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Morgengruß von Helmut Harff: Vorbei

Heute bin ich froh

(Helmut Harff/Chefredakteur) Heute bin ich froh - bis jetzt zumindest. Ich habe den ganzen Morgen noch nichts von dem ganzen Einheitsfeiergedöns gehört. Noch niemand hat versucht mir die DDR, einen Teil meines Lebens, zu erklären.

Wie ich gestern wieder einmal feststellen konnte, ist auch keiner auch nur annähernd in der Lage, die DDR so zu zeigen, wie ich sie, wie viele Millionen andere Menschen sie erlebt haben. Das geht auch nicht, denn wir haben sie alle ganz individuell erlebt. Es gab nie d e n DDR-Bürger. Der eine fühlte sich in dem Arbeiter- und Bauernstaat wohl, dem anderen stank die Diktatur, die meisten richteten sich ein, suchten ihr kleines oder auch großes Glück. Was auch sonst?

Will man das zeigen, zeigt man ganz normale Alltagssituationen. Das ist langweilig und damit nichts für spannende Beiträge in den Medien. Zumindest gibt es bisher niemand, der das kann. Die Stasi ist da schon besser. Hallo die Stasi? Die hat augenscheinlich überhaupt nichts gewusst, konnte die DDR nicht vor ihrem Untergang bewahren. Die DDR-Schlapphüte waren Versager, die sich an Dingen abarbeitete, die zwar viele DDR-Bürger in ihrem Leben beschädigten, die aber nicht wirklich etwas hinbekamen.

Und im Westen? Der kam gestern bei diesem ganzen Einheitsgerede gar nicht vor. Ich habe so gut wie nichts davon gehört, wie die Einheit für die Menschen in Deutschland West war. Ich habe keinen Film über die Deutsche Einheit gesehen, in der das Schicksal von Westmenschen nachgezeichnet wird. Ich habe auch nie etwas über das Treiben westdeutscher Geheimdienste gehört. Gab es die bei der Thematik deutsche Einheit nicht? Waren die nie aktiv wenn es um die DDR ging? Haben sich die westdeutschen Geheimdienste nie mit dem Feind im Osten, dem Vasallenstaat der Sowjetunion, dem Staat mit Schießbefehl gekümmert? Haben die Schlapphüte West nie Menschen geschadet, Menschen benutzt?

Quälte man sich gestern durch die Fernsehprogramme, konnte man zumindest zu dieser Erkenntnis kommen. Vielleicht haben die auch wirklich nichts gemacht, schließlich wurden sie augenscheinlich auch von der Entwicklung in der DDR, von der Maueröffnung auch überrascht, wenn nicht überrannt. Wann gibt es mal eine filmische Dokumentation, ein Buch oder sonst etwas über das Tun oder Nichttun des Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen?

Wie die DDR war, wie wir hier tickten, was möglich, was nicht möglich war, dass kenne ich aus eigenem Erleben. Doch wie war das im Westen. Den kannte ich bis 1989 nur aus den Medien. Doch war das Leben in Deutschland West so, wie es uns der RIAS, der SFB, die ARD und das ZDF geschildert haben? Gab es das Wirtschaftswunder für alle? Waren alle Studenten auf der Straße? Wollten alle freie Liebe? Wollten alle die Neue Deutsche Welle? Warum gibt es keine Filme über den Westen a la "Weissensee" oder "Good Bye Lenin"? War das Leben in Deutschland West so langweilig, dass man darüber keinen Film wie "Go Trabi Go" machen kann. Ich meine Filme, die jetzt, mit einem gewissen Abstand gedreht werden, nicht "Manta, Manta". Müssen wir den heute jungen Menschen nicht auch die Welt der Bundesbürger in den achtziger Jahren, in der Wendezeit aufzeigen. Vielleicht gibt es ja solche Filme. Gestern habe ich sie nicht gesehen.

Doch würde es sie geben, wären sie wahrscheinlich genauso schwarz-weiß gezeichnet, wie die Filme über die untergehende DDR. Irgendwie ist diese Erkenntnis ja auch beruhigend. Sie zeigt mir, dass wir Deutschen, egal wo wir wohnen, ganz normale Bürger sind, die ihr keines und Großes Glück suchen, denen der Staat auf den Senkel geht oder die sich in diesem System mit Haut und Haaren einbringen.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück - wie es gerade Millionen Menschen in Ost und West, in Nord und Süd machen.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück und einen schönen Sonntag.

 


Veröffentlicht am: 04.10.2015

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