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Morgengruß von Helmut Harff: Dienstag, 2. Oktober

Ein Versuch, sich zu erinnern...

(Helmut Harff/Chefredakteur) Nein, ich habe noch kein Alzheimer, ich hatte auch beim Blick auf den Kalender die Brille auf und der Restalkohol in meinem Blut tendiert gegen Null. Ich weiß, das heute Freitag der 2. Oktober ist.

Doch um den geht es mir gar nicht - oder nur mittelbar. Ich habe mich heute früh im Bad versucht zu erinnern, wie das vor 25 Jahren war. Erinnern ist ja aktuell gerade groß in Mode. Überall wird sich erinnert. Man wird vor lauter Erinnerung schon ganz besoffen. Mir schient, unsere Erinnerungskultur ist wesentlich ausgeprägter, als unsere Willkommenskultur. Das wäre ja auch kein Wunder bei einer überalterten Gesellschaft. Schließlich beginnt bei alten Menschen nahezu jeder zweite Satz mit "Weißt Du noch...". Man weiß ja auch, dass im Alter das Langzeitgedächtnis besser als das Kurzzeitgedächtnis funktioniert.

Und nun ich! Mit meinem Langzeitgedächtnis ist das so eine Sache. Ich kann mich an den 2. Oktober 1990 kaum noch erinnern. Ich weiß nicht mehr, was ich an dem Tag genau gemacht habe, der mein letzter als DDR-Bürger war. Vielleicht ist das ja ein guten Zeichen, dann bin ich noch weit von Alzheimer entfernt. Vielleicht ist es aber auch nur eine andere Form dieser tückischen Krankheit.

Na, egal, ich versuche es dennoch - mich zu erinnern. Ich hatte auf jeden Fall noch meinen Job. Die Kirche war zumindest damals ein guter Arbeitgeber. Ich machte mit einigen Mitstreitern die wahrscheinlich kleinste Lokalzeitung Berlins. Sie hieß die "Die Neuen Friedrichshagener", erschien im Berliner Ortsteil Friedrichshagen, der am Müggelsee liegt und hatte eine verkaufte Auflage von 600 Exemplaren. Ja, wir waren schon marktwirtschaftlich angehaucht und verkauften unser Presseerzeugnis (ist das ein DDR-Wort?). Damals war das sooo einfach. Man brauchte kein Gewerbe - wer sollte auch eine Gewerbegenehmigung erteilen - und man musste auch keine Steuererklärung abgeben. Ich hoffe mal, dass das mit der Steuer schon verjährt ist. Ach, das war ja noch in der DDR, also kein Grund zur Besorgnis.

Der 2. Oktober 1990? Da war ich sicherlich in Westberlin - das hieß ja da noch so - und arbeitete schwarz. Eigentlich lustig: Vor der Mauer ging man von Ost nach West arbeiten und nach der Maueröffnung wieder. Nur das man im Gegensatz zu 1961 keine Mauer errichtete, sondern die DDR einfach abschaltetet.

Was war noch? Die D-Mark war längst alltäglich und ich hatte immer zuwenig davon. Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur das man nun den Euro hat. Ich war noch in der Politik tätig. Bündnis90/Die Grünen war damals meine politische Heimat. Allerdings ging es mir wie mit der DDR - die Partei und ich entfernten uns Tag für Tag etwas mehr. Ich bin nun mal kein Vereinsmensch und eine Partei ist für mich die schlimmste Form eines Vereins.

Und sonst? Ich war gerade etwas mehr als ein Jahr verheiratet, glücklich und voller Ideen. Ich hatte schon  meinem ersten Computer - einen von Philips für tausende von D-Mark. Damals war selbst ein Kredit kein Problem.
Irgendwie war in meiner Erinnerung damals alles etwas einfacher als heute. Vieles schien möglich - zumindest für mich und ich sprühte vor Ideen. Na, zumindest letzteres hat sich bis heute nicht geändert.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück und freue mich darüber, dass es längst wieder Brötchen gibt, die so schön sind, wie ich sie aus der DDR kenne. Manches war da eben besser - auch wenn es nur die Brötchen waren. Die gab es damals aber nur am frühen morgen.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Voran erinnern Sie sich, wenn es um den 2. Oktober 1990 geht?

 


Veröffentlicht am: 02.10.2015

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