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Morgengruß von Helmut Harff: Reden

... und zuhören

Wahrscheinlich haben Sie die Abschiedsrede des Fraktionsvorsitzenden der Linken, Gregor Gysi, auf dem Linken-Parteitag nicht gehört. Eigentlich schade, denn die Rede war - wie bei Gysi nicht anders zu erwarten - rhetorisch brillant, war so gesehen ein Genuss.

Der Frontmann der Linken forderte seine Genossen auf zu reden - miteinander, mit den parteiinternen und den politischen Gegnern, aber auch mit allen Menschen. Recht hat der Mann, den man nicht nur in der eigenen Partei, sondern auch sonst als Redner schätzt. Seine Waffe ist das Wort, das gesprochene Wort. Deshalb hören ihm auch Menschen zu, die die Linke eher verdammen, deshalb ist Gysi ein so gern gesehener Gast in Talkshows.

Reden, reden zu können, mit dem Wort umgehen zu können, das ist wohl die wichtigste Eigenschaft, die uns von Tieren unterscheidet. Egal, ob man seinen Hund versteht oder ein Pferdeflüsterer ist - all diese Kommunikation läuft nonverbal ab. Wir dagegen können reden, können das was uns bewegt, in Wort fassen. Das macht uns einmalig.

Wenn wir reden, so lange wir reden, können wir uns nur sehr schwer an die Gurgel gehen. Wer redet, wer mit seinem Gegenüber wirklich das Gespräch sucht, wer zuhört, der kann den anderen nicht töten. Getötet wird immer erst dann, wenn man nicht mehr miteinander spricht, nicht mehr redet.

Das gilt nicht nur für die große Politik. Reden ist auch immer die bessere Alternative im Job, im Verein, in der Familie, in der Partnerschaft. Wenn wir mehr miteinander reden würden, hätten Anwälte, hätten Gerichte deutlich weniger zu tun. Wer miteinander redet, der sorgt dafür, dass es weniger Missverständnisse, weniger Irritationen, weniger Gerüchte und weniger Ärger gibt.

Reden, Reden halten, miteinander reden, zuhören - das ist uns nicht wirklich angeboren. Wir können als Baby nicht reden, maximal brabbeln. Das Reden, den Umgang mit dem Wort, müssen wir mühsam lernen. Es ist allerdings eine der wichtigsten Fähigkeiten, die wir in unserem Leben erlernen. Wir tun es unbewusst, kommen zumeist überhaupt nicht auf die Idee, reden, aber auch zuhören zu lernen.

Learning by doing  - Lernen durch Handeln - ist zumeist unsere Weg. So ging es mir auch. Ich war noch keine zwanzig Jahre, als ich vor mehreren hundert Menschen meine erste große Rede hielt. Ich habe die nie gehört und das ist auch gut so. Sonst hätte ich mich wahrscheinlich nie wieder getraut, in der Öffentlichkeit den Mund aufzumachen.

Damals musste ich reden und die anderen zuhören. Diese Konstellation finde ich noch heute die bessere. Zuhören ist - davon bin ich überzeugt - noch schwieriger als Reden. Vielleicht hat deshalb Gregor Gysi von seinen Genossen nur gefordert zu reden. Eigentlich hätte er seine Forderung um den Passus "... und zuzuhören" erweitern müssen. Reden und Zuhören, das sind zwei Seiten einer Medaille, die untrennbar zusammen gehören. Um so verwunderlicher ist es, dass man überall das Reden erlernen kann. Von Zuhör-Seminaren habe ich noch nie gehört. Vielleicht passen dazu auch Banken-Werbesolgans wie "Reden Sie mit uns" oder "Die Bank, mit der man reden kann"?  Wie wäre es einmal mit "Die Bank, die Ihnen zuhört"? Wie wäre es mit einem Wahlslogan: "Wir reden nicht nur, wir hören zu"?

Nun habe ich genug geredet, jetzt gibt es Frühstück.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Sonntagsfrühstück. Reden Sie miteinander - und das Zuhören nicht vergessen.

 


Veröffentlicht am: 14.06.2015

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