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Morgengruß von Helmut Harff: Gutmenschen

... gehen ins Theater

Es ist schon erstaunlich, welchen Unsinn man so im Radio hören kann. Gestern durfte sich ein Opernsänger, der in der Dresdner Semperoper gastiert,  in Deutschlandradio Kultur äußern. Das ist in diesem Sender ja nichts ungewöhnliches und ich hätte gern etwas zu seinem Auftritt als Countertenor gehört.

Vielleicht hat er sogar dazu etwas gesagt, doch ich habe es mir einfach nicht gemerkt. Denn ich musste mich einmal mehr aufregen. Der Künstler ließ sich zu den Pegida-Demonstranten ein und bemerkte fast nebenbei, dass man die da vor der Oper sieht wohl kaum in der Oper wieder treffen würde.

Wieder einmal so eine Verallgemeinerung, wieder einmal so ein Schwachsinn, mit dem versucht wird, alle Menschen in eine Schublade zu stecken. Einst waren die demonstrierenden Studenten alles langhaarige Gammler und arbeitsscheue und von Moskau gesteuerte Subjekte. Heute sind die, die da auf angemeldeten Demonstrationen ihrem Frust - zum Teil auch ihre rechte Gesinnung -  lautstark zum Ausdruck bringen also kulturlose Typen, die nicht ins Theater gehen.

Dass das die Meinung des Sängers ist, sei ihm unbenommen, dass man das aber so unkommentiert über den Sender laufen lässt, ist zumindest Wasser auf die Mühlen, die an der Presse kein gutes Haar lassen. Oder ist man bei Deutschland Radio Kultur der Ansicht, dass Pegida-Demonstranten und AfD-Anhänger den Sender ohnehin nicht hören? Wenn man sich da mal nicht irrt.

Ich finde es allerdings schon sehr merkwürdig, wenn man ausgerechnet in der Wagnerstadt Dresden behauptet, dass Rechte, dass Deutschnationale, dass Ausländerhasser, dass verunsicherte Menschen nicht ins Theater, nicht in die Oper gehen. Weiß man dort in Künstlerkreisen wirklich nicht mehr, dass die Inkarnation des Bösen Adolf Hitler  ein Opernfan war - zumindest wenn es sich im solche von Wagner handelt?

Weiß man in Künstlerkreisen wirklich nicht, dass Volksverhetzer, ihre Helfershelfer und ihre Mitläufer sich gern mit Künstlern und Kunst umgeben? Das haben wir in Deutschland mehr als einmal erleben "dürfen". Ein Blick in andere Länder und andere Zeiten zeigt, dass Menschen, die andersgeartete Menschen nicht mochten, hassten und verfolgten, sehr wohl kunstinteressiert waren. Sie sammelten, bauten Museen und Theater, förderten die Künstler. Klar, die mussten auf Linie sein, durften nicht die Hand beißen, die sie füttert.

Es ist eben ein hanebüchener Unsinn davon auszugehen, dass nur Gutmenschen Kunst schätzen. Niemand weiß, ob der Nachbar in der Opernloge, ob der Mensch, der da mit einem ein Bild in der Galerie Alte Meister oder das Geschmeide im Grünen Gewölbe betrachtet, ein Ausländerfreund ist oder einer, der noch diese Nacht ein Flüchtlingsheim anzündet.

Die Welt ist nun einmal nicht so einfach gestrickt, dass man meinen kann, dass alle Opernbesucher Gutmenschen sind und die da Ausländer raus fordern alles Analphabeten sind, die bei Wagner nur an Tiefkühlpizza und bei Figaro nur an ihren Lieblingsglatzenschneider denken.

Ich mach mir jetzt mein Frühstück und hoffe, dass man endlich von der Schwarz-Weiß-Berichterstattung lässt. Ein Karl-Eduard von Schnitzler in meinem Leben reicht mir.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 25.02.2016

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