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Morgengruß von Helmut Harff: Regional genießen

... das ist gar nicht so einfach

Regional genießen, das ist überall, wo es um das Essen geht, das Schlagwort schlechthin. Egal ob Fleischesser, Vegetarier oder Veganer, alle schwören auf regionale Produkte. Alles soll vor der Haustüre produziert werden - am besten in Bioqualität. Man will das Schwein, die Kuh und das Huhn gekannt haben, zumindest aber beim Joggen immer begrüßt haben, das man isst. Man will den Roggen für sein Körnerbrot schon vor der Ernte gestreichelt haben. So zumindest die Wunschvorstellungen von immer mehr Menschen.

Wenn man Glück hat, dann wohnt man dort, wo es noch selber schlachtende Metzger und selber backende Bäcker gibt. Wenn man Glück hat, gibt es einen Biobauern, dessen Hühner auch mal auf die Wiese dürfen. Wenn man Glück hat, lebt man dort, wo die Kühe auf der Wiese oder gar auf der Alm wiederkäuen. Wenn man Glück hat, dann gibt es Fischer in der Gegend oder zumindest bewirtschaftete Fischteiche. Wenn man Glück hat, verdient man auch noch so viel, das man sich all diese gesunden Lebensmittel auch kaufen kann.

Fleisch, Eier, Käse, Milch, Butter, aber auch Brot und Brötchen, vielleicht sogar Fisch bekommen noch relativ viele Menschen aus der Region zu kaufen, in der sie leben. Wahrscheinlicher ist, dass lediglich einige dieser Produkte im näheren Umkreis erzeugt werden. Wer sich regional ernähren will, muss wohl auf das eine oder andere verzichten.

Doch wo bleiben Obst und Gemüse? Das fragte ich mich gerade in Inzell, das frage ich mich aber auch in der Lausitz, das frage ich mich an der Nordsee. Wenn ich in der Lausitz, wenn ich rund um Inzell - die Regionen und Orte sind austauschbar - unterwegs bin, dann sehe ich so gut wie nie Obstbaum-Plantagen, die so groß sind, zumindestens in der Erntezeit die Gegend mit Äpfel, Birnen, Pflaumen oder Kirschen zu versorgen. Ich sehe auch keine Felder voller Blumenkohl, Salat, Mohrüben oder anderem Gemüse. Ich sehe nicht einmal in den Gärten nennenswerte Flächen, auf denen Gemüse gezüchtet wird.

Obst und Gemüse aus der Region? Das scheint fast noch utopischer zu sein, wie Fleisch und andere tierische Produkte, die sozusagen vor der Haustüre produziert werden. Viele wollen Bio-Gemüse und bekommen es auch in den einschlägigen Geschäften zu kaufen. Doch ist das auch regionales Obst und Gemüse? Ich wage das zu beweifeln. Klar gibt es Regionen, in denen stolpert man überall über Obstbäume. Woanders wächst der Wein, wird Spargel in Mengen gestochen. Es gibt auch Gebiete, die vom Obst- und Gemüseanbau leben. Doch ich habe noch nie größere Anbauflächen gesehen, auf denen Stachelbeeren oder Johanissbeeren geerntet werden. Zumindes sah ich die noch nie in der Umgebung von Orten, an denen ich wohne oder wo ich zu Gast war.

Regionale Produkte schätze ich. Doch daraus eine Religion zu machen, halte ich für Schwachsinn. Wir leben nun einmal in einer Ecke der Erde, in dem nicht alles, was wir an Lebensmittel schätzen wächst. Ich glaube auch nicht, dass wir wirklich nur das essen wollen, was mehr oder weniger direkt vor unserer Küchentür wächst. Ich will das nicht. Ich will nicht auf fremdländische Gewürze noch auf Melonen, Bananen, Kiwis und Co. verzichten. Ich will auch nicht auf all die Leckereien, die Weine, die Biere, auf Reis oder Kaffee und Tee verzichten.

Wir sollten aus unserer Ernährung keine Religion machen, sollten auf Glaubenskriege zwischen den Supermarkt- und den Biomarktkäufern, auf Glaubenskriege zwischen Fleischessern und Fleischverweigeren verzichten. Wir sollten uns schlicht gesund ernähren. Wir sollten aber auch begreifen, dass wir nicht nur essen um zu überleben, sondern dass Essen auch Genuss ist.

Ich genieße jetzt mein Frühstück.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 12.07.2016

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