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Was tun bei starker Luftverschmutzung auf Reisen?

Megacities versinken im Smog: Körperliche Belastung im Freien vermeiden

Derzeit melden chinesische Behörden erneut Rekordwerte bei der Feinstaubbelastung, stark betroffen ist vor allem die Hauptstadt Peking. Eine längerfristige starke Feinstaubbelastung kann Herz- und Lungenkrankheiten auslösen oder bereits vorhandene Erkrankungen verschlechtern.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass allein im Jahr 2012 die Verschmutzung der Außenluft weltweit rund 3,7 Millionen vorzeitiger Todesfälle verursacht hat. Bei Aufenthalten in stark smogbelasteten Metropolen sollten Reisende körperliche Anstrengungen im Freien meiden. Dies gilt insbesondere für Menschen, die an einer Herz- oder Lungenerkrankung leiden, sowie für Kinder, Ältere und Schwangere.

Bei Feinstaub handelt es sich um kleinste Partikel in der Luft, die vor allem durch Abgase und Industrieemissionen, aber auch durch natürliche Prozesse wie Bodenerosion in die Luft gelangen. Unterschieden wird zwischen Feinstaub mit Partikeln bis maximal 10 Mikrometern (PM 10) und ultrafeinem Feinstaub, bei dem die meisten Partikel kleiner als 2,5 Mikrometer sind (PM 2,5). Je kleiner die Partikel sind, desto gefährlicher.

Während gröbere Partikel in Nase und Rachen hängenbleiben, dringen ultrafeine Partikel tief in das Lungengewebe ein und gelangen bis in die Blutbahn. Sie lösen Entzündungsprozesse in den Lungen aus, beeinflussen die Blutgerinnung und die Regulierungsfunktion des vegetativen Nervensystems. Die gesundheitlichen Folgen reichen von lokalen Reizungen der Schleimhäute, Atemwege und Bronchien bis hin zu Herzinfarkten, Schlaganfällen und Lungenkrebs.

„Gesunde Menschen können sich von einer kurzfristigen starken Feinstaubbelastung normalerweise rasch erholen, sobald sie die stark belasteten Gebiete wieder verlassen“, sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. „Problematisch ist die Wirkung von Feinstaub vor allem für Menschen, die sich längerfristig in einer stark belasteten Region aufhalten oder für Menschen, die bereits an einer Herz- oder Lungenkrankheit leiden. Ihre Erkrankung kann sich auch bei kurzen Aufenthalten durch den Smog verschlechtern.“

Wenn möglich, sollten Reisende nur kurze Aufenthalte in stark smogbelasteten Metropolen einplanen und sich dort viel in Innenräumen aufhalten. Körperliche Anstrengungen und Sport im Freien sollten sie vermeiden. Vor allem bei längeren Stadtaufenthalten kann in Innenräumen der Einsatz von Luftfiltern mit HEPA-Filterfunktion sinnvoll sein. Wichtig ist die regelmäßige Wartung dieser Geräte. „Für den Aufenthalt im Freien gilt: Einfache Hygienemasken bieten keinerlei Schutz vor Feinstaub“, so Jelinek. „Eine Schutzfunktion bieten Atemmasken mit Filterfunktion, sogenannte N95-Respiratoren. Wie gut sie schützen, hängt jedoch erheblich davon ab, ob sie korrekt angewendet werden.“ So müssen die Masken beispielsweise dicht am Gesicht anliegen. Eine Einschränkung von Atemmasken mit Filterfunktion besteht darin, dass sie nur begrenzte Zeit getragen werden können, da sie das Atmen anstrengend machen. Reisende sollten bei der Nutzung die Anwendungshinweise der Hersteller beachten.

Wegen der gesundheitlichen Risiken des Einatmens von Feinstaub gibt die WHO Grenzwerte vor. So liegt der Grenzwert für Feinstaub PM10 bei 20 µm/m³ im Jahresmittel. Eine Zusammenstellung der WHO zeigt, dass diese Grenzwerte in vielen Städten der Welt regelmäßig um ein Vielfaches überschritten werden. Besonders betroffen sind Ballungsräume in China, der Mongolei, Indien, Brasilien sowie in einigen Ländern des Nahen Ostens und Afrikas. Im Zeitraum 2008 bis 2012 lagen die Jahresmittelwerte für PM10 in Delhi bei 280 µm/m³, in Peking bei 125 µm/m³ und in Abu Dhabi bei 170 µm/m³. Zum Vergleich: In europäischen Städten wie Rom und Warschau lag der Jahresmittelwert bei etwa 35 bis 40 µm/m³.

Quellen:
- Vortrag von Dr. med. Dipl-Betr. (BA) Axel Telzerow, „Luftqualität und Smog: Bedeutung für die reisemedizinische Beratung, Forum Reisen und Gesundheit des CRM Centrum für Reisemedizin, Berlin, März 2015
- www.who.int/topics/air_pollution/en/
- www.who.int/mediacentre/news/releases/2014/air-pollution/en/
- www.who.int/phe/health_topics/outdoorair/databases/AAP_database_results_2014.pdf

 


Veröffentlicht am: 08.12.2015

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