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28.06.2017

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: 66. Jahrestag

Einige lassen die Sektkorken knallen...

Heute ist der 66. Jahrestag. Wo von? Entweder Sie stammen aus den alten Bundesländer, haben ein sehr schlechtes Gedächtnis oder genießen die Gnade der späten Geburt und haben in der Schule nicht aufgepasst. Ich meine den 66. Jahrestag der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik, dem ersten friedliebenden Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden.

Der letzte Satz hätte so auch in der Aktuellen Kamera, der Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens, fallen können. Da hätte man sich minutenlang über die Besucher zum Nationalfeiertag ausgelassen und die Erfolge, die im Rahmen des sozialistischen Wettbewerbs zu Ehren des 66. Jahrestages der Deutschen Demokratischen Republik von den Arbeitern und Bauern, von der Intelligenz und den bewaffneten Organen erbracht wurden, ausgelassen.

Sie sehen, die Berichte im Fernsehen, aber auch die in der gedruckten Presse, hätten sicherlich etwas anders ausgesehen, als das jetzt zum 25. Jahrestag der Vereinigung beider deutscher Staaten der Fall war. Wobei, das Pathos, die Selbstbeweihräucherung, das Schönreden, das konnte man damals und kann es heute. Sondersendungen, Übertragungen von Staatsakten und Berichte von Volksfesten – gab es damals und gibt es heute.

66 Jahre DDR? Wie sähe die heute aus? Will ich wirklich darüber nachdenken? Ein Entwicklungsland mitten in Europa? Hätten wir, wie damals in völlig anderem Zusammenhang von Egon Krenz – dem Generalsekretär der Sozialistisch Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzenden des Staatsrats der Deutschen Demokratischen Republik – vorgeschlagen, den chinesischen Weg beschritten oder wäre unser einziger Verbündeter auf der Welt Nordkorea? Alles nur Spekulationen, die einen mal lächeln, mal erschauern lassen.

Was wäre aus der Bundesrepublik Deutschland geworden, würde es die DDR noch geben? Wie hätte man im Westen die Wirtschaftskrise Ende der 1980er Jahre bewältigt? Hätte man den Soli Ost auch eingeführt – um beispielsweise die DDR bis zu ihrem 66. Geburtstag zu finanzieren? Was wäre mit Westberlin, der selbstständigen politischen Einheit, wie die Stadthälfte im Osten gern genannt wurde? Wäre sie auf dem Altar der Entspannung geopfert worden? Sicher bin ich mir da nicht.

Sicher bin ich mir, dass ich nicht zu denen gehöre, die heute noch der DDR nachtrauern. Ich will nicht in einer sozialistischen Wartegemeinschaft vor irgend einem Geschäft in der Schlange stehen, um irgendwelche knappe Ware zu ergattern. Ich will nicht auch noch mit 60 dann das 42igste Mal meinen Urlaub auf dem Balkan verbringen. Ich will mich auch nie mehr auf irgendwelchen Versammlungen langweilen, die man während der Arbeitszeit abhält, damit auch ja jeder teilnehmen muss.

Nun höre ich schon wieder den Einwand, dass ja nicht alles schlecht war in der DDR. Stimmt, nie ist immer alles nur schlecht. Doch ob ich etwas schlecht finde oder nicht, das möchte ich entscheiden dürfen. Ich möchte entscheiden, ob ich da leben möchte, wo für mich das Schlechte überwiegt. Ich möchte über meinen Lebensweg entscheiden. Ich möchte, dass meine Entwicklung nicht von meiner politischen Einstellung abhängig ist. Ich möchte, dass meine Person, meine Leistung zählt.

Ich weiß, dass das Dinge sind, die auch im vereinigten Deutschland noch längst nicht immer Realität sind. Doch wer sagt, dass in der Bundesrepublik Deutschland alles gut ist? Das ist längst nicht der Fall. Wieso sonst beschleicht mich immer wieder das Gefühl, die BRD sei vor 25 Jahren der DDR beigetreten und nicht umgekehrt. Dass man damit selbst unter glühensten Anhängern des Sozialismus nie gerechnet hat, zeigt allein die Tatsache, dass es in der DDR nie ein entsprechendes Wiedervereinigungsgesetz gegeben hat. Soviel Realitätssinn hat zumindest in der DDR geherrscht.

Ich mache mir jetzt mein treudeutsches Frühstück.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Frühstück und allen Nostalgikern einen guten Schluck Rotkäppchensekt.

 


Veröffentlicht am: 07.10.2015

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