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Morgengruß von Helmut Harff: Geografie 6

Was machen die Deutschen eigentlich im Geografieunterricht?

Ich hatte in der Schule nicht so viele Lieblingsfächer. Alles was mit Formeln zu tun hatte, trieb mir den Angstschweiß auf die Stirn. Alle Fächer, in denen man viel reden konnte, liebte ich dagegen. Dazu gehörte auch Geografie oder Erdkunde, wie es in den ersten Klassen hieß.

Ich, ein Kind der DDR, träumte immer von fernen Ländern. Die meisten waren für mich weiter als die Rückseite des Mondes entfernt. Doch auf der Landkarte waren sie nur einen Finger breit entfernt.

Warum ich das erzähle? Weil ich immer wieder den Eindruck habe, dass die Deutschen - sie sollen ja Reiseweltmeister sein - auf ihrem Zeugnis augenscheinlich beim Fach Geografie eine "6" zu stehen hatten. Anders kann ich mir die geografische Unkenntnis so vieler Landsleute nicht erklären. Ich war ja gerade in Kiew, der ukrainischen Hauptstadt. Ich wurde zuvor gewarnt, ja eindringlich gebeten, nicht in die Ukraine zu reisen. Da gäbe es schließlich Krieg. Wie ich dann von Kollegen und Touristikern auf der Reise erfuhr, ging das nicht nur mir so. Auch viele Menschen verschieben ihre Reisen nach Kiew oder in die West-Ukraine mit Hinweis auf den Krieg mehrere hundert Kilometer im Osten. Ach ja, von Kiew nach Donezk sind es 700 Kilometer mit dem Auto.

Ähnlich war das beim Thema Ebola und Afrika. Man fuhr weder nach Ägypten oder Südafrika. In Afrika herrsche schließlich Ebola und der Tod droht jedem, der da hinfährt. Fahren die selben Leute nicht nach Norwegen, wenn in Portugal eine Grippeepedimie ausgebrochen ist?

Wenn ich mir das so ansehe, wird mir auch klar, warum so viele Menschen über Jahre und Jahrzehnte immer an den gleichen Urlaubsort fahren. Sie haben einfach Angst, nie an ihrem neuen Urlaubsort anzukommen. Weil sie sich in der Welt nicht auskennen, landen sie auch schon mal im Rhein oder anstelle in München in Mailand. Das kommt davon, wenn man sich nur auf sein Navi verlässt und gar nicht weiß, wohin es geht, wenn man durch den Brennertunnel fährt.

Doch nicht nur der "normale Deutsche", sondern auch Politiker und Journalistenkollegen haben nur sehr rudimentäre Geografiekenntnisse. Sie sprechen so gern von Europa und meinen dabei lediglich die in der Europäischen Union mehr oder weniger verbundenen Staaten. Wissen die eigentlich, dass Europa erst am Ural endet - also tausende Kilometer entfernt von der östlichen EU-Außengrenze?

Und die Journalisten? Die berichten gern von vor Ort - zum Beispiel über den Anschlag im kalifornischen San Bernardino. Vor Ort? Der Reporter sitzt in Washington. Sehen sie einmal nach, wie viele Kilometer zwischen beiden Orten liegen - es sind 1.700. Von Berlin nach Rom ist es beispielsweise ähnlich weit. Gern wird auch über Konflikte in Afrika von vor Ort berichtet. Vor Ort ist dann beispielsweise Nairobi, es geht aber um das 8.500 Kilometer entfernt liegende Tunis. Vor Ort? Wir Geografie-Muffel lassen uns nur zu gern an der Nase herum führen. Übrigens: Von Berlin nach Tunis sind es nur gut 2.000 Kilometer.

Eine kleine Anmerkung: Alle Kilometerangaben beziehen sich auf Autofahrten.

Jetzt mache ich mir mein Frühstück.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück, wo auch immer Sie gerade sind.

 


Veröffentlicht am: 04.12.2015

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