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Morgengruß von Helmut Harff: Gangster

... gefürchtet und bewundert

Über den Bildschirm flimmerte gestern Abend der ZDF-Klassiker "Aktenzeichen XY ungelöst". Da ging es um Mord, um Vergewaltigung, um einen Mitmenschen, der nicht wegschaute und um eine Bande, die Banken überfällt.

Erschüttert ist man, wenn es darum geht, dass eine junge Frau ermordet wird. Dem Mann, der mit seinem Einschreiten verhindert, dass eine Dreizehnjährige vergewaltigt wird, möchte man die Hand schütteln. Und dann sind da noch die Bankräuber. Bei denen rutschte mir ein "clever" raus. Ja, irgendwie fand ich die Bande clever. Die betroffenen Bankmitarbeiter sehen das sicherlich völlig anders.

Irgendwie schämte ich mich auch für meinen Gedanken - aber auch nur ein bisschen. Ich überlegte, was mich da irgendwie faszinierte. War es der verwegene Plan, die Ruhe, die Abgezocktheit? War es die Tatsache, dass man "nur" die Bank schädigte? So richtig weiß ich es nicht. Ich überlegte dann auch, warum mich die Bankräuber so beeindruckten, andere Kriminelle nicht? Schulterzucken war meine Antwort.

Doch ich glaube, ich bin mit meiner Faszination für das Kriminelle, für Gangster nicht allein. Das zeigen die Einschaltquoten bei Krimis im Fernsehen, das zeigt die Anzahl der verkauften Kriminalromane. Viele Kriminelle haben bis heute den Status von Popstars, obwohl sie seit langem tot sind. Man denke nur an den Hauptmann von Köpenick, an Jack the Ripper, Bonnie und Clyde, Al Capone oder Zug-Bankräuber Ronald Biggs, aber auch an den noch lebenden Kaufhauserpresser Dagobert.

Sie sind, Ronald Biggs, Dagobert und den Hauptmann von Köpenick mal ausgenommen, Mörder, haben Blut an ihren Händen. Und sie sind so bekannt wie heute lebende Popstars oder Weltklasse-Fußballer. Klar, daran sind auch viele Filme schuld, in denen ihr Leben manchmal sogar glorifiziert wird. Und doch, solche Verbrecher, die der Polizei immer wieder entkamen, die immer wieder mit ihren kriminellen Machenschaften Erfolg hatten, faszinieren immer wieder. Das gilt für diese realen Figuren genau wie für fiktive.

Was merkwürdig ist: Wir kennen alle diese Gangster, ihre Opfer kennt niemand. Oder fällt Ihnen ein, wen Jack the Ripper ermordet hat, wer im Kugelhagel von Bonnie und Clyde starb? Mir jedenfalls nicht.

Und auch hier frage ich mich, warum das so ist? Leben da Menschen die dunkele Seite des Lebens aus, über die ich auch verfüge? Machen sie, was ich mir manchmal im Geheimen wünsche, aber Gott sei Dank nie trauen würde? Wer hat nicht schon mal daran gedacht, etwas kriminelles zu tun - wohlgemeint daran gedacht. Und dann gibt es da skrupellose Menschen, die auf jede Moral, jedes gesunde Rechtsempfinden pfeifen und tun, was wir kaum zu denken, nicht auszusprechen wagen.

Heute sind es nicht die intelligenten oder die brutalen Kriminellen, die faszinieren. Im Fernsehen, im Buch sind es heute die Ermittler, die sich um unsere Sympathien bemühen. Schaffen sie das nicht, sind die Einschaltquoten und Verkaufszahlen ganz schnell im Keller. Und doch hat das Verbrechen nichts - zumindest nicht viel - von seiner Faszination eingebüßt. Allerdings sind wir froh, wenn die Ermittler diese doch irgendwann dingfest machen und wir bis dahin nicht in ihr Visier geraten sind.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück und hoffe, dass Sie nie Opfer einer Straftat werden.

 


Veröffentlicht am: 25.06.2015

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