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23.04.2017

 

 

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Spaß im Schnee statt Ärger vor Gericht

Worauf Eltern achten sollten, wenn ihre Kinder im Schnee toben

Ist frischer Schnee gefallen, hält es Kinder nicht mehr im Haus: Raus zur Schneeballschlacht oder zum Rodeln. Doch auch im Winterwonderland gelten Regeln. Was, wenn sich beim Toben im Schnee jemand verletzt? Und wer haftet, wenn Fensterscheiben durch Schneebälle zu Bruch gehen? Michaela Zientek, Juristin der D.A.S. Rechtsschutz Leistungs-GmbH (D.A.S. Leistungsservice), gibt Eltern Hinweise, worauf sie im Winter achten sollten.

Schon die ganz Kleinen lieben es, geborgen in Mamas oder Papas Armen auf dem Schlitten einen Berg herunter zu sausen. Deutlich riskanter wird es allerdings, wenn der Nachwuchs anfängt, alleine zu rodeln oder das Schneeballwerfen entdeckt. Denn schon im Kindergarten kann es zu richtigen Schneeballschlachten kommen. Leider lassen sich dabei Unfälle und Verletzungen nicht immer vermeiden. Kleine Kinder sind besonders gefährdet, da sie riskante Situationen noch nicht richtig einschätzen können. Hier sind die Eltern in der Pflicht: „Eltern müssen ihre minderjährigen Kinder beaufsichtigen”, erklärt Michaela Zientek, Juristin der D.A.S. Rechtsschutz Leistungs-GmbH (D.A.S. Leistungsservice). „Verletzen sie diese Aufsichtspflicht, können sie für Schäden haftbar gemacht werden, die ihre Kinder anrichten.” Dies gilt grundsätzlich auch für Erzieher, Lehrer oder andere berufliche oder freiwillige Aufsichtspersonen, die die Beaufsichtigung fremder Kinder übernommen haben.

Umso älter und einsichtiger ein Kind ist, desto weniger ist eine Aufsicht notwendig. Allerdings gibt es hier keine allgemein verbindlichen Regeln: „Welches Ausmaß der Betreuung angemessen ist, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab, etwa vom Alter des Kindes, seinem Charakter und seinem Entwicklungsstand”, erklärt die D.A.S. Juristin. Auch die Situation spielt eine Rolle: So entschied zum Beispiel das Amtsgericht Bonn, dass knapp sieben Jahre alte Kinder auch ohne elterliche Aufsicht Schlittenfahren können, wenn keine besonderen Gefahren wie besonders steile oder eisige Hänge zu erkennen sind (AG Bonn, Az. 15 C 465/05).

Tipps fürs Toben im Schnee

Pflicht der Eltern ist jedoch, den Kindern frühzeitig einige Verhaltensregeln zu erklären. So sind bei einer Schneeballschlacht der Kopf und vor allem das Gesicht als Ziel tabu, ebenso wie Fenster, Hauswände und Autos. Als Ort eignen sich Wiesen oder Gärten abseits von Gehwegen, Fußgängerzonen und viel befahrenen Straßen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass ein Schneeball Fenster, Autos oder sogar Passanten trifft. Vorsicht vor Schnee mit Eis, Steinen oder Dreck: Da kann selbst ein kleiner Ball schnell zu Verletzungen führen! Auch Ohrringe stellen eine Gefahr für die Trägerin dar: Sie können sich leicht in der Winterkleidung verhaken und schmerzvolle Verletzungen verursachen. Und für das Schlittenfahren gilt: Nicht am steilsten Hangstück beginnen, eisige Stellen und Sprungschanzen besser meiden. „Außerdem sollten Rodler immer bereit sein, zu bremsen und laut zu rufen, wenn andere Kinder auf dem Hang unterwegs sind”, so der Tipp der D.A.S. Juristin.

Wer haftet, wenn doch was passiert?

Wichtig beim Schlittenfahren: Wer außerhalb von dafür freigegebenen Pisten rodelt, handelt grundsätzlich auf eigene Gefahr! Denn Städte und Gemeinden sind – zumindest nach den Urteilen einiger Gerichte – nicht verpflichtet, beispielsweise auf eine Mauer im Hang hinzuweisen oder riskante Hänge zu sperren (OLG Hamm, Az. I-9 U 81/10). Gerade deswegen müssen Eltern sorgsam darauf achten, ob sich ein bestimmter Hügel als Rodelpiste eignet. Denn wenn ein Unfall passiert, haftet meist der Rodler, nicht die Stadt oder Gemeinde.

Gehen bei einer Schneeballschlacht eine Fensterscheibe oder eine Brille kaputt, ist es mit der Haftung oft kompliziert: „Unter Umständen können Kinder rechtlich zur Verantwortung gezogen werden”, so Michaela Zientek und erklärt: „Zwar sind Kinder unter sieben Jahren grundsätzlich deliktunfähig. Sofern auch die Eltern ihre Aufsichtspflicht nicht vernachlässigt haben, bleibt der Leidtragende auf seinem Schaden sitzen. Aber: Ab dem siebten Geburtstag können Kinder bei Vorsatz oder Fahrlässigkeit selbst juristisch belangt werden. Und ein per Gerichtsurteil rechtskräftig festgestellter Anspruch verjährt erst nach dreißig Jahren.“

So muss zum Beispiel ein Achtjähriger, der jemandem einen vereisten Schneeball ins Auge wirft oder damit auf das Auto des Nachbarn zielt, durchaus mit Schadenersatzansprüchen rechnen. Und zwar dann, wenn anzunehmen ist, dass er die Folgen seines Handels abschätzen konnte. War dies nicht der Fall, kann es wiederum sein, dass seine Eltern wegen einer Verletzung der Aufsichtspflicht haften müssen – dies gilt generell für alle Minderjährigen.

Quelle: ERGO Versicherungsgruppe

 


Veröffentlicht am: 26.01.2016

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