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22.10.2017

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: Ökologisch

Mode muss heute vor allem eines sein: ökologisch einwandfrei

In der gerade zuende gegangenen Modewoche in Berlin stand Mode mit dem Aufdruck ökologisch ganz vorn in der Aufmerksamkeit von Messebesuchern und Presse.

Doch was ist ökologische Mode? So richtig kann einem das niemand sagen. Für die einen ist es sogenannte vegane Mode, für andere solche aus Recyclingmaterial. Mal besteht Öko-Mode aus fair produzierten Rohstoffen, mal muss sich das gesamte Produkt mit dem "fair"-Titel schmücken dürfen.

Grenzt es nicht schon an Etikettenschwindel, wenn jemand für Anzüge aus Leinen und Baumwolle mit dem Titel "vegan" wirbt? Was sonst soll Kleidung aus solchen Materialien sein, als frei von tierischen Produkten? Doch reicht das aus? Gibt es bald auch vegan eingerichtete Läden? Übrigens: Vegane Leinenanzüge sind keine Idee oder Erfindung des 21. Jahrhunderts. Den trug bereits zur Freude vieler Frauen und von uns unzulänglich kopiert US-Schauspieler Don Johnson in der Kult-Serie Miami Vice. Damals störte es allerdings niemand, dass der Anzug immer verknittert war. Das war ja genau das, was wir damals liebten. Heute nun will man den knitterfreien Wollstoffen möglichst nahe kommen. Na, es gibt ja auch Veganer, die brauchen Wurst aus irgendwelchen fleischfernen Zutaten.

Dann sind da die Hersteller, die sich gern alten Dingen bedienen. Da werden frei von jedem ökologischem Denken hergestellte Jeans in ihre Bestandteile zerlegt um dann neue Beinkleider daraus zu produzieren. Ob die Chemie aus den alten Jeans dabei dem Stoff entzogen wird, kommuniziert man lieber nicht. Allergiker sollten hier aufmerksam nachfragen.

Öko-Mode und Pelz - auch das scheint möglich. Man muss nur den alten Pelzmantel zerlegen und seine Einzelteile neu vernähen. Bleibt damit nicht Pelz immer noch Pelz? Mussten dafür nicht Tiere sterben? Wieso ist ein neu zusammengenähter Pelz besser, als ein Pelzmantel, der 40 Jahre getragen wird? Ich habe hier ein Problem mit dem Aufdruck "Öko" und mit der Ablehnung von Pelzmänteln.

Dann gibt es die Hersteller, die beispielsweise alte PET-Flaschen so umarbeiten lassen, dass sich daraus beispielsweise Unterhosen produzieren lassen. Das finde ich schon besser, denn diese Flaschen lassen sich nur sehr schwer aus der Welt schaffen. Bevor das Zeug die Meere und afrikanische Straßenränder verunreinigt, tragen wir sie lieber als Unterhose.

Die wenigen Beispiele, alle im Greenshowroom am Berliner Postbahnhof angetroffen, zeigen, dass Öko-Mode  nicht gleich Öko-Mode ist. Ganz kritisch wird es, wenn man die so fortschrittlichen und tierfreundlichen Modemacher nach ihren Umgang mit den Menschen fragt. Sind die Arbeitsbedingungen für die Angestellten hierzulande besser als in anderen Büros oder Läden? Bekommen die Angestellten mehr Lohn als Tarifverträge vorschreiben? Gibt es bessere Sozialleistungen? Wir wollen - und das völlig zu Recht - dass die Frauen an den Nähmaschinen in Indien, in Vietnam, in der Türkei und Portugal angemessen bezahlt werden und die Arbeitsbedingungen zumindest menschenwürdig sind. Wieso fordern wir das nicht auch für die nette Verkäuferin in der veganen Boutique ein?

Wenn man so sensibel ist, wenn man so politisch korrekt ist, warum schickt man dann Mager-Models auf den Laufsteg? Wer wie auch immer etwas für die Umwelt tun will, wer an die Menschen in fernen Ländern denkt, darf die Menschen hier nicht vergessen. Öko-Mode beginnt nicht auf den Baumwollfeldern in Ägypten oder in den Nähereien in Bangladesh. Sie beginnt hier, im eigenen Geschäft, in der eigenen Firmenzentrale und bei den engagierten Models. Darauf müssen wir zukünftig mehr achten.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück - mit veganen Roggenbrötchen, selbst gekochter Erdbeermarmelade und Bergkäse. O.k., darin hat tierisches noch nie etwas zu suchen gehabt. Aber vegan klingt nun mal sehr progressiv und modern.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Sonntags-Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 12.07.2015

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