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23.05.2017

 

 

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TheWorld@Home: China

Ein Zuhause zwischen gestern und morgen

Ein Land mit 14 Grenzen, 18 Klimazonen, 300 Sprachen und Dialekten. Ein Land mit 1,3 Milliarden Menschen, die alle ein Zuhause brauchen. Wer es sich leisten kann, hat sogar zwei: eines zum Repräsentieren und eines zum Sich-wohlfühlen.

Die gute Nachricht: Es gibt nichts was es nicht gibt auf dem chinesischen Wohnungsmarkt. Vom 250-qm-Loft im Luxussegment über die normale Mittelklassewohnung in Zentrumsnähe bis zum originellen Mini Flat mit Waschmaschine und Duschbad im Schlafzimmer. An den Rändern der Mega-Citys entstehen Städte von der Größe Kölns in Rekordzeit.

Chinesen sind Meister des Betons. Zwei bis drei Zimmer, Bad und Küche. Letztere entspricht dabei selten westlichem Standard. Für ein gutes Essen braucht der chinesische Koch einen Reiskocher, einen Wok, ein kleines Beil, ein paar Schalen und einen lebenslangen Vorrat an Essstäbchen. Suppe wird getrunken, Joghurt geschlürft. Die Einrichtung zwischen Luxus und Ikea richtet sich nach Geldbeutel und Bildungsstand. Unverzichtbar sind ein möglichst raumfüllender Kühlschrank, ein oder zwei Fernseher und mehr oder weniger geschmackvolle Deko-Objekte, am liebsten mit religiösem Bezug. Das Ideal chinesischer Interior Designer „möglichst wenig Möbel auf möglichst viel Raum“ lässt sich in den eher kleinen Wohnungen allerdings nur schwer verwirklichen.

Wer es sich leisten kann, baut nach dem Vorbild westlicher Architektur-Ikonen. Doch in den großen Räumen leben wollen Chinesen nicht wirklich – zu ungemütlich ist ihnen die über Jahrzehnte abtrainierte räumliche Weite. Man ist gewohnt, sich die Häuser mit mehreren Familien zu teilen, egal, ob es sich dabei um kleine, hölzerne Hütten in den selten gewordenen Altstadtgassen oder um von den Kolonialisten übernommenen Stadtvillen handelt.

Intimsphäre ist ein rares Gut. Reiche chinesische Bauherren geben repräsentative Wohnzimmer und Küchen in Auftrag, kochen und essen dann aber in einer zweiten, kleineren Küche. Trotz Wäschetrockner wird die Wäsche weiterhin lieber an der Luft getrocknet, weil Sonne hier für Gesundheit steht. Ganze Villen im Bauhausstil, umgeben von künstlichen Teichen, dienen nur zum Entertainment von Besuchern und mutieren zu allabendlich erleuchteten, aber unbelebten Museen. Dabei wird hier Kunstvolles im kleinen Maßstab bevorzugt – Preziosen, die sich in der modernen Architektur allzu schnell verlieren.

Das moderne Bild von China wird bestimmt von den Mega-Citys mit ihren Skylines und den gleißenden 24-Stunden Leuchtreklamen, vom Turbokapitalismus, der China in nur 30 Jahren vom Entwicklungsland an die zweite Stelle der Weltwirtschaftsnationen geboomt hat. Das China von heute ist zugleich Symbol seiner Widersprüchlichkeit. Im waldreichen Süden werden die letzten freilebenden Elefanten geschützt, in der Hauptstadt Peking leiden die Menschen am Smog. Mit insgesamt 48 Weltkulturerbe-Stätten steht China an 2. Stelle nach Italien, und um die Metropolen herum wird das Land durch das rasante Wachstum immer unfruchtbarer. Ein Programm, nach dem 1 Mio. neu gesetzte Bäume Schlimmeres verhindern sollen, läuft gerade an.

Und Veränderung ist überall. Auf der Design Week in Beijing zeigen bis zum 7. Oktober Chinas Kreative ihr Potential, Kultur und Kunst boomen, sogar grünes Gedankengut schlägt langsam Wurzeln in China. Der „Aufbau einer ökologischen Zivilisation“ ist erklärtes Ziel der Regierung.
Bei allem Fortschritt bleibt das Gefälle zwischen den Städten, wo Chinas Reichtum wohnt und auch produziert wird, und dem Land, wo Bildung und medizinische Versorgung lückenhaft sind, so groß, dass die Landflucht immens ist. In wenigen Jahren, so heißt es, werden 60 % aller Chinesen in den Städten leben. Hier jedoch ist Platz jetzt schon Mangelware. Das Leben in China ist hart und hektisch und weckt in vielen die Sehnsucht nach alten, vertrauten Strukturen. Deshalb hat die Wohnung als privater Rückzugsort auch hier eine ganz besondere Bedeutung.

Was macht dieses Leben auf der Überholspur mit den Menschen in China? Die scheinen unverändert fleißig, diszipliniert, höflich und auf Harmonie bedacht. Familie und das Miteinander in der Gemeinschaft bleiben wichtiger als der Einzelne. Die runden Tische in den Restaurants sind ein äußeres Zeichen dafür. Weil ein 14-Stunden-Tag in China für junge Chinesen eher die Regel ist, wird selten zuhause gekocht. Zudem haben die modernen Frauen gerade die Fron des lebenslangen Dienens - dem Vater, dem Mann, dem Sohn - abgestreift und wollen nicht zurück an den Herd. Anders als die Generation ihrer Mütter haben gebildete junge Chinesinnen heute Ansprüche: Eine Eigentumswohnung, ein Auto – vorzugsweise europäischer Marke – ein gutes Gehalt bei sicherem Posten, das sind die Mindeststandards für einen Heiratsantrag, der Chancen hat, erhört zu werden. Entscheidungen für ein Leben zu Zweit fallen nicht selten nach dem Vernunftprinzip. „Lieber unglücklich im BMW als fröhlich auf dem Fahrrad“, für Millionen Chinesen nach wie vor Beförderungsmittel No.1. 5000 Jahre strenges Patriachat bröckeln. Maßgeblich für die Frauenknappheit ist die Ein-Kind-Politik, die Ende der 70er Jahre die Bevölkerungsexplosion stoppen sollte. Heute wird diese Politik oft aus der Einsicht heraus praktiziert, dass man nur einem Kind eine gute Lebensgrundlage bieten kann. Kinder sind Hoffnung und Zukunft des Landes, sie werden geliebt, umsorgt, gefördert aber auch enorm gefordert, weil Bildung nun einmal der Schlüssel für das angestrebte bessere Leben ist. Und davon träumt ganz China, vom Wanderarbeiter bis zum mehrsprachigen IT-Spezialisten. Und wer es geschafft hat, zeigt das gerne ungeniert: Mein Mercedes, mein Loft, mein Auto! Ganz oben auf der Skala der Luxusgüter steht ein besonderes Autokennzeichen, welches das Befahren der weniger verkehrsreichen Highways gestattet. Hat man’s, hat man‘s auch geschafft.

Architektonisch ist China zwischen imposantem Hochhaus und Betonklotz auf der Suche nach einer eigenen Identität. Die klassische Architektur mit ihren Holzkonstruktionen, den geschwungenen Dachrändern und farbigen Verzierungen verschwindet. Neuen Wind verspricht eine junge, selbstbewusste Generation von Designern und Architekten wie dem Büro Neri&Hu. Lyndon Neri und Rossana Hu, die auf der letzten imm cologne gerade noch ihre Vision vom Wohnen in der Installation „Das Haus – Interiors on Stage“ eindrucksvoll in Szene setzten, stemmen sich dem Druck des nur um Schnelligkeit bemühten Baugeschäfts entgegen und suchen erfolgreich Nischen, in denen sie Alt und Neu auf ungeheuer reizvolle Art verknüpfen. Sie sind Vorreiter einer neuen kreativen Architektur- und Wohnkultur, die nicht nur eigene Wege findet, sondern auch dem Westen neue Impulse geben dürfte.

Ein Land voller Magie, Poesie, Wachstum und Widerspruch, das den alten Göttern noch Tribut zollt, obwohl die neuen schon das Sagen haben. Kein Ding auf der Welt ist vollkommen, heißt es bei Konfuzius. Ganz China arbeitet schwer daran, diesen Satz ihres großen Denkers zu widerlegen.

Fotos: koelmesse

 


Veröffentlicht am: 26.10.2015

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