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26.07.2017

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: Lügenpresse

... am Tag der Pressefreiheit

Auf vielen Demos, aber auch an vielen Stammtischen ist sie in aller Munde, die Lügenpresse. Sie ist heute auch in den Medien ein immer wieder besprochenes und beschriebenes Phänomen. Keiner von den Machern, von den Journalisten, Herausgebern und Finanziers will sich selbstverständlich als Lügenpresse bezeichnen oder beschimpfen lassen.

Und doch, auch ich zweifel immer wieder an der Berichterstattung, um nicht zu sagen, ich verzweifel manches mal an dem, was ich da so präsentiert bekomme. Da wird je nach Gusto und Interessenlage, aber auch nach allgemeiner Stimmung aus der Mücke ein Elefant oder eben aus dem Dickhäuter ein kleines Insekt gemacht. Auch ich kann mich des Eindrucks nicht erwähren, dass da gern von einander abgeschrieben wird, dass man viel zu viel um politische Korrektnis bemüht ist.

Doch reicht das, um von Lügenpresse zu sprechen? Dazu ein klaren Nein. Als DDR-Bürger weiß ich, was Lügenpresse, was gleichgeschaltete Presse ist. In der Diktaur des Proletariats war nicht einmal die Sportberichterstattung oder die Theaterkritik frei von Bevormundung. Personenkult und die Parteimeinung gestimmten die Medien. Doch von Lügenpresse sprach damals niemand. Man wusste schicht und ergreifend, dass die Tabelle zur Fußball-Oberliga so ziemlich das einzige ist, was in der Zeitung stimmt.

Insofern ist es schon sehr vermessen, heute von Lügenpresse zu sprechen. Allerdings wünsche ich mir noch viel mehr journalistische Freiheiten, viel mehr politische Unkorrektheiten. Ich wünsche mir aber auch, dass nicht alles gleich zum Skandal erhoben wird, was nicht einmal ein Skandälchen ist. Ich wünsche mir viel mehr Mut, die Dinge beim Namen zu nennen. Ich wünsche mir aber auch viel mehr Medien, die frei agieren können.

Ich wünsche mir aber auch das ehrliche Eingeständnis, dass es keine unabhängigen Medien gibt. Das gilt für die öffentlich-rechtlichen Medien, für die großen privaten Meinungsmacher, für die lokalen Medien, aber auch für Internetportale und Blogs. Alle sind von der Meinung der Macher abhängig. Als Kölner Zeitung werde ich keinen Sieg der Düsseldorfer bejubeln, als veganer Blogger werde ich kein noch so toll produziertes Fleisch über den grünen Klee loben.

Noch ein Aspekt zu Pressefreiheit Deutschland, die gerade heute, am Tag der Pressefreiheit, wieder beschworen wird. Sieht man sich mal die Rangliste der Pressefreiheit 2015 an, erstellt von Reporter ohne Grenzen, so findet man Deutschland dort auf Platz 12. Da bleibt noch viel Luft nach oben. Wenn man dann allerdings sieht, dass die angeblichen Hochburgen der Pressefreiheit wie Groß-Britannien (Platz 34), Frankreich (38) oder die USA (49) weit abgeschlagen in der Liste zu finden sind, dann stehen wir gar nicht so schlecht da.

Es besteht, wie schon gesagt, noch Luft nach oben, aber von Lügenpresse zu reden, geht entschieden zu weit. Im Deutschlandradio Kultur forderte heute Morgen ein Medienwissenschaftler, dass hiesige Journalisten sich mehr auf die Berichterstattung, weniger auf lehrerhaftes Verhalten konzentrieren sollten. Darüber werde ich jetzt beim Frühstück mal nachdenken.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Lesen Sie dabei die Zeitung?

 


Veröffentlicht am: 03.05.2016

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