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Morgengruß von Helmut Harff: Erstaunen

Gestern war ich überrascht

Ich bin eigentlich ein sehr geschichtsinteressierter Mensch. Dennoch wunderte mich gestern, dass ein Buch, dessen erster Teil schon vor über 90 Jahren geschrieben wurde, es in alle Nachrichtensendungen gefunden hat. Ich meine Hitlers "Mein Kampf".

Gestern erschien ja eine lange angekündigte kommentierte Ausgabe dieses bisher nach dem 2. Weltkrieg hierzulande nicht mehr aufgelegten Buches. Wobei, wenn man sich die Bände ansieht, so sind es eher Kommentare von Historikern, unterlegt mit Schnipseln aus "Mein Kampf".

Ich habe auch den Eindruck, dass die meisten, die sich nun berufen fühlten oder den Auftrag erhielten, über Hitlers Ergüsse zu schreiben, das Buch noch nie in der Hand gehalten haben. Dabei war das auch bisher gar nicht so kompliziert. Man konnte es in Bibliotheken zumindest lesen. Ich tat das im Übrigen nicht in einer Bibliothek, sondern im kommunistischen Polen. Da konnte man das Buch für kleines Geld sogar auf dem Flohmarkt kaufen.

Gestern erfuhr ich zu meinem nicht geringen Erstaunen, dass "Mein Kampf" - ein wirklich judenfeindliches Buch - in Israel nicht verboten war. Wenn die Menschen, die unter Hitlers Wahn so unvorstellbar leiden mussten, "Mein Kampf" lesen konnten, warum durfte das die Täter und wir - ihre Nachkommen das nicht? Spielt da vorauseilender Gehorsam eine Rolle? Hatte man Angst, irgendwelche Knalltüten würden das Buch zu ihrem Parteibuch machen?

Wieso kann ich dann allerdings die Mao-Bibel oder das Kommunistische Manifest kaufen? Kommunisten und Maoisten haben sicherlich ebensoviel Blut an den Händen, wie die Nationalsozialisten.

Wer das Buch jemals gelesen hat, wird zu der Erkenntnis kommen, dass "Mein Kampf" niemand zum Neonazi macht. Selbst Judenfeinde und Rassenfanatiker werden damit nicht noch wirrer im Kopf. Dazu taugt aus meiner Sicht "Mein Kampf" einfach nicht.

Doch wozu nun diese Aufregung über die kommentierte Ausgabe von "Mein Kampf"? Ich habe zum Teil den Eindruck gehabt, dass der Kontakt mit dem Buch auf einige Medienmacher und andere Menschen den selben Eindruck hat, wie einst das erste Pornoheft. Man hat etwas eigentlich verbotenes, etwas so ganz unmögliches in der Hand. Nun kommt der Vater und erklärt, was da auf den Bildern zu sehen ist. Ein Pornoheft, das Vater erklärt? Das will keiner.

Doch warum sollen wir eine kommentierte Ausgabe von "Mein Kampf" wollen, warum dieser Medienhype? Sind wir nicht intelligent genug, so ein Buch ohne unzählige Anmerkungen und Erklärungen zu lesen und richtig einzuordnen? Wer traut da uns mündigen Bürgern nicht über den Weg? Wer hat diese mediale Aufregung um ein eigentlich wissenschaftliches Werk auf den Weg gebracht? Lenkt das gerade etwas von der Flüchtlingsdiskussion ab oder passt es einigen gerade jetzt so wundervoll in den Kram?

Ich würde beides viel schlimmer finden als eine ganz normale "Mein Kampf"-Ausgabe in Taschenbuchformat, die sich jeder leisten kann, der mal nachlesen will, was Hitler da so zu Papier gebracht hat. Ich bin mir sicher, die meisten legen relativ schnell das Buch gelangweilt zur Seite.

Eines ist ganz sicher, zur Frühstückslektüre taugt "Mein Kampf" nicht. Es hat einfach so viele mediale Aufmerksamkeit nicht verdient.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 09.01.2016

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