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Morgengruß von Helmut Harff: Herzlichen Glückwunsch

… allen Frauen

Heute ist also der Tag der Frauen. Am 8. März feiern wir den von der Sozialistin Clara Zetkin initiierten Internationalen Feiertag. Einerseits ist es schön, dass es so einen Tag gibt, andererseits habe ich da Bauchschmerzen.

Nicht, dass ich den Frauen nicht ihren Tag gönne. Ich finde es allerdings beschämend, dass so ein Tag immer noch notwendig zu sein scheint. Frauenrechte, Chancengleichheit zwischen Frau und Mann – für die muss noch immer gestritten werden. Ja, ich plädiere für Chancengleichheit, nicht für irgendwelche Quoten. Letzte helfen nicht. Auch irgendwelche Frauenförderung schafft es nicht, dass Frauen und Männer gleiche Chancen haben. Wie die dann jeder für sich nutzt, was er aus seinen Chancen macht, dass liegt bei jedem selber.

Der 8. März spielte in meinem Leben schon immer eine Rolle. Im Kindergarten bastelten wir für die Mama oder die Oma etwas. Das war auch noch in den ersten Schuljahren so. Wir machten der Mama das Frühstück und überhaupt wurden die Frauen an diesem Tag verwöhnt. Leider war das in sehr vielen Fällen auf diesen einen Tag beschränkt. Da brachten die Chefs Kuchen mit – häufig von der Frau zuhause gebacken – und kochten vielfach nicht schmeckenden Kaffee. Die Kolleginnen bekamen Konfekt – das durfte zuvor die Sekretärin besorgen und hübsch einpacken – und Blumen.

Es bleibt mir bis heute ein Rätsel, wie es die DDR jedes Jahr schaffte, dass es – zumindest in Berlin – immer am 8. März Blumen gab. Das gehört für mich zu den großen Mysterien des untergegangenen Arbeiter- und Bauernstaates. Ich habe allerdings eine Idee: Die Versorgung mit Blumen lag in Frauenhand.

Am 8. März gab es in der DDR auch für mehr oder weniger verdiente Frauen – mancherorts waren es fast alle – Orden und Prämien. Hier setzt eine der peinlichsten Erinnerungen bei mir ein. Frauen wurden aufgerufen und durften auf die Bühne der Staatsoper kommen. Plötzlich fiel auch mein Name – ich arbeitete damals an der Staatsoper. Mein Kopf lief rot an und irgendwie erreichte ich die Bühne. Kollegen hatten mich für eine Prämie vorgeschlagen und wetteten, ob ich auf die Bühne gehen würde oder nicht. Der Wetteinsatz wurde noch am selben Abend verfeiert.

Feiern, dass war ohnehin das große Thema am 8. März in der DDR. Zuerst wurde gemeinsam gefrühstückt, dann gab es vor allem in größeren Betrieben eine Feierstunde mit besagten Prämien. Am Nachmittag knallten dann die Korken der gehorteten Rotkäppchen-Sektflaschen. Solche Feiern dauerten dann häufig recht lange. Verbrüderungen – gern auch im Frauenruheraum – zwischen Chef und einer häufig jüngeren Kollegin wurden zumeist nur mit etwas Klatsch bedacht. Auch sonstige Annäherungen waren an der Tagesordnung. Ob allerdings die Feiern zum Internationalen Frauentag einen wesentlichen Beitrag zur Geburtenrate in der DDR beitrugen kann ich nicht sagen.

Wie wird heute der Tag begangen? Sicherlich gibt es auch heute Blümchen und vielleicht auch etwas Süßes. Doch heute, 2016, sollte es zumindest dafür nicht eines 8. März bedürfen. Heute wissen wir Männer doch, was wir den Frauen schuldig sind.

Und sonst? Einige werden protestieren, werden für Frauenrechte auf die Straße gehen. Viele werden wie ich gerade Kommentare zu diesem Tag schreiben. Es werden am Dienstag Sonntagsreden gehalten. Viel mehr wird nicht passieren.

Ich wünsche allen Frauen, dass man in absehbarer Zeit keinen Tag mehr braucht, um zumindest Chancengleichheit einzufordern.

Ich mache jetzt der besten Frau der Welt und mir Frühstück. Das ist aber keine Seltenheit.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 08.03.2016

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