihren Macken und biografischen Brüchen - Vorbilder, Menschen, die ihre Zeit mit prägten, die etwas zu sagen, etwas zu geben hatten.

Doch all diese Männer lebten in ihrer Zeit. Heute gibt es ebenfalls Männer, die sich einmischen, die etwas zu sagen haben, die ihre Zeit prägen. Manchmal nehmen wir die schon so wahr, manchmal ignorieren wir sie noch. Die Männer von heute, dass sind keine wie Grass. Sie sind anders. Wie sollten sie auch sonst sein.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück. Dann werde ich mir ein Roman von Grass besorgen. Ich habe da noch einige Bildungslücken.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Greifen Sie doch auch wieder zum Buch. Es muss ja nicht Grass sein.

 


Veröffentlicht am: 14.04.2015

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