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Problemzone Männerbrust

Gynäkomastie – Die männliche Last mit weiblichen Rundungen

In Deutschland leiden rund ein Drittel der erwachsenen Männer und sogar knapp die Hälfte aller Jungen in der Pubertät unter Gynäkomastie, einer weiblich anmutenden Ausformung der Männerbrust.

Der Fachbegriff basiert auf den griechischen Worten „gyna“ für Frau und „mastos“ für Brust. Medizinisch sind diese Rundungen völlig unbedenklich, sie stellen für Betroffene jedoch meist eine enorme psychische Belastung dar. Massive Störungen des Selbstvertrauens, Einschränkungen der Lebensqualität und soziale Isolation sind häufig die Folge. „Wenn sich trotz ausreichendem Sport und einer Umstellung der Ernährung keine Verbesserung einstellt, hilft nur noch ein operativer Eingriff“, weiß Dr. med. Klaus G. Niermann, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Leiter der Fontana Klinik in Mainz. „Welche Form der Behandlung wir wählen, richtet sich dann nach den Ursachen des Problems.“

Männerbrust hat viele Formen

Echte Gynäkomastie entsteht durch Gewebewachstum der männlichen Brustdrüse, die auf einer oder auf beiden Seiten auftritt. Häufig ruft ein hormonelles Ungleichgewicht diese Form der gutartigen Vergrößerung der Drüsen hervor. Echte Gynäkomastie ist nicht immer krankhaft, sondern tritt auch ganz natürlich in bestimmten Lebensphasen bei Jungen und Männern auf, in denen sich ein hormoneller Wechsel vollzieht. „Wir sprechen dann von der natürlichen Gynäkomastie, die sich häufig von selbst zurückbildet. Sie tritt auf bei Neugeborenen, in der Pubertät und im Alter des Mannes“, erklärt Dr. Niermann und ergänzt: „Daneben gibt es die krankhafte Gynäkomastie, die auf einen abnormalen, das hormonelle Gleichgewicht beeinflussenden Prozess im Körper hinweist oder direkt in der Brust stattfindet.“ Bei der sogenannten falschen Form der Gynäkomastie, auch Pseudogynäkomastie oder Lipomastie genannt, lagern sich lediglich Fettreserven aufgrund starken Übergewichtes (Adipositas) in der Brust ein. Ausreichend Sport und eine Umstellung der Ernährung helfen dabei in den meisten Fällen. 

Man(n) schafft Abhilfe

Liegen die Symptome der Gynäkomastie dauerhaft vor, ohne dass Maßnahmen wie Sport, Ernährungsumstellung oder die Regulierung des Hormonhaushaltes dem entgegenwirken, bietet sich die Entfernung des Gewebes an. „Leiden Männer stark unter ihren Rundungen, rate ich ihnen zu einem operativen Eingriff, der in keinem Verhältnis zu der oft jahrelangen seelischen Belastung der Betroffenen steht“, meint Dr. Niermann und erklärt weiter: „Unter Vollnarkose oder Dämmerschlaf durchgeführt, dauert die Behandlung etwa zwei Stunden. Je nach Befund erfolgt die OP ambulant oder mit anschließendem stationärem Aufenthalt. Bei einer Pseudogynäkomastie sauge ich lediglich das überschüssige Fettgewebe ab. Im Falle der echten Gynäkomastie entferne ich das unverhältnismäßige Drüsengewebe und straffe das Hautgewebe durch einen kleinen Schnitt am Warzenvorhof, wodurch kaum sichtbare Narben zurückbleiben.“ Zur Nachsorge trägt der Patient etwa vier bis sechs Wochen einen Kompressionsgurt und sollte sich für diese Zeit sportlich nicht überanstrengen. Ansonsten ist man schon wenige Tage nach dem Eingriff wieder voll gesellschaftsfähig.

Ein Problem - verschiedene Faktoren

Als Ursache stellen Fachärzte in vielen Fällen eine erbliche Veranlagung zum Brustdrüsenwachstum fest. Ebenso entpuppen sich oft chronische Erkrankungen als Auslöser, die starke Auswirkungen auf den Hormonhaushalt haben, wie etwa Lebererkrankungen, Nierenfunktionsstörungen, Krebserkrankungen und eine Schilddrüsenüberfunktion. Auch der Zustand nach einer schweren Unterernährung oder nach der Entfernung eines oder beider Hoden hat einen starken Einfluss auf die Hormonregulation, ebenso wie die Einnahme von bestimmten Medikamenten oder Drogen. Sogar die Anwendung einiger hormonbeeinflussender Pflegeprodukte ruft mitunter ein krankhaftes Wachstum des Drüsengewebes in der Brust des Mannes hervor. Vor einem operativen Eingriff sollten also die Ursachen für die Gynäkomastie genau feststehen.

Foto: Fontana Klinik

 


Veröffentlicht am: 20.12.2015

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