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Morgengruß von Helmut Harff: Legenden

Eine starb, andere leben weiter

Eigentlich wollte ich heute nur einige Gedanken zum Martinstag tippen. Doch selbstverständlich kann ich am Tod von Helmut Schmidt nicht vorbei gehen.

Ich muss gestehen, dass ich lange kein Fan von Helmut Schmidt war. Ich gehörten zu denen, die Willy Brandt allen anderen bevorzugten. Helmut Schmidt war mir lange Zeit zu kontrolliert, zu hanseatisch-preußisch. Ich bewunderte allerdings immer seine rhetorischen Fähigkeiten. Wenn er sich mit Franz Josef Strauß fetzte, dann klebte ich am Radio. Erst später konnte ich mit dem etwas spröde wirkenden Altkanzler mehr anfangen und aus Respekt wurde dann doch wesentlich mehr. Mit Respekt ziehe ich den Hut vor einem Mann, den wir gerade jetzt, wo Macher von seinem Schlag gebraucht werden, so schmerzlich vermissen.

Trauer hin, Trauer her, heute ist Martinstag und wir hören sicherlich nicht nur einmal die Legende vom Heiligen Martin, der mit der Story in die Geschichte einging, dass er einem frierenden Bettler die Hälfte seines Mantels gab. Eigentlich ist es komisch, dass man mit so einer Geste bis heute populär bleiben kann. Warum gab er dem armen Kerl nicht seinen ganzen Mantel? Wieso war diese Tat überhaupt etwas besonderes? Der Sohn eines wohlhabenden römischen Militärtribuns hatte ganz sicher nicht nur einen Mantel in seinem Quartier. Wahrscheinlicher ist, dass er nach heutigen Begriffen ein Ankleidezimmer hatte.

Und doch wird der Heilige Martin bis heute als Helfer in der Not verehrt. Helfer in der Not werden immer gebraucht. Helfen ist ein Teil unseres Menschseins. Helfen, seine Habe, sein Essen, seine Zeit zu teilen, das ist etwas, was uns vom Tier unterscheidet, was uns überleben lässt. Das gilt für den der teilt und für den der davon profitiert.

Wie wichtig das Teilen ist, erleben wir, erleben die zu uns kommenden Flüchtlinge gerade dieser Tage. Doch ganz so einfach scheinen wir uns mit dem Helfen doch nicht zu tun. Wozu sonst brauchen wir Vorbilder wie den Heiligen Martin oder die Selig gesprochene Mutter Teresa? Tun wir uns doch mit dem Teilen schwerer, als wir uns eigentlich zugestehen möchten? Ich meine ja und das ist nicht schlimm.

Haben, Besitz anzuhäufen, Überschuss zu erwirtschaften, dass sind genauso alte - vielleicht sogar noch ältere - Eigenschaften von uns Menschen, wie das Helfen wollen. Wer mehr als der andere hat, soll etwas davon abgeben, das ist ein Grundbestandteil fast aller Religionen, es ist ein Grundbestandteil des menschlichen Miteinander. Doch wer abgibt, muss auch etwas zuvor erwirtschaftet haben, was er teilen kann. Haben und Teilen, das sind nur zwei Seiten ein und der selben Medaille.

Was wird heute noch so alles geteilt? Die Martinsgans! Sie hat mit dem heutigen 11.11. sogar noch mehr zu tun, als der heilige römische Soldat. Der Martinstag - so ist bei Wikipedia zu erfahren - ist der Tag am Beginn der vierzigtägigen Fastenzeit vor Weihnachten. Wie zu lesen ist, musste in früheren Zeiten der Tierbestand, der nicht durch den Winter gefüttert werden konnte, reduziert werden, vorhandene und nicht „Fastenzeit-taugliche“ Lebensmittel wie Fett, Schmalz und Eier mussten verbraucht werden. Am letzten Tag vor Beginn dieser Fastenzeit konnten die Menschen – analog zur Fastnacht – noch einmal schlemmen.

Ja, heute ist der 11.11. und damit auch Beginn der Karnevalszeit. Ob die Karnevalisten, die heute überall die Rathäuser stürmen angesichts des so vielfach notwendigen Teilens und Helfens wirklich dort die Regentschaft übernehmen wollen? Ich glaube nicht. Schließlich ist nicht jeder ein Macher wie Helmut Schmidt und teilt nicht so gern wie der Heilige Martin.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück, einen gesegneten Martinstag, guten Appetit beim Gänseessen und ein gutes Gefühl beim Teilen. Allen Karnevalisten wünsche ich eine tolle Zeit.

 


Veröffentlicht am: 11.11.2015

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