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Morgengruß von Helmut Harff: Humor

Wo ist der geblieben?

Humor, dieser Begriff hat momantan alles, um zum Unwort des Jahres zu werden. Humor, das ist gerade etwas, was die Politik, die Parteien, die Medien, die Juristen, die Menschen auf der Straße und die Stammtische interessiert. Doch geht es wirklich um den Humor?

Nein, es geht um ein so auch betiteltes Schmähgedicht eines Herrn Böhmermann. Dem ist es gelungen - was nicht schwer ist - dass sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf die sehr empfindlichen Füße getreten fühlt. Der - der türkische Politiker - klagt nun mit dem Segen der Bundeskanzlerin Merkel gegen den selbst ernannten Humoristen.

Was Humor ist, ist nun mal schwer zu definieren. Ich finde, dass Böhmermann nun nicht gerade zur Crème de la Crème der deutschen Humoristen gehört. Doch das sieht sicherlich jeder anders. Er hat es zumindest geschafft, dass man über Humor wieder redet. Das machte auch der von mir wirklich geschätzte Vielkönner und Ideenproduzent Hugo Egon Balder gestern in der MDR-Sendung "Riverboot". Erst stellte er fest, dass er über das Böhmermann-Schmähgedicht Richtung Erdoan nicht lachen konnte. Dann meinte er - und das ist viel relevanter - dass er Humor in Deutschland immer mehr vermisst. Er meinte auch - Böhmermann hin oder her - sich niemand mehr in Deutschland etwas traut. Dabei meinte er das Fernsehen - doch nicht nur.

Ich kann Herrn Balder nur zustimmen. Was mir so als Humor angeboten wird, geht eher in Richtung schenkelklopfender Blödeltexte, die gern unter die Gürtellinie gehen oder auf wenig intelligente Art mit Klischees umgehen. Da fällt mir ein Zitat ein, dass ich mal in einem Offenbach-Programm gehört habe. Der Operettenkomponist soll einmal gesagt haben: Die Republik will breiter, behäbiger lachen. Leider hat er damit sicherlich recht gehabt.

Gestern fragte die Moderatorin Hugo Egon Balder auch, ob man in Zeiten wie diesen - der Hinweis auf Terroranschläge durfte nicht fehlen - überhaupt lachen darf, Humor braucht. Bei mir stellten sich dabei die Nackenhaare auf und ich wäre nicht so freundlich geblieben wie der Befragte. Der verwies darauf, dass man gerade in schwierigen Zeiten vor allem eines braucht: Humor. Klar, dass er auf die vergleichsweise schwierigen zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verwies. Damals hungerten Millionen Menschen und es gab Aufstände und Terroranschläge am laufenden Band in Deutschland. Dennoch ist diese Zeit als die Goldenen Zwanziger Jahre in die Geschichte eingegangen.

Damals wollten die Leute lachen, wollten sich ablenken. Kleinkunstbühnen schossen wie die berühmten Pilze aus dem Boden und viele der Kabarretisten und ihre Sketche, Lieder und Programme sind bis heute bekannt. Ich bin mir sicher, dass später niemand von den Goldenen Jahren spricht und unsere gerade aktuelle Zeit meint.

Das kann man beklagen, muss es aber nicht. Wenn wir mit Böhmermann, Pocher und Co. zufrieden sind, wenn wir breiter, behäbiger lachen wollen, so kann das ja auch ein Zeichen dafür sein, dass die Zeiten viel, viel besser sind, als die vor knapp 100 Jahren. Wenn das so ist, dann verzichte ich gern auf Humor eines Karl Kraus, eines Karl Valentin, eines Joachim Ringelnatz, eines Otto Reutter und gebe mich mit Pocher und Co. zufrieden.

Zufrieden bin ich gleich auch am Frühstückstisch.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Hoffentlich haben Sie etwas zu lachen.

 


Veröffentlicht am: 16.04.2016

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